Heinisch-Hoseks HYPOthek für Österreichs Jugend

Das Bildungssparpaket verzockt die Bildungschancen unserer Kinder

(Wien, 11-04-2014) - Dr. Susanne Schmid, stellvertretende Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung und Vielfalt“, übt scharfe Kritik an den heute publik gewordenen Sparplänen der Unterrichtministerin.

„Diese Ministerin ist bereits nach wenigen Monaten zur HYPOthek für Österreichs Bildungswesen geworden“, so Schmid weiter. „Sie verzockt mit diesem Sparpaket die Zukunftschancen unserer Kinder, die an der HYPO-Pleite ohnehin noch als Steuerzahler schwer zu tragen haben werden.“

Schmid fordert eine Bildungsoffensive in budgetärer ebenso wie in finanzieller Hinsicht. „Das Misserfolgsmodell Neue Mittelschule soll durch einen Aderlass bei der Personalausstattung auf die Erfolgsspur gebracht werden? Das sind ja mittelalterliche Heilmethoden!“ konstatiert die Medizinerin Dr. Schmid.

Zweifellos gehörte die NMS saniert, damit sie zu einem Erfolgsmodell werden kann. „Dazu bedarf es aber einer grundlegenden Reform des Konzepts. Den NMS sollten nicht Ressourcen weggenommen werden. Vielmehr sollten sie die Freiheit bekommen, mit den Ressourcen vor Ort sinnvoll umzugehen!“ so Schmid weiter.

Als „geradezu perfid“ bezeichnet die stellvertretende Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung und Vielfalt“ die Einschnitte bei den ORGs, die für die Abgänger der NMS den Weg in Richtung Reifeprüfung und Studium bereiten sollten. „Gerade der Übergang in die höhere Schule bedarf ganz besonders intensiver individueller Betreuung der Schüler. Wie soll dies in Zukunft möglich sein, wenn jeder Lehrer in den Schlüsselfächern (Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen) statt 17 plötzlich 34 Schüler in jeder Klasse hat?“ so Schmid an die Adresse der Bildungsministerin.

Als „skandalös und fahrlässig“ kritisiert Dr. Susanne Schmid, dass in den BHS (z.B. HTL und HLW) mit der Sicherheit der Schüler durch Vergrößerung der Gruppen gespielt wird. So ist es z.B. bei einer Bautechnik-HTL ein erhebliches Risiko für die Schüler, wenn die derzeitigen Gruppen von Standard sechs, höchstens acht, auf geplante 10 Schüler vergrößert werden.

Für Schmid ist besonders bezeichnend, dass Heinisch-Hoseks Sparpläne praktisch lückenlos auf heftige Ablehnung stoßen: „Neben der frisch gebackenen SP-Bildungssprecherin fand nur IV-Präsident Kapsch, vom BIFIE-Skandal kaum genesen, lobende Worte.“

„Wären unsere Schulen Banken, wären sie längst mit den nötigen Finanzmitteln versorgt. Ich appelliere an die politisch Verantwortlichen in diesem Land, die Schulen und damit die Zukunft unserer Kinder nicht in die Pleite zu treiben.“ so Schmid abschließend.

Rückfragehinweis:

            Dr. Susanne Schmid

            Stv. Vorsitzende

            Tel.: 0664 3302618

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Wieder das übliche Gesudere der selbst ernannten Bildungsexperten

Das Aussetzen von PISA und aller anderen standardisierten Testverfahren, auf welch krude Namen sie auch immer getauft sein mögen, ist ein Befreiungsschlag.

 ("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2014)

Es war hart, aber zugleich wahr, was einst Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über Leute hat verlauten lassen, die sich berufen fühlen, mit guten Ratschlägen hausieren zu gehen: Das, was man in Österreich gewöhnlich zu hören bekommt, sei „das übliche Gesudere“ von notorischen Besserwissern. Bestätigt sieht man dies nach der Entscheidung der Bildungsministerin, in nächster Zeit die zentral gesteuerten Kompetenzprüfungen an den Schulen auszusetzen. Ein doppelbödiges Klagen darüber hat sie sich damit eingehandelt.

 

Doppelbödig deshalb, weil den meisten Klagenden mit der Entscheidung der Ministerin eben das weggenommen wurde, was sie am liebsten tun: anhand von Tests, bei denen Österreichs Kinder und Jugendliche – so wollen es die Miesepeter – per definitionem schlecht abschneiden, ihr Gejammer über die ach so schlechte Schule ertönen zu lassen. Selbst beim letzten PISA-Test, bei dem jedenfalls in Mathematik eine beachtliche Verbesserung erzielt worden war, hörte man man nicht auf, die Ergebnisse, wo es nur ging, madigzumachen. Und jetzt soll das plötzlich ein Ende haben? Umso mehr Anlass für die Defätisten, eine noch lautere Elegie anzustimmen.

So weit hergeholt der Anlass des Datenlecks beim famosen BIFIE dafür freilich sein mag, die Entscheidung des Aussetzens von PISA, TIMMS und aller anderen standardisierten Testverfahren, auf welch krude Namen sie auch immer getauft sind, ist ein Befreiungsschlag, der nur guttun kann. Dass der PISA-Macher Andreas Schleicher gereizt warnt, man könne moderne Bildungssysteme „nicht im Blindflug steuern“, zeigt nur, dass die OECD nervös wird, wenn ein Land vom PISA-Zirkus aussteigen will.

Würde das nämlich Schule machen, droht einer ganzen Truppe von selbst ernannten Experten der Verlust ihres schönsten Spielzeugs. Und dass Günter Haider, dem es einst gelang, sich durch PISA bekannt, ja sogar ministrabel gemacht zu haben, mit Verve seine Bereitschaft erklärt, von seinem Institut aus die Tests durchzuführen, zeigt nur: Bei diesem Trubel ist viel Geld im Spiel und einiges zu gewinnen. Nur die Schüler und die Lehrer, die bei den Tests eingespannt werden, ziehen keinen Nutzen daraus. Denn niemand erfährt, wie sie oder er persönlich abgeschnitten hat, ob sie oder er testkonform unterrichtet hat.

Österreich drücke sich, so hört man von den Meckerern, vor dem internationalen Vergleich. Natürlich stimmt das überhaupt nicht. Wir können uns gar nicht vor der Konkurrenz mit anderen Ländern drücken, weil der Erfolg unserer Wirtschaft allein auf dem Wissen und Können derer beruht, die – jedenfalls in der überwiegenden Zahl – in unseren Schulen gelernt haben.

Wenn die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich 8,9 Prozent beträgt, sie hingegen in Finnland mehr als doppelt so hoch ist und 19,4 Prozent beträgt, tröstet das Lob der OECD über Finnlands Schulsystem wenig. Nicht die Kompetenzprüfungen sorgen dafür, dass in Schulen gut unterrichtet wird, sondern die in ihnen tätigen Lehrer. Kann man sich auf sie verlassen, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen ihrer Aufgabe nachkommen, erübrigt sich die Fülle der Tests.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, lautet der Einwand. Er ist berechtigt. Doch es genügt, in einem angemessenen Maß zentral zu überprüfen, wie gut unterrichtet wird. Und es wäre besser, man zöge nicht internationale Formate dazu heran, die mehr kosten, als sie wert sind, sondern erstellte für unser Land zugeschnittene Vorlagen für Prüfungen. Am besten teilzentral: Basale Aufgaben kommen von außen, weiterführende vom Lehrer der Klasse.

Und jenen Schwarzmalern, die auch hier eine Quelle für ihr Klagen wittern und die monieren, dies sei provinziell, sei kühl erwidert: Selbstbewusst sollten wir den anderen Ländern der OECD zeigen, welche Aufgaben unseren Schülerinnen und Schülern gestellt werden, und dass die meisten von ihnen sie souverän zu lösen verstehen.

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Zum Autor:

Rudolf Taschner
ist Mathematiker und Betreiber des math.space im
quartier 21, Museumsquartier Wien.

 


 

(Die Presse v. 24.2; Kurt Scholz in QUER GESCHRIEBEN)

Wider den AHS-Kannibalismus! Schaut doch nach – in Alterlaa

Schaffen wir in Österreich die allgemeinbildenden höheren Schulen ruhig ab. Aber schon in ein paar Jahren werden wir sie reumütig wieder einführen.
 
Gesetzt den Fall, Ihnen würden folgende Fragen gestellt – welche Antwort würden Sie ankreuzen?

1: Welche Kultureinrichtung hat Diskussionen mit dem syrischen Schriftsteller Rafik Schami, dem Literaturnobelpreisträger Vargas Llosa und dem Erfolgsautor T.C. Boyle durchgeführt?

A) Die Österreichische Gesellschaft für Literatur

B) Das Burgtheater

C) Eine AHS.

2: Welches Sprachinstitut führt regelmäßige Spezialkurse in Nizza, Rom, Florenz, M´alaga, Cambridge und Dublin durch?

A) Die Berlitz School

B) Das Sprachenzentrum der Universität Wien

C) Eine AHS.

3: Bei welchem Konzertveranstalter kann man Musicals inszenieren, klassische Musik hören und Eigenkompositionen uraufführen?

A) Im Wiener Konzerthaus

B) In der Kammeroper

C) In einer AHS.

Fragen wie diese ließen sich beliebig fortführen: Wo kann ich eine meeresbiologische Woche besuchen, wo ein Gentechniklabor, wo Kurse in moderner Fotografie, utopischer Architektur und Urban Gardening machen? Welche Sportorganisation bereitet auf den Frauenlauf, internationale Schachwettkämpfe und eine Handballmeisterschaft vor? Welche Kulturinstitution kümmert sich um Pflegefälle im St.Josef-Spital, die Kinderkrebshilfe und die Behindertenorganisation der Caritas?

Natürlich ahnen Sie die Antwort: Es ist eine AHS. Was Sie aber vielleicht überrascht: Es handelt sich nicht um ein exklusives Privatinstitut, nicht um eine sündteure internationale Schule, sondern um eine staatliche AHS in einem Randbezirk der Bundeshauptstadt Wien. Sollten Sie es nicht glauben, werfen Sie doch einen Blick auf die Homepage www.grg23-alterlaa.ac.at.

Dort finden Sie auch das Rezept für erfolgreiche Schulreformen: einen Schulleiter, der den Eltern sagt, dass man an seinem Gym! nasium Leistung fordert und Qualität das Gegenteil von Zufall ist. Professorinnen und Professoren, welche die Wiederholungsprüfungen freiwillig in der letzten Ferienwoche abhalten um das Schuljahr mit einem fertigen Stundenplan zu beginnen. Schülerinnen und Schüler, die ungehindert Kritik äußern, aber auch einen Maturanten, der schreibt, er habe an der Schule drei Fremdsprachen, Segeln und Schach gelernt – und: dass er sich vor der Matura einige Wochen lang auf seine vier Buchstaben setzten musste.

In seinem Jahrgang maturierten übrigens 35 von 76 Kandidatinnen und Kandidaten mit Auszeichnung – in einer AHS, deren Niveau je nach österreichweitem Test ein Viertel bis ein Drittel über dem nationalen Durchschnitt liegt.

Eigentlich, denkt man, müssten Parlamentarier in diese Schule pilgern – Alterlaa liegt schließlich näher als Finnland oder Singapur. Stattdessen wird ein ganzer Schultyp mit Vorschlägen und Vorwürfen überhäuft. Die Matura sei verzichtbar – ausgerechnet jetzt, da man sich nach jahrelangen Krämpfen auf Elemente einer Zentralmatura geeinigt hat. Die Noten sollen abgeschafft werden, weil Ziffern die Schülerpersönlichkeit nur unvollständig beschreib! en.

Als ich neulich eine Tennispartie mit 4:6, 5:7 verlor, schlug ich meinem Gegner vor, das Resultat zu streichen. Schließlich würden die Ziffern 4, 5, 6 und 7 meine Leistung, die vergebenen Breakchancen und den unglücklichen Netzroller nur unvollständig wiedergeben. Leider schüttelte er den Kopf. Aber zugegeben: Tennis ist sozial exklusiv, genau wie die AHS. Mag sein. Ungesagt bleibt nur, dass die Führungsschichten aller Parteien, die ihre Kinder in eine AHS schicken, zu dieser sozialen Schwerpunktbildung beitragen.

Die AHS ist heute auf der Anklagebank, sie ist Reibebaum und gleichzeitig Objekt der Begierde. Ein Vorschlag: Schaffen wir sie probehalber ganz ab! In ein paar Jahren würden wir sie unter dem Titel „Exzellenzförderung“ wieder einführen. Apropos Exzellenz: Die Schülerinnen und Schüler in Alterlaa diskutierten mit Vargas Llosa auf Spanisch. ¡Naturalmente!, sozusagen.

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Früh fördern statt nachträglich schulen oder sogar strafen

(Gastkommentar von Mag. Isabella Zins in der Wiener Zeitung vom 29.1.2014)

Die Regierungspläne zur "Ausbildungsgarantie bis 18 Jahre" sind grundsätzlich lobenswert. Doch der enorme Aufwand, der zwischen 15 und 18 Jahren nötig ist, könnte in vielen Fällen deutlich reduziert werden, würde man schon viel früher investieren.

Auch wenn in Österreich relativ wenige junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren ohne Lehr- oder Schulabschluss dastehen (6,5 Prozent in Österreich, 13,2 Prozent im EU-Durchschnitt), weil unser vielfältiges Schulsystem vieles abfedert, ist jede/r Einzelne zu viel! Meine Forderung an die Politik: Wunde Punkte aufspüren und dort reformieren, wo statistische Daten (Statistik Austria, OECD, Eurostat) darauf hinweisen.

Ein mehrfach höheres Risiko für "Drop-out" besteht bei im Ausland geborenen Jugendlichen, vor allem Mädchen (hier wiederum bei den in der Türkei geborenen). Möglichst früh einsetzende und so lange wie notwendig begleitende (Sprach-)Förderung würde gegensteuern helfen.

Risikoschüler sind auch jene, die nach neun Jahren Schulpflicht die Mindeststandards in Deutsch, Mathematik und Englisch nicht erfüllen.

Die Erfüllung der Schulpflicht darf - eventuell nach verlängerter Schulzeit - nur jenen bescheinigt werden, die die Basics beherrschen ("mittlere Reife") und damit reelle Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. (Das wäre wohl sinnvoller, als Firmen zur Aufnahme von "unreifen" Lehrlingen zu zwingen.)

Was kaum jemand realisiert: Die Hälfte der "Drop-outs" bricht in Österreich eine Lehre/Berufsschule (übrigens die Schule mit dem geringsten Prozentsatz von Migranten!) ab, meist nicht (nur) wegen Defiziten in der Schulbildung, sondern weil es ihnen an Arbeitshaltung, Leistungsbereitschaft und guten Umgangsformen mangelt. Sinnvoll gegensteuern müsste die Politik durch Maßnahmen, die Eltern und Pädagogen vom Kindergarten an zu Erziehungspartnern macht, wobei Anreiz besser ist als Bestrafung.

Zu Schulabbrechern werden manchmal auch Oberstufenschüler. Immerhin 60 Prozent eines Jahrgangs besuchen höhere Schulen, einige davon wechseln dazwischen den Schultyp (AHS-BHS) und haben dabei Erfolg. Manche scheitern, weil der Staat kein pädagogisches Unterstützungspersonal bereitstellt und sie beim Nach- beziehungsweise Umlernen allein überfordert sind. Einzelne positive Ansätze wie die seit dem Vorjahr an den höheren Schulen tätigen Caritas-Jugendcoaches, die Jugendliche beim Aus- oder Umstieg beziehungsweise Berufseinstieg beraten, sind Schritte in die richtige Richtung. Zeitgerecht individuelles Unterstützungspersonal einzusetzen wäre jedenfalls sinnvoller, als im Nachhinein eigene Auffang-Institutionen für "Drop-outs" zu schaffen.

Wichtig ist vor allem, von Schuldzuweisungen wegzukommen. Eltern, Schule und Wirtschaft sind gemeinsam gefordert und können in ihren Bemühungen nur erfolgreich sein, wenn die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schafft, damit niemand aus dem System fällt und möglichst alle bis 20 Jahre einen Schul- oder Lehrabschluss schaffen.


Gastkommentar: Ignoranten und Wahnsinnige

Wer sich in Budgetloch-Zeiten eine  Gesamtschule ohne Leistungsgruppen bei gleichzeitiger Abschaffung von Gymnasien und sonderpädagogischen Zentren wünscht, handelt grob fahrlässig. Dauert diese leidige Debatte an, wird unser bisher erfolgreiches Bildungssystem endgültig an die Wand gefahren.  Das ist meine tiefste Überzeugung.

Wie lange noch werden die ÖsterreicherInnen mit unbewiesenen Behauptungen  weichgeklopft? Bis endlich flächendeckend „Modellregionen“ eingeführt sind, also Kindern der Besuch eines Gymnasiums definitiv verboten ist? Bis LehrerInnen an der Sisyphusaufgabe  der Individualisierung bei völliger Inhomogenität scheitern und noch weniger junge Menschen PädagogInnen werden wollen? Bis potente Geldgeber private Gymnasien gründen und Bildung, die diesen Namen auch verdient, nur mehr für die Kinder der Reichen leistbar ist?

Zur Klarstellung ein paar nachweisbare Fakten, die ich jederzeit belegen kann:

Österreichs Bildungsausgaben liegen mit 3,6 % des BIP unter dem OECD-Durchschnitt von 4,0 %.

Unter 65 Ländern belegt Österreich bei PISA 2012 die Plätze 18 (Mathematik), 23 (Naturwissenschaften) und 27 (Lesen) und ist damit besser als fast alle skandinavischen Länder, also keinesfalls unterdurchschnittlich.

82 % unserer SchülerInnen sind mit ihrer Schule zufrieden, 77 % halten sie für ideal. Das beweisen sowohl die HBSC-Studien der WHO als auch PISA 2012. Damit liegt Österreich weit vor den Gesamtschulländern Finnland (51 %) oder Italien (32 %).

Daher mein dringender Appell: Geben wir unseren Schulen Zeit, die vielen gerade laufenden Reformen (neue Lernkultur, Bildungsstandards, Reifeprüfung, modulare Oberstufe u. v. m.) sinnvoll umzusetzen! Geben wir Eltern und Kindern Entscheidungshilfen für die richtige Schulwahl, z.B. durch zeitgerechte Bekanntgabe der Bildungsstandard-Ergebnisse! Lassen wir PädagogInnen in Ruhe arbeiten und die Talente der Kinder in unserem vielfältigen System bestmöglich fördern! Warten wir den Erfolg der beschlossenen Regierungsmaßnahmen zur Stärkung der Volksschulen ab! Evaluieren wir, wie gut es den Neuen Mittelschulen ohne Leistungsgruppen gelingt, ihre SchülerInnen gleichzeitig auf den Einstieg ins Berufsleben und den Besuch höherer Schulen vorzubereiten!

Erst wenn all diese Aufgaben erfolgreich bewältigt sind und der Staat wieder mehr Geld für Bildung in die Hand nimmt, lässt sich an tolle neue Schulgebäude mit bester Infrastruktur inklusive Schulküchen und mit vielfältiger innerer Differenzierung überhaupt denken. Denn Baumaßnahmen, kleinere Klassen, zusätzlich notwendige PädagogInnen und das überall sonst in Europa selbstverständliche Unterstützungspersonal sind teuer und in Zeiten von Sparbudgets wohl Illusion.

Wollen die ÖsterreicherInnen wirklich, dass die Schuldiskussion von Ignoranten und Wahnsinnigen beherrscht wird?

Mag. Isabella Zins


stv. Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung und Vielfalt“(www.bildungsplattform.or.at),  Bundesobfrau der VCL (www.vcl-oe.at), Direktorin am BORG Mistelbach (Fächer: Deutsch und Latein), Mutter von 3 Kindern

 


 

Ein bisschen schwanger

Fritz Enzenhofer, der amtsführende Präsident des Landesschulrates für Oberösterreich, „ortet in der Diskussion um Gesamt- sowie Ganztagsschule eine 'babylonische Sprachverwirrung', da viele Begriffe von 'vorgeblichen Experten' falsch verstanden oder verwendet würden.“ (1) Damit drückt er sich sehr vornehm aus, wenn man die Aussagen der Regierungsparteien betrachtet.

Die ÖVP-Linie in der Schulorganisationsfrage lautet seit der nächtlichen, sonntäglichen Doch-Nicht-Krisensitzung in etwa: Gesamtschule ja, aber ohne die Gymnasien anzutasten. (2) BM Heinisch-Hosek hat ähnlich kreative Ideen: „Mit kleinen Änderungen im Schulorganisationsgesetz wäre es durchaus möglich, dass man entweder ein ganzes Bundesland oder einzelne Regionen als Modellregionen definiert. Dort könnte man die gemeinsame Schule etablieren.“ (3)

Da frage ich mich wirklich, ob die Regierenden in diesem Land dieselbe Sprache sprechen wie ich. Es gibt international sehr unterschiedliche Gesamtschulmodelle. Aber eines haben sie gemein: Die gesamte Population eines Jahrganges besucht dieselbe Schulart – daher ja auch der Name „Gesamtschule“. Mit „kleinen Änderungen“ im Schulorganisationsgesetz, wie BM Heinisch-Hosek meint, wird man nicht das Auslangen finden, wenn man alle Kinder in die gleiche Schule zwingen möchte, da in der österreichischen Bundesverfassung ein differenziertes Schulwesen vorgesehen ist. Und eine Gesamtschule neben der gymnasialen Langform bezeichnet das BIFIE zu Recht als „Ding der Unmöglichkeit“. (4) Es sei denn, die von manchen ÖVP-Landeshauptleuten in Modellregionen gewünschte Gesamtschule hat mit dieser so viel zu tun wie die ÖVP-Doch-Nicht-Krisensitzung mit einem „Gespräch im Kreis der Landes- und Bündeobleute […], wie es ohnehin alle sechs Wochen stattfinde“. (5)

Für wie dumm hält uns diese Regierung eigentlich? Eine Gesamtschule ist per se alternativlos. Das bedeutet aber – und das wollen uns viele PolitikerInnen wohlweislich verschweigen –, dass mit der Einführung der Gesamtschule nicht nur eine neue Schulart geschaffen wird, sondern auch alle anderen abgeschafft werden: kein Gymnasium, keine Hauptschule, keine Neue Mittelschule, keine Sonderschule, keine Schwerpunktschulen für Sport, Musik, Informatik etc. Es gibt dann eine einzige Schulart für alle – ausnahmslos, abgesehen von Privilegierten, deren Kinder in sündteuren Privatinstituten Zuflucht finden. Egal ob hochbegabt oder mit extremem sonderpädagogischen Förderbedarf, alle sollen, ja müssen, gemeinsam miteinander lernen.

Das kann man befürworten oder ablehnen, aber verschweigen sollte man es nicht, denn das ist unredlich. Ein bisschen Gesamtschule ist ebenso unmöglich wie ein bisschen schwanger zu sein.

(1) Landesschulratspräsidenten der ÖVP fordern mehr Sachlichkeit. In: Standard online vom 14. Jänner 2014.

(2) Siehe Gesamtschule oder Gymnasien. In: Salzburger Nachrichten, Printausgabe vom 14. Jänner 2014.

(3) Lisa Aigner, Heinisch-Hosek will Gesamtschule in Modellregionen. In: Standard online vom 20. Dezember 2013.

(4) Gesamtschule oder Gymnasien.

(5) Nach Krisensitzung: VP ist um Beruhigung bemüht. In: Kurier online vom 13. Jänner 2014.

(Erschienen am 18.1.2014 auf QUINtessenzen)

 

 


 

 

10 Gebote für die Schule

  1. Gebot: Du sollst den Kindern den Bildungsgang anbieten, für den sie geeignet sind.
  2. Gebot: Du sollst die Kinder in Österreich erst in die Schule schicken, wenn sie Deutsch können.
  3. Gebot: Du sollst die Lehrer unterrichten und die Eltern erziehen lassen.
  4. Gebot: Du sollst nicht begehren Deines Nächsten (Frankreich, Großbritannien, Spanien) (Gesamt-)Schulsystem, denn es hat sich als untauglich erwiesen.
  5. Gebot: Du sollst nicht am Vormittag sechs Stunden Unterricht vorsehen, wenn es pro Woche fünf Nachmittage gibt.
  6. Gebot: Du sollst nicht das halbe Jahr schulfrei geben.
  7. Gebot: Du sollst keine Angst vor Aufnahmeprüfungen haben.
  8. Gebot: Du sollst Noten erst abschaffen, wenn Dir dafür etwas Besseres einfällt.
  9. Gebot: Du sollst jene Kinder ganztags gut betreuen, deren Eltern das wollen bzw. benötigen.
  10. Gebot: Du sollst schwache Schüler fördern und ihnen auch einmal ein zusätzliches Schuljahr gönnen, d.h. ein Jahr wiederholen lassen.


Brief zum Jahreswechsel

Liebe Freunde und Unterstützer der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt,
liebe Mitglieder des gleichnamigen Vereins!

Ihnen allen, die Sie sich gemeinsam mit uns für die Qualität des österreichischen Bildungswesens einsetzen und mitgeholfen haben, zumindest bis auf Weiteres das Ärgste zu verhindern, wollen wir am Ende eines wahrhaft turbulenten Jahres für Ihr Engagement herzlich danken.

Es darf uns aber nicht reichen, eine totale Bildungsdemontage durch das Katastrophenteam Schmied-Androsch-Schilcher-Platter et al. fürs Erste abgewendet zu haben. Denn erstens werden die selbst ernannten „Bildungsexperten“ nicht ruhen, und die gekauften Medien werden auch weiterhin an unserem kulturellen Erbe sägen; und zweitens gilt es, nach der Verhinderung der totalen Katastrophe gemeinsam konstruktiv an Neuem, Besserem, zu bauen. Daher sind wir in unserem Bemühen, Freiheit („Vielfalt“) vor verordnete Gleichheit zu stellen und den Leistungsgedanken wieder salonfähig zu machen, damit unser Land nicht hoffnungslos hinter unsere leistungsbewussten (deutschsprachigen) Nachbarländer zurückfällt, auch weiterhin auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Wir danken allen Mitgliedern des Vereins, die ihren Mitgliedsbeitrag 2013 bereits überwiesen haben. Gleichzeitig gestatten wir uns, diejenigen unter Ihnen, die vom vorweihnachtlichen Stress bisher davon abgelenkt wurden, freundlich daran zu erinnern. Aber auch all jenen Gesinnungsfreunden, die sich noch (?) nicht zu einer Mitgliedschaft in unserem Verein entschließen konnten, wollen wir auf diesem Weg unsere herzlichen Grüße und besten Wünsche für die kommenden Feiertage  entbieten.

Ein frohes, entspanntes und erholsames Weihnachtsfest Ihnen allen, und ein im Sinne unserer Philosophie erfolgreiches neues Jahr uns allen!

Dr. Günter Schmid (Vorsitzender)

Dir. Mag. Isabella Zins (Stv. Vorsitzende)            Dr. Susanne Schmid (Stv. Vorsitzende)


„Gesamtschule light“ ist Trojanisches Pferd

Bildungsplattform warnt als „Whistleblower“ vor Mega-GAU in der Bildungspolitik

Für den Vorsitzenden der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ Dr. Günter Schmid ist der Plan, die Volksschule auf 6 Jahre zu verlängern, „das Trojanische Pferd der Bildungspolitik“. Schmid bezeichnet den von manchen Medien als „Gesamtschule light“ titulierten Plan als den „Versuch, die Gesamtschule durch die Hintertür einzuführen.“

Schmid wörtlich: „Als Vorsitzender der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ ist es geradezu meine Pflicht, als Kassandra vor diesem überaus plump gezimmerten Trojanischen Pferd zu warnen. Offenbar sind weite Teile der ÖVP einer Koalition aus linken Ideologen und profitgierigen Geschäftemachern auf den Gesamtschulleim gegangen. Letzteren ist es offensichtlich egal, auf welchem Weg das staatliche und kostenfreie Bildungswesen in den Ruin getrieben wird. Auf der Asche des gefallenen Troja wollen sie profitträchtige Privatschulen errichten, mit denen Milliardengewinne lukriert werden können.“

Schmid teilt die Einschätzung der stellvertretenden Kurier-Chefradakteurin Dr. Martina Salomon, die am 30. 11. 2013 in einem Kommentar schrieb: „Sie suchen eine Branche mit Zukunftspotenzial? Dann gründen Sie doch in Wien eine Privatschule mit, am besten mit Kindergarten – die Eltern werden Ihnen die Tür einrennen!“

Schmid warnt eindringlich vor dieser gefährlichen Koalition von ideologisch Verblendeten und knallharten Geschäftemachern: „Die Flucht ins Privatschulwesen ist unausweichlich, wenn dieser Bildungs-Mega-GAU wahr wird, das zeigen unzählige internationale Beispiele. Schon heute liegt der Anteil privater Volksschulen in Wien um ein Vielfaches über dem Bundesschnitt. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass die 6-jährige Volksschule zu einem Massenexodus aus den öffentlichen Schulen führen würde.“

Schmid sieht sich durch die jüngste Entwicklung auch in seiner Skepsis bezüglich des umstrittenen neuen Lehrerdienstrechts bestätigt: „Offenbar sind viele Elemente dieses Dienstrechts die Planken, aus denen das Trojanische Pferd gezimmert werden soll. Fachfremder Unterricht, Lehrereinsatz kreuz und quer, all das bereitet den Weg zur Gesamtschule „light“, die wohl bald schon zur Hardcore-Gesamtschule mutieren würde.“

Dr. Günter Schmid betont auch die wichtige Rolle der Lehrervertretung als „Whistleblowers“. Wenn gravierende Verschlechterungen bei der Flugsicherheit geplant wären, würde niemandem einfallen, den Alarmschrei der Pilotenvereinigung als unangebracht zu kritisieren. „Wer, wenn nicht die Pädagoginnen und Pädagogen und deren gewählte Vertretung soll die Stimme gegen diesen Unfug erheben?“, so Schmid wörtlich. Spätestens nach dem Mega-GAU von Tschernobyl hat keiner mehr die einstigen Zwentendorf-Gegner als „rückschrittliche Verhinderer“ beschimpft. Wer heute den bildungspolitischen Mega-GAU verhindern will, muss sich allerdings von vielen Politikern und inseratenabhängigen Journalisten als Betonierer und Fortschrittsfeind beschimpfen lassen.

Schmid weiter: „Die Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ hat sich zum Ziel gesetzt, das bewährte differenzierte Schulsystem zu erhalten und den Erfordernissen der Zeit entsprechend weiter zu entwickeln. Qualitativ hochwertige Bildung muss auch in Zukunft an öffentlichen Schulen kostenlos geboten werden. Jedes Kind muss begabungsgerecht gefördert werden, auch wenn die Eltern keine dicke Brieftasche vorweisen können.“

„Wir möchten als „Whistleblower“ davor warnen, die Langform des Gymnasiums zu beseitigen und damit einem System die Tür zu öffnen, in dem nur mehr Millionärskinder beste Bildungschancen haben“, so der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ abschließend.

Rückfragehinweis:
Dr. Günter Schmid
Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
www.bildungsplattform.or.at
0664/1228867


Spindelegger: »Brauchen Gymnasium auch in Zukunft.«

(siehe APA vom 29.11.13)

Wien (OTS) - ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger beharrt im Interview mit dem STANDARD (Ausgabe vom 30.11.2013) auf der Erhaltung der Gymnasien und weist alle Gerüchte zurück, seine Partei sei hier zum Nachgeben bereit.  "Wir brauchen das Gymnasium auch in Zukunft.

Es ist eine begehrte und erfolgreiche Schulform. Wieso sollte ich das aufgeben? Niemals. Kinder haben unterschiedliche Begabungen und Neigungen, das differenzierte Schulwesen muss erhalten bleiben."

Der ÖVP-Chef besteht darauf, das Gymansium sowohl in der Unter- als auch in der Oberstufe in vollem Ausmaß zu erhalten. Spindelegger entgegen anderslautenden Gerüchten: "Wir geben das Gymnasium nicht auf, da braucht sich niemand Sorgen machen." Für die ÖVP sei das ein zentraler Punkt in den Verhandlungen. "Ich hielte es für völlig absurd, dass man das Gymnasium jetzt opfert."


Die Gesamtschule kommt: Die AHS wird mit Zustimmung der ÖVP um zwei Jahre kastriert

(Andreas Unterberger; 28. November 2013)

Noch genieren sie sich, es offen zuzugeben. Aber im vertraulichen „Zwischenprotokoll Bildung“, das dem Tagebuch exklusiv vorliegt, steht es bereits schwarz auf weiß: Die Koalitionspartner führen „zusätzlich zur Neuen Mittelschule eine Mittelstufe als Orientierungsphase für die 10- bis 12-Jährigen“ ein. Schon im Schuljahr 2014/15 soll damit begonnen werden können, also in neun Monaten. Damit hat die Linke nach der Einführung der NMS und der Abschaffung der (billigeren und effizienteren) Hauptschule einen neuen historischen Erfolg erzielt: Die Gesamtschule für alle bis zum 12. Lebensjahr ist damit praktisch fix.

Noch nie wurde damit ein Wahlversprechen so brutal gebrochen, wie es mit der Garantie Michael Spindeleggers für den Weiterbestand des achtjährigen Gymnasiums passiert ist. Schwarzer Haupttäter ist der Salzburger Landeshauptmann Haslauer, der in einem Brief an einen besorgten Bürger kürzlich wörtlich geschrieben hat: „ …ich bin sehr wohl ein Anhänger der neuen gemeinsamen Schule der Zehn- bis 15-Jährigen…“

Bis 2016/17 wird laut Koalition das neue Modell in „mindestens“ 350 Klassen eingeführt werden. Und schon nach zwei Jahren will man die „Einführung ins Regelschulwesen“ entscheiden. Die Koalitionsbastler haben als Tarnung für die nach Aussage von Teilnehmern schon feststehende Einführung der zweijährigen Gesamtschule die Formulierung hinzugefügt: „nach entsprechender wissenschaftlicher Begleitung und Auswertung“.

Was aber gleich aus mehreren Gründen besonders absurd ist.

  1. Nach zwei Jahren kann keine „wissenschaftliche Begleitung“ von Zwölfjährigen sagen, ob diese nun etwa besser für das Leben gewappnet sind oder schlechter. Das kann man in Wahrheit erst sechs, sieben Jahre später tun, wenn man vergleicht, ob die Absolventen dieser „mindestens“ 350 Klassen dann bei Matura oder Berufsausbildung besser dastehen als jene, die noch zwei Jahre in eine normale AHS gehen durften.
  2. Dem (steuerfinanzierten!) bifie ist von der ausscheidenden Claudia Schmied sogar die Veröffentlichung der für die NMS verheerenden Forschungsergebnisse untersagt worden.
  3. Unabhängige externe wissenschaftliche Bewertungen der einzelnen Schulformen sind bisher überhaupt unmöglich gewesen. Und es wird solche auch in diesen zwei Jahren nicht geben. Zumindest ist kein Wort dazu im Koalitionspapier zu finden.
  4. Auch die zwangsweise Ersetzung aller Hauptschulen durch die NMS ist – erst in der vergangenen Periode! – ohne jede wissenschaftliche Bewertung der zahllosen davor jahrelang gelaufenen Gesamtschulversuche von Politikern hinter Polstertüren beschlossen worden. Gegen den strikten Rat vieler pädagogischer Wissenschaftler wie etwa den des damaligen bifie-Chefs Günter Haider. Und gegen die Meinung von Lehrern, Eltern, Schülern. Aber mit hohen Kosten, derer sich ein Josef Pröll sogar öffentlich berühmt hat.

Die NMS haben bisher in Wahrheit als einzigen Erfolg vorzuweisen, dass dort jeder Schüler weit teurer kommt als in AHS oder Hauptschule. Diese NMS werden auf Grund des Koalitionsprotokolls künftig sogar noch teurer: Die „Doppelbesetzung“ (gemeint: zwei statt einem Lehrer in der Klasse) soll nicht nur in Deutsch, Englisch und Mathematik stattfinden, sondern künftig auch in einem Drittel der weiteren Fächer. Man buttert also lieber zusätzliches Steuergeld in ein völlig verfehltes Schulmodell, als dass man erlauben würde, dass die Schüler auch nur eine halbe Stunde am Tag nach Leistungsfähigkeit getrennt werden. Damit die einen ein wenig vorankommen, und die anderen wenigstens Grundlegendes eintrainieren.

Die Koalitions-„Experten“ haben zwar noch keine „pädagogische und organisatorische Konfiguration“ für diese zwei neuen Klassenstufen. Aber eines steht schon fest: „Der Unterricht erfolgt gemäß den Rahmenbedingungen der NMS“. Mit anderen Worten: Sie wissen zwar noch nicht Was und Wie, aber es steht fest, dass es eine Gesamtschule ist.

Weitere Skurrilität: Diese Gesamtschule soll laut Koalition nicht nur an AHS, sondern auch an Volksschulen eingeführt werden. Was nichts anderes ist als für volle sechs Jahre ein Zurück zur achtklassigen Volksschule der Maria Theresia.

Nur an einem Schultyp werden sie nicht eingeführt: An den NMS. Über denen schwebt die schützende Hand der SPÖ. Dort hat man zwar katastrophale Ergebnisse, aber die NMS sind unberührbar. Statt dessen verwandelt man alle anderen Schulen zumindest für zwei Jahre in NMS.

Wäre die Angelegenheit nicht so dramatisch, so könnte man sich über das schlechte Bürokratendeutsch und die Phrasendrescherei der Koalitions-„Experten“ amüsieren. Etwa alleine bei dem völlig inhaltsfreien Satzteil: „wobei ein besonderes Gewicht auf eine prozesshafte Stärkenanalyse der SchülerInnen gelegt wird“. Aha, na dann ist ja alles anders.

Eine typische Formulierung der Koalitions-„Experten“ lautet auch, dass diese neue „Mittelstufe“ (der Ausdruck „Gesamtschule“ wird aus taktischen Gründen vermieden) eine „Orientierungsphase“ sei. Also nicht Bildung, nicht Lernen oder gar Leistung ist die Hauptaufgabe, sondern „Orientieren“. Auf deutsch übersetzt: Die Kuschelschule wird um zwei Jahre länger. Orientierungslose Kinder werden freilich auch dann nicht orientiert sein.

Eine besondere Frechheit der Koalitions-„Experten“: Sie wagen es, im gleichen Papier von „Stärkung der Schulautonomie“ zu reden. Das heißt aber nicht etwa, dass die Schulen entscheiden könnten, ob sie das Gesamtschulmodell umsetzen. Dann würde man ja mit Sicherheit keine 350 mitmachenden Klassen zusammenbringen. Nein, soweit geht die Autonomie nicht.

Die besteht in Wahrheit überhaupt nur aus hohlen Worten, aber nicht aus Substanz. Da finden sich bloß geschwollene Formulierungen: „Ausbau der kompetenzorientierten Mitwirkung der SchulleiterInnen bei der PädagogInnenauswahl“. Wieder abgesehen von der fürchterlichen Sprache und den inhaltsarmen Formulierungen (was soll denn eine „kompetenzorientierte Mitwirkung“ sein? Wollen Rot und Schwarz in ihrer frechen Art den Direktoren damit mitteilen, dass sie künftig nicht nach der Augenfarbe, sondern nach der Kompetenz urteilen sollen? In Wahrheit kann man unter dieser Formulierung nur verstehen, dass es offensichtlich um das Gegenteil der Koalitions-„Experten“ geht. Aber das wird wohl nicht gemeint sein…): Das Papier gesteht also den Schuldirektoren nicht einmal das absolute Minimum von Autonomie zu, nämlich die eigenständige Auswahl der zur Schule stoßenden Lehrer. Sie bekommen nur „Mitwirkung“. Mitgewirkt hat aber jeder halbwegs engagierte Direktor in Wahrheit schon seit Jahrzehnten. Diese Formulierung ist nur eine schwülstige Beschreibung des Ist-Zustandes.

Mit absoluter Garantie: Dieses „Bildungs“-Papier wird bei einer Umsetzung die künftige Bildungs Qualität der jungen Österreicher signifikant verschlechtern. Und sehr viel teurer machen. Beides sind ja offenbar die Ziele dieser Koalitionsverhandlungen.

Jetzt ist jeder einzelne ÖVP-Abgeordnete gefordert zu sagen: „Nein, da mache ich nicht mit. Ein solcher Bruch eines Wahlversprechens und eine so katastrophale Lösung sind mit meinem Gewissen absolut unvereinbar.“

Na ja, Gewissen?


ÖAAB-Lehrer-Obmann Wolfgang Türtscher: Ich verstehe die ÖVP nicht!

Lehrerdienstrecht bringt Qualitätsminderung und Mehrbelastung

„Ich verstehe die ÖVP auf Bundesebene nicht, dass sie diesen Entwurf für ein neues Lehrerdienstrecht dem Nationalrat zuleitet: Er bringt insgesamt eine Qualitätsminderung, eine Mehrbelastung für die Pädagogen, eine Abwertung des Fachunterrichts und einen deutlichen Einkommensverlust”, stellt Mag. Wolfgang Türtscher, der der Landesobmann der ÖAAB- Lehrer Vorarlbergs fest. „Das ursprünglich formulierte Ziel, eine Steigerung der Attraktivität des Lehrberufes für Neueinsteiger zu erreichen, wird klar verfehlt.”

„Zurück an den Start”, so kann die Forderung an das neue Parlament nur lauten. „Die National- und Bundesräte sind gut beraten, den vorliegenden Entwurf zu verwerfen und gemeinsam mit den ‚echten Experten’ – das sind die Lehrerinnen und Lehrer Österreichs – ein Dienstrecht zu gestalten, das den Beruf für leistungsbereite Jugendliche attraktiv macht und einen Beitrag dazu leistet, einen qualitätsvollen Unterricht an Österreichs Schulen zu garantieren und den bestehenden Lehrermangel zu bekämpfen.”

Der vorliegende Entwurf sieht u.a. vor, dass hinkünftig Lehrer mit Bachelorstudium an allen Höheren Schulen unterrichten dürfen, also mit einer deutlich verkürzten Ausbildung, dass Lehrer in allen Fächern eingesetzt werden können – ohne Rücksicht auf deren Studium, dass der Fachunterricht zugunsten Betreuungsaufgaben reduziert wird, dass es Einkommensverluste bis zu € 533.736,- geben kann, dass die Erhöhung der Unterrichtszeit bis zu 40 % beträgt, dass Praktikanten ohne Schulerfahrung vom ersten Dienstjahr an in allen Klassen selbstständig Unterricht erteilen können und dass alle Fächer – ohne Rücksicht auf Vorbereitungs- und Korrekturaufwand – gleich bewertet werden. „Das kann nicht ernst gemeint sein”, schließt Türtscher, „ich appelliere an alle politischen Parteien – insbesondere an die die ÖVP, diesen Entwurf zu verwerfen und eine attraktives Dienstrecht zu gestalten, das diesen Namen auch verdient. Es geht schließlich um nicht mehr als um die Zukunft Österreichs!”


Tag des Gymnasiums in NÖ: Vielfalt verleiht Flügel

Alle Schulpartner und die Schulbehörde in NÖ sind sich einig: Das Gymnasium muss erhalten bleiben!

Der "Tag des Gymnasiums" am 8. November 2013 startete in Niederösterreich traditionell mit einer Pressekonferenz, diesmal im Bundesschülerheim und ORG für LeistungssportlerInnen in St. Pölten, organisiert von AHS-Lehrergewerkschaft und DirektorInnen-Verband NÖ.

Landesschulratspräsident Hofrat Hermann Helm stellte gleich in seinem Eingangsstatement klar: Das Gymnasium ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Schullandschaft, und die Wahlfreiheit der Eltern muss erhalten bleiben! Wichtiger als die Organisationsfrage sei die Arbeit der LehrerInnen mit den Kindern und Jugendlichen in der Klasse, und diese verdiene mehr Wertschätzung.

Landesschulinspektor HR Rainer Ristl zeigte anhand aktueller Zahlen die leicht steigende Entwicklung der Schülerzahlen an den niederösterreichischen Gymnasien auf - sowohl in der Unter- als auch in der Oberstufe. Vom Bund seien diese leider nicht durch zusätzliche Klassen abgedeckt worden. Ristl lobte die politisch Verantwortlichen im Land, ohne die die Gründung neuer Gymnasien in Niederösterreich nicht möglich gewesen wäre. Derzeit gehen in Niederösterreich - ähnlich wie im Bundesschnitt - 33 % der Volksschulkinder ins Gymnasium, 35.000 SchülerInnen werden von knapp über 3000 ProfessorInnen in 60 Gymnasien mit den verschiedensten Schwerpunkten (naturwissenschenschaftlich, sprachlich, musikalisch, sportlich u. v. m. ) unterrichtet, kein einziger Standort sei aus der Schullandschaft in Niederösterreich wegzudenken.

Barbara Borns aus der Landeselternvertretung forderte mehr Beratung für Eltern, z. B. durch Potenzialanalysen als Entscheidungshilfe, damit die Kinder entsprechend ihren persönlichen Talenten die für sie am besten passende Schule finden, wo sie weder unter- noch überfordert sind. Borns wörtlich: "Das Gymnasium ist die beste Schule für Kinder, die gern und eigenständig lernen, die beste Vorbereitung auf alle weiterführenden Studien."

Darin waren sich auch die Lehrervertreterin Eva Teimel und Tobias Vees, Maturant und Schüler des humanistischen Gymnasiums in Baden, einig. Die Direktorenvertreterin Isabella Zins warnte davor, leistungsstarke SchülerInnen durch Abschaffung des Unterstufengymnasiums zu bremsen: "Talente brauchen Entfaltungsmöglichkeiten. Was im Bereich Sport und in der Musik selbstverständlich ist, gilt auch für die Schule: Spitzenleistungen sind nur durch spezielle Förderung in einem vielfältigen System möglich!"

Zuletzt drückte Landesschulsprecher Yannic Mörth aus, was allen Diskutanten auf dem Podium auf dem Herzen lag: Er verband seinen Appell an die Bundespolitik, das Gymnasium zu erhalten, mit der Forderung nach mehr Ressourcen statt Sparen auf dem Rücken der SchülerInnen: "Das Gymnasium verdient beste Rahmenbedingungen und darf nicht finanziell ausgehungert werden." Niederösterreich erwartet sich, dass dies auf Bundesebene, vor allem vom Verhandlungsteam der Regierungsparteien, gehört wird.

Tag des Gymnasiums

Rückfragehinweis:

Mag. Eva Teimel, Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft in NÖ; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , 0676/3301660

Mag. Isabella Zins, Vorsitzende des DirektorInnen-Verbandes der NÖ Gymnasien, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , 0676/3925746

 

 


 

„profil“ Nr. 27/2012 vom 02.07.2012, Seite 22-23
Ressort: Österreich

Bildungsängste

(Gernot Bauer, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

Eine Linke bei Sinnen müsste für die Erhaltung des Gymnasiums sein. Gernot Bauer über den Zwang, vom Schulsystem Gleichheit und Gerechtigkeit zu erwarten.

Karlheinz Töchterles Eintritt ins Gymnasium war ein Akt der Nachbarschaftshilfe. Eigentlich sollte der Sohn eines Schmieds aus Fulpmes im Stubaital auf die Hauptschule. Doch der Dorfarzt, in Sorge um seinen heimwehgeplagten Sohn, bat Töchterles Eltern, Karlheinz als moralischen Unterstützer ebenfalls ins Internat nach Hall zu schicken.

Die Anekdote steckt trotz ihrer Kürze voller Sujets, ohne die eine zünftige bildungspolitische Debatte hierzulande nicht auskommt: das Haller Gymnasium als Exklusivhort der Elite (die Bildungsforschung nennt es „soziale Selektivität“); der Startvorteil des Arztsohns („primärer Schichteffekt“); die Benachteiligung von Karlheinz, der trotz guter Volksschulleistungen nicht fürs Gymnasium vorgesehen war („sekundärer Schichteffekt“); die glückliche Fügung, doch auf eine höhere Schule zu gehen („Überwindung sozialer Disparität“); die erfreuliche Erkenntnis, dass auch der Sohn eines Tiroler Schmieds Matura erlangen kann („Bildungsmobilität“).

Dass aus dem Zufallsgymnasiasten später ein Professor, dann ein Rektor der Universität Innsbruck und im April 2011 schließlich ein Wissenschaftsminister wird, kann als gelungenes Beispiel für die „Ausschöpfung von Begabungsreserven“ durch das österreichische Schulsystem gewertet werden. In einem „Presse“-Kommentar Anfang Juni schrieb der Wissenschaftsminister, dem Gymnasium würde „nach einer bereits 200 Jahre andauernden Erfolgsgeschichte auch die Zukunft gehören“.

Claudia Schmieds Begabungsreserven wurden ebenfalls voll ausgeschöpft: Matura, Promotion an der Wirtschaftsuniversität, Bankkauffrau-Karriere bis in die Vorstandsetage, seit 2007 Unterrichtsministerin. Vor vier Jahren wertete Schmied die Hauptschule zur „Neuen Mittelschule“ (NMS) auf - mit dem Fernziel einer gemeinsamen Schule aller Zehn- bis 14-Jährigen. Bis zum Schuljahr 2018/2019 sollen alle Hauptschulen auf das NMS-System umstellen. Ihre Präferenzen bei der Mittelallokation machte Schmied im Mai deutlich: „Ich investiere nicht in den Ausbau von AHS-Standorten.“ Die Gymnasien würden weiterhin so viel wie gewohnt erhalten, zusätzliche Gelder aber in die Neue Mittelschule fließen. Geht es nach Schmied, wäre Karlheinz Töchterles „Erfolgsgeschichte“ in ihrer jetzigen achtjährigen Langform Geschichte. Was gewiss Genugtuung in folgenden Organisationen auslösen würde: Aktion Kritischer Schüler (AKS), Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ), Kommunistischer Studentenverband (KSV), Bund Sozialdemokratischer Akademiker (BSA), Grüne und Alternative Studenten (GRAS).

Wäre die rot-grüne Bildungselite weniger affektanfällig, würde sie zumindest ansatzweise erwägen, ob nicht gerade aus linker Sicht einiges auch für die Erhaltung der AHS spricht, ob nicht gerade das Gymnasium in der Lage ist, gerechte Gleichheit zu schaffen.

Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek, populärster marxistischer Denker der Gegenwart, mahnte in einem „Zeit“-Beitrag zum 300. Geburtstag von Rousseau, „sich den Egalitarismus nie wörtlich auf die Fahne zu schreiben“. Nietzsche und Freud hätten gelehrt, „dass eine als Gleichheit verstandene Gerechtigkeit auf Neid beruht“. Laut Zizek stütze sich „die Idee gleicher Gerechtigkeit, sofern sie von Neid lebt, auf eine Umkehrung: Ich bin bereit, darauf zu verzichten, damit andere es auch nicht haben können.“ Auf unsere Debatte umgelegt: Die heutigen VSStÖ- und GRAS-Funktionäre werden dereinst ihre Kinder auf die NMS mit der Gewissheit schicken, dass ihr Nachwuchs dort auf Söhne und Töchter jener Ex-Kollegen der bürgerlichen Aktionsgemeinschaft (AG) und der konservativen Jungen Europäischen Studenteninitiative (JES) trifft, mit denen sie früher in den Ausschüssen der Österreichischen Hochschülerschaft stritten. Derzeit ist es ja so, dass die Sprösslinge der roten und bürgerlichen Oberschicht in Wien zwar ebenfalls gemeinsam die Schulbank drücken, allerdings nicht in der NMS, sondern im Kollegium Kalksburg, bei den Piaristen, den Schotten oder im Theresianum. Die wahre soziale Selektion findet nicht zwischen Hauptschule und Gymnasium statt, sondern zwischen öffentlichen und privaten Schulen.

Das im Selbstverständnis egalitärste Land, Frankreich, führte im Jahre 1975 die Einheitsschule (collège unique) ein. Die Folge lässt sich im „Le Figaro“ nachlesen, der jährlich ein Ranking der besten französischen Schulen aufstellt. Auf den vordersten Plätzen liegen ausnahmslos Privatschulen. Und die paar öffentlichen Qualitätsschulen befinden sich in Nobelvierteln mit unerschwinglichen Mieten. In Österreich wäre es mit seinem bereits bestehenden Privatschul-Paralleluniversum nicht anders.

Wer auf der Website des von Claudia Schmied geschaffenen Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) nachsieht, wird Dutzende Studien zum Thema „Schulische Reproduktion von sozialer Ungleichheit“ finden. Überraschend ist weniger die Grundaussage als die Fülle der Belege. Es handelt sich offenbar um einen Schwerpunkt der heimischen Bildungsforschung. Weniger wissenschaftlich als politisch ist die Frage, was wir von der Schule wollen. Bifie-Chef Günter Haider definiert als „Aufgabe des Schulsystems“ unter anderem „die Sicherstellung von Gerechtigkeit und fairer Chancenzuweisung“. Mag es auch ein hehres Ziel sein: Gerechtigkeit als Maxime der Bildungspolitik wäre nur bei nach oben offenen Ressourcen möglich. Unter realistischen Annahmen wird die Schule niemals milieubedingte Benachteiligungen planieren. Wer daheim maximal im Panini-Album statt in Büchern blättert, wird es schwer aufs Gymnasium schaffen.

Die Behandlung dieses Missstands durch Abschaffung desselben scheitert aus linksliberaler Sicht am „schlichten Klassendünkel des Bildungsbürgertums“, das nicht wolle, „dass unsere Kinder mit lauter Türken und Proleten in die Schule gehen“. Man muss wie Barbara Coudenhove-Kalergi schon gräflicher Herkunft sein, um über die bösartigen Motive der Gymnasiumbefürworter-Bourgeoisie so gut Bescheid zu wissen. Wahr ist: Laut Bifie-Erhebungen ist Migrationshintergrund schon jetzt keine Barriere für den Eintritt ins Gymnasium.

Gerade für Zuwanderer ist die AHS wichtige Aufstiegshilfe. Wie sollte der Türkenbub - oder auch der Proletenspross - den Bildungsbürger-Nachwuchs abhängen, wenn der Ehrgeiz der einen im Vergleich zur Saturiertheit der anderen in der NMS nicht honoriert, sondern egalisiert wird? Ein geringeres allgemeines Leistungsniveau nützt den Alteingesessenen - ohne Gipfel kein Aufstieg.

Claudia Schmieds Prognose, die NMS würde insgesamt die Schulqualität erhöhen, ist angesichts leerer Staatskassen Utopie. Im Gegenteil: Das derzeitige überlegene Niveau der AHS-Unterstufe wäre nicht zu halten. Laut Bifie-Studie stützen die PISA-Ergebnisse „die Annahme, dass Schüler aus Familien mit vergleichbarem Bildungshintergrund in der AHS mehr Kompetenzen erwerben als in der ersten Leistungsgruppe der Hauptschule“. Im Blog des Wiener Statistikprofessors Erich Neuwirth ist nachzulesen, dass die Ergebnisse österreichischer Maturanten über jenen der PISA-siegreichen finnischen Gesamtschulabsolventen liegen. Die Gymnasien funktionieren, pädagogische Problemzonen sind bekanntermaßen die Hauptschulen in Großstädten. Gelingt Claudia Schmied dank des NMS-Programms deren Reanimation, verdient sie den imaginären Minister-Maria-Theresia-Orden für die größte Reformleistung seit Einführung der allgemeinen Schulpflicht.

Das Gymnasium in Langform sollte diese Reformbemühungen allerdings überstehen - mit dem Ziel, die talentiertesten 30 Prozent eines Jahrgangs aufzunehmen, unabhängig davon, ob sie Coudenhove-Kalergi, Maier-Bauer-Huber-Hofer oder Yüksel heißen. Erreicht die NMS nur halbwegs die Qualität wie ministerial versprochen, sollte der Wechsel ins Gymnasium zu jeder Zeit möglich sein. Zwei Drittel der Österreicher befürworten laut aktueller profil-Umfrage (siehe Seite 14) den Fortbestand der AHS in ihrer jetzigen Form. Und auch Marx meinte, bei der Entwicklung zur klassenlosen Gesellschaft sollten Errungenschaften der bürgerlichen beibehalten werden.

Das Gymnasium ist eine davon.
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Lehrerausbildung aus der Sicht einer begabungsfördernden Schulentwicklung

 (Günter Schmid)

Ich habe mein Statement zur Lehrerausbildungsehr bewusst mit dem Zusatz „aus der Sicht einer begabungsfördernden Schulentwicklung“angekündigt. Ich will mich nämlich diesem so wichtigen Thema nicht, wie in der politischen Diskussion üblich, mit ideologisch verengtem Blick auf Systeme oder Strukturen nähern, die es abzuschaffen oder zu erhalten gilt, sondern den Fokus auf die von der Qualität der Lehrerausbildung unmittelbar betroffenen Hauptpersonen des Systems Schule richten: die Schülerinnen und Schüler. Deren bestmögliche Förderung muss als das alles entscheidende Kriterium bei der Frage nach der „richtigen“ Lehrerausbildung gelten. Es geht dabei um Menschen und nicht um Systeme!

Einer Förderung, die sich nicht an den Organisationsstrukturen des Systems, sondern an der Person des jeweiligen Lernenden als dem zentralen Bezugspunkt orientiert, geht es um mehr als um das Generieren von quantifizierbarer (weil messbarer) Leistung. Die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen ist nur das (durchaus erwünschte) Nebenprodukt dessen, was allein als das wahre Ziel richtig verstandener Begabungsförderung gelten muss: eine selbstbestimmte, werteorientierte Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden. Eine solche gilt es durch das Schaffen von Bedingungen, die die bestmögliche Entfaltung der jeweiligen individuellen Potentiale ermöglichen, bei den Lernenden zunächst auszulösen und dann begleitend zu verstärken.

Dazu braucht es seitens der Lehrenden mehr als das Wissen um die richtigen Antworten auf Fragen, die in dieser Form von den Lernenden in den meisten Fällen wahrscheinlich gar nicht gestellt worden wären. Es braucht auch mehr als bloße technische Perfektion in der Gestalt von Methodenkompetenz. (Beides sind nützliche Ingredienzien, die aber noch nichts mit Begabungsförderung zu tun haben.) Was es vor allem braucht, ist eine ganz spezifische pädagogischen Haltung, die sich in einem person-orientierten (statt „technokratischen“) Zugang zum Lernen manifestiert. Daraus ergibt sich dann ganz von selbst auch ein neues Rollenverständnis. Eine solche Haltung ist aber weder lehr- noch lernbar, sondern kann allein durch einen an personalen Werten und Modellen orientierten Bewusstseinsbildungsprozess erworben werden.

Wenn ich an meine eigene Ausbildung zurückdenke, so hat sich diese noch rein auf der Ebene des akademischen Lehrens abgespielt. Was sie mir vermittelt hat, war sicher ein exzellentes Fachwissen. Aber eine Sensibilisierungsphase der oben beschriebenen Art blieb mir gänzlich vorenthalten – ein Manko, das sich nach außen hin durch schön klingende akademische Titel verschleiern ließ. Ich war das, was man unter einem erfolgreichen, weil effizienten Lehrer verstand. Aber die Schule des 21. Jahrhunderts muss einen höheren Anspruch stellen: wichtiger als die Effizienz des Lehrens ist die Förderung der Exzellenz der davon betroffenen Menschen.

Wenn dann viel später, wie ich hoffe, doch noch ein „begabungsfördernder“ Lehrer aus mir wurde, so war dies nicht so sehr meiner akademischen Ausbildung oder gar meinem Titel zu verdanken, sondern vielmehr einer Notwendigkeit, die sich aus meinen diversen Karrieresprüngen ergab. Als Lehreraus- und –fortbildner, Schulleiter und Schulentwickler kommt man einfach nicht darum herum, sich über das, was in Schule hauptsächlich geschehen sollte (Lernen, Persönlichkeitsentwicklung, Menschenbildung), und über die von diesem Geschehen hauptbetroffenen Menschen (die Schüler) nicht bloß in organisatorischer Hinsicht auf der Ebene der Strukturen, sondern aus einer vertieften, anthropologischen Sichtweise Gedanken zu machen. Jetzt, auf meine alten Tage, erlebe ich die Freude, im Zuge meiner Fortbildungstätigkeit immer wieder auf Lehrpersonen zu stoßen, die diesen Entwicklungsschub schon in jüngeren Jahren und ohne äußerliche Notwendigkeit durchmachen und die sich – meist unter großen finanziellen und zeitlichen Opfern – in freiwilligen Weiterbildungsveranstaltungen das holen, was ihnen ihre Ausbildung vorenthalten hat.

Und damit bin ich beim eigentlichen Thema. Hier haben wir nämlich im Bereich der Lehrerausbildung den größten Handlungsbedarf. Was wir für alle Lehrenden brauchen, ist eine Einstiegsphase vertiefter pädagogischer Bewusstseinsbildung, in der - über die unumstrittenen Bereiche der Methodik und Didaktik hinaus - eine Philosophie des Förderns erlebbar gemacht wird, die von den Hauptpersonen des Systems Schule – den Schülern - ausgeht und in einer „Schule der Person“ (zitiert nach Gabriele Weigand) auf diese wieder zurückführt. Für eine solche (gemeinsame) Sensibilisierungsphase scheinen mir die Pädagogischen Hochschulen besser geeignet als die Universitäten, weil es dabei nicht um höherwertige akademische Qualifikationen geht, sondern um Haltungen.

Konsequenterweise sollten dafür aber auch nicht die höheren akademischen Titel (Master oder Doktor), sonder der Bachelor-Grad vergeben werden. Und ein solcher ist nach meiner tiefsten Überzeugung für Volksschulen und Kindergärten auch völlig ausreichend. Nicht dass eine höherwertige als die erforderliche Ausbildung schädlich wäre. Aber die Verpflichtung zur Ablegung einer solchen kann Menschen, die von ihrer pädagogischen Haltung her und in ihrer natürlichen Empathiefähigkeit für eine einfühlsame Begleitung jüngerer Kinder in deren Personwerdungsprozess ideal geeignet wären – sei es mangels an Mut, sei es aus weiser Selbsterkenntnis – von der Berufswahl abschrecken.

Das naheliegende – und auch vielfach bereits praktizierte - Mittel, um solches zu verhindern, ist eine Absenkung des Anforderungsniveaus. Aber eine vernünftigere Alternative zu einer solchen Nivellierung nach unten wäre das Abrücken von dem auch hierzulande immer mehr um sich greifenden Akademisierungs­wahn. Ein Blick auf die schockierende Akademikerarbeitslosigkeit in Länder wie Spanien, die als direkte Folgeerscheinung eines ungegliederten einheitlichen Schulsystems mit den von manchen so neidisch bewunderten schwindelerregenden Akademikerquoten auftrumpfen, sollte hier hilfreiche Denkanstöße liefern. (Außerdem steht ein derart diskriminierendes Klassendenken, nach dem der Mensch erst beim Maturanten oder gar erst beim Akademiker beginnt, gerade jenen, die am lautesten nach einer Steigerung der Akademikerquote schreien, den Linken und Grünen, gar nicht gut an.)

Wir brauchen also auf der einen Seite eine gemeinsame vertiefende pädagogische Einführungsphase für alle - allerdings eine solche, die weit über die derzeitige, eher technokratisch orientierte, so genannte „pädagogische Grundausbildung“ hinausgeht. (Also nicht bloß nach dem Motto „Pädagogische Hochschule in der bisherigen Form für alle“.) Im Gegensatz zur derzeit verbreiteten Praxis müssen junge Lehrerinnen und Lehrer durch professionelle Begleitung behutsam in die pädagogische Realität eingeführt werden. Darauf aufbauend, bedarf es sodann für die Lehrerinnen und Lehrer der verschiedenen Schulformen einer den unterschiedlichen Bedürfnissen von Lernenden verschiedener Altersstufe, Interessen und Begabungen (oder auch Behinderungen) angepassten, zielgruppenspezifischen - und daher getrennten! - weiterführenden Ausbildung. Für jene, die an höheren Schulen lehren, muss diese jedenfalls auch eine profilierte fachspezifische Dimension aufweisen und daher an den Universitäten stattfinden.

Dass eine solche universitäre Ausbildung auch für Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen und Neuen Mittelschulen durchaus wünschenswert wäre, steht außer Frage. Was ich mir für diese Berufsgruppe gut vorstellen kann, ist die Option auf ein weiterführendes Masterstudium, verbunden mit finanziellen Anreizen und besseren Aufstiegschancen. Die Minimalforderung muss aber jedenfalls sein, dass Lehrende nur in jenen Bereichen eingesetzt werden, für die sie auch qualifiziert sind. Schließlich würde auch niemand auf die Idee kommen, einem Neurologen eine Herzoperation oder einen Augenarzt eine Zahnextraktion zuzumuten, bloß weil beide die gleiche medizinische Grundausbildung durchlaufen haben.

Dass Kinder manchen unserer Politiker für derart abwegige Ideen aber nicht zu schade sind, zeigt, wie sehr in unserem künstlich krank gejammerten Bildungswesen „der Fisch vom Kopf stinkt“ (wenngleich sich seit der Entschärfung der für unser Bildungswesen bedrohlichsten Zeitbombe im Unterrichtsministerium dieser üble Geruch ein Wenig gemildert hat). Daher soll meine Conclusio ein positive sein: Glauben wir an die Machbarkeit einer Lehrerausbildung, die nicht einer Ideologie, sondern dem Wohl der Kinder dient! Und um eine solche Entwicklung zu begünstigen, beteiligen wir uns nicht an der medialen Lehrer-Hetze! Heulen wir nicht mit den links-grünen Wölfen, sondern bringen wir dem Lehrerberuf wieder jene Wertschätzung entgegen, die etwa in dem von Androsch und Konsorten in ihrer Unbedarftheit aus den falschen Gründen hochgejubelten Finnland selbstverständlich ist!


25 Fakten, die auch die ÖVP wissen sollte, warum Gesamtschulen ein Unsinn sind

(Andreas Unterberger)

Die angelaufenen Koalitionsverhandlungen machen vielen Österreichern aus vielen Gründen Sorge. Die größte Angst gilt aber dem Thema Schule. Denn die SPÖ, damit automatisch die Mainstreammedien und einige Industrielle machen derzeit enorm viel Druck, dass die ÖVP der von der SPÖ seit 90 Jahren angestrebten Zwangsgesamtschule zustimmt. Da die ÖVP niemanden mehr an Bord hat, der auch nur die geringste Ahnung von Schulthemen hätte, ist – wider alle Versprechungen aus dem Wahlkampf – eine Katastrophe möglich. Daher an dieser Stelle gleichsam zum Mitschreiben für Schul(politik)anfänger ein paar Fakten dazu. (Mit nachträglicher Ergänzung)

 

Diese werden komprimiert zusammengefasst, damit sie auch ein Politiker begreifen könnte. Fakten anzuschauen, sehen freilich viele in der ÖVP als Zeitverschwendung an. Bildungspolitik wird dort ja im Vorbeigehen behandelt. Waren doch allein in der letzten Legislaturperiode für die ÖVP nicht weniger als sechs Politiker abwechselnd für die Schule zuständig: Hahn, Neugebauer, Amon, Töchterle, Marek, Haslauer (ganz abgesehen von zwei sich ebenfalls einmischenden Parteichefs). Das macht klar, dass die Partei dem fanatischen Ideologieduo Heinisch-Hosek plus Schmied samt den bezahlten Medien nicht gewachsen sein kann. Aber dennoch sei hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte versucht:

 

  1. Jede zwangsweise Vereinheitlichung ist das Gegenteil von Freiheit, das Gegenteil des gerade von der ÖVP zuletzt so strapazierten Schlagwortes „Entfesselung“. Eine liberale und konservative Bildungspolitik, wie sie eigentlich von der ÖVP zu erwarten wäre, darf keinen Millimeter sozialistischen Gleichschaltungsversuchen und Zwänglereien nachgeben. Sie  müsste statt dessen noch viel mehr Vielfalt des Schulangebots ermöglichen; sie müsste alle Schulen und Schulträger mit einem Voucher-System völlig gleich behandeln; sie müsste auch den staatlichen Schulen (also konkret vor allem den Eltern, aber auch den Lehrern) endlich volle Autonomie gegenüber dem parteipolitischen Einfluss geben. Diese Autonomie hätte vor allem von der Direktorswahl über die Niveau- und Schwerpunktsetzung bis zur Festsetzung von Zugangskriterien zu gehen. Eine wirklich moderne Schulpolitik hätte sich auf die regelmäßige – alle zwei bis vier Jahre erfolgende – Feststellung des Bildungsstandards zu reduzieren.
  2. Die ununterbrochene Jammerei der durch Claudia Schmied bestochenen Medien und der von Linken teilübernommenen Wirtschaftsverbände über das Bildungswesen wird keineswegs von der Bevölkerung geteilt. Ganz im Gegenteil. Die ÖVP würde durch ein Ja zur Gesamtschule bei Wahlen keineswegs gewinnen. Ganz im Gegenteil. Erst vor wenigen Tagen hat eine Imas-Umfrage gezeigt: Nur 16 Prozent der Österreicher glauben, dass hierzulande die Schulen und Universitäten schlechter wären als in anderen westeuropäischen Staaten. 40 Prozent halten sie hingegen für besser, während der Rest keine Unterschiede erkennen kann. Das ist nach dem jahrelangen Trommelfeuer auch einst bürgerlicher Medien gegen die Schulen erstaunlich.
  3. Die Einstellung der Bevölkerung zum Schulsystem wird auch durch viele harte Fakten gestützt, die zeigen, dass die Schulen nicht so katastrophal sind, wie gerne getan wird. So sind es laut Eurostat in Österreich nur weniger als sieben Prozent der 15- bis 24-Jährigen, die weder in einer Ausbildung noch in einem Beruf stehen. Im EU-Schnitt sind es hingegen mehr als doppelt so viel.
  4. Auch ein weiterer internationaler Vergleich macht bei der Ablehnung der Gesamtschule sicher: Es sind die wirtschaftlich erfolgreichsten und stärksten Regionen Europas, die zwischen 10 und 14 eine Schulvielfalt anbieten: Neben Österreich sind das die Schweiz und vor allem Süddeutschland. Es ist geradezu absurd, dass man jenes Schulsystem abschaffen will, das unbestreitbar einen Eckstein der ökonomisch erfolgreichsten Teile Europas bildet. Und dass man statt dessen ein Bildungssystem einführen will, dass in Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland für verheerende Zustände mitverantwortlich ist.
  5. Immer mehr der europäischen Krisenländer überlegen, wie sie dieses mitteleuropäische Erfolgssystem in Sachen Bildung übernehmen könnten. Das gegliederte Schulwesen wird derzeit geradezu zu einem Exportartikel. Bei uns aber wird es schlecht gemacht.
  6. In vielen Gesamtschulländern kommt es ständig zu zwei katastrophalen Konsequenzen dieses Zwangs: Erstens zur massenweisen Flucht in die teuren Privatschulen. Diese versuchen alle Eltern, die es sich leisten können, denen die Erziehung ihrer Kinder ein zentrales Anliegen ist, und die in den staatlichen Zwangsgesamtschulen kein akzeptables Angebot mehr finden. Zweitens führt dort das Gesamtschulsystem sogar zur gezielten Übersiedlung von ganzen Familien in teure Nachbarschaften. Das tut vor allem der amerikanische und britische Mittelstand immer dann, wenn in bestimmten Vierteln die staatlichen Schulen auf Grund der bildungsorientierten Einstellung der lokalen Einwohnerschaft noch gut sind.
  7. Damit erweist sich die Zwangsgesamtschule als massiver Anschlag auf den Mittelstand. Wenn gerade eine bürgerliche Volkspartei dabei mitmacht, dann sollte sie sich für die eigene Zukunft nicht allzuviele Hoffnungen mehr zu machen.
  8. Zum gleichen Schluss würde auch ein Blick nach Hamburg führen. Dort hat eine Volksabstimmung über die Einführung der Zwangsgesamtschule zu einer schweren Niederlage der schwarz(!)-grünen Landesregierung geführt. Diese Pläne haben die dortige CDU alsbald auf die Oppositionsbänke gebracht. Zu Recht.
  9. Der von einem Nordtiroler Landgendarmen (derzeit als Innsbrucker Landeshauptmann posierend) herangezogene Vergleich mit Südtirol ist absolut unpassend. Denn in Südtirol gibt es ja ethnisch streng getrennte Schulen.
  10. Jede Nivellierung aller Kinder eines Jahrgangs bedeutet entweder eine Unterforderung der Leistungsfähigen (obwohl gerade deren anspruchsvolle Ausbildung im internationalen Wettbewerb zukunftsentscheidend sein wird) oder eine Überforderung anderer (was auch den bildungsfernen Schülern mehr schadet als nutzt). Daher schaltet in einer echten Zwangsgesamtschule ein guter Teil der Schüler innerlich ab. Und er wird nie wieder einschalten.
  11. Die einzige internationale Statistik, die als Argument für die Gesamtschule herangezogen werden kann, ist der schlechte Wert Österreichs bei der Pisa-Studie. Aber auch hier würde ein genauerer Blick zu ganz anderen Schlüssen führen. Ganz abgesehen davon, dass die Pisa-Studie in etlichen österreichischen Gymnasien boykottiert worden ist, schaut sie nämlich ganz anders aus, sobald man die Zuwanderer-Kinder herausrechnet. Dann steht Österreich gar nicht so schlecht da. Daher liegt die Ursache der schwachen Pisa-Ergebnisse bei den Zuwanderer-Kindern. Eine seriöse Politik müsste sich daher gezielt um die Migranten bemühen: durch Sprachausbildung, durch Sprachstandsfeststellungen, durch Förderunterricht, durch den Zwang, Kinder, für die man Familienbeihilfe bezieht, schon im Kindergarten in deutschsprachige Einrichtungen zu schicken. Es ist hingegen ziemlich absurd, ein funktionierendes Bildungssystem zu zerstören, weil die Politik (auf Druck linksideologischer Realitätsverweigerer und der an Billigstarbeitskräften interessierten Industrie) in hohem Ausmaß die Zuwanderung von Drittwelt-Populationen ohne Bildungshintergrund gefördert hat. Und weil sie, um die Malaise zu bekämpfen, nun den Mittelstand zwingen will, seine eigenen Kinder neun Jahre lang mit bildungsfernen Altersgenossen in die gleiche Klasse zu geben.
  12. Das von der Gesamtschul-Lobby ständig zitierte Finnland hat viel weniger Migranten als Österreich. Und die kommen dort nicht aus der Türkei, aus dem Balkan und außereuropäischen Ländern, sondern primär aus Nordeuropa. Der Anteil der Bevölkerung mit einer fremden Erstsprache beträgt in Finnland 3,7 Prozent; in Österreich hingegen 14,1 Prozent – bei Wiener Schülern sogar schon über 50 Prozent! Finnland hat überdies strenge Aufnahmetests in viele weiterführende Bildungseinrichtungen und strenge Aufnahmetests beim Zugang zum Lehrerberuf. Es hat Politiker, die sich offen der Schulprinzipien Leistung und Disziplin rühmen. Für viele österreichische Politiker sind das hingegen absolute Unwörter.
  13. Die Hauptursache der Lese-, Schreib- und Rechenschwächen der 15-Jährigen liegt nicht bei den Schulen der 10- bis 15-Jährigen, sondern in der Volksschule. Denn jene internationalen Tests, die auch die Zehnjährigen vergleichen, zeigen, dass in Österreich die Kinder mit 10 viel weiter zurückliegen als mit 15. Das heißt, in den so heiß debattierten Jahren dazwischen werden etliche Versäumnisse der Volksschulen (die derzeit die einzigen Zwangsgesamtschulen sind!) noch ausgebessert.
  14. In den Volksschulen (wie bei allen Bildungsproblemen auch hier primär in den Städten mit hohem Migrantenanteil) hat sich die sozialistische Bildungspolitik besonders verheerend ausgewirkt. In vielen dieser Volksschulen wird heute auf jede Leistungsanforderung verzichtet – diese gilt ja Ideologen als böse kapitalistische Deformierung. Die Einser werden serienweise hergeschenkt – man will doch den lieben Kindern nicht die Zukunftschancen verbauen.
  15. Die Absurdität einer neunjährigen Zwangsgesamtschule zeigt sich für Laien besonders deutlich beim Thema Fremdsprachen. Die einen Fünfzehnjährigen haben schon drei Fremdsprachen zu lernen begonnen; die anderen haben noch immer große Probleme allein mit der korrekten deutschen Sprache. Wie will man die jahrelang in die gleiche Klasse zwingen?
  16. Eine von der Gesamtschullobby oft verwendete Phrase heißt: Mit zehn sei es viel zu früh für wichtige Weichenstellungen. Das ist eine der allerdümmsten Behauptungen. Denn es werden gar keine irreversiblen Weichen gestellt: Die Hälfte der Maturanten ist nämlich mit zehn Jahren in eine Hauptschule gegangen. Es gibt also für fleißige und lernwillige Kinder zahlreiche Überstiegsmöglichkeiten; und selbst von absolvierten Lehren führen noch Wege an die Universität.
  17. Die wirkliche Weichenstellung findet jedoch schon viel früher statt. Schon für das Alter von zwei bis vier Jahren zeigen pädagogische Studien gewaltige Unterschiede in der Intelligenz, Sprachgewandtheit und technischen Fähigkeit von Kindern, die überhaupt nicht mehr aufgeholt werden können. Selbst wenn die Ursachen dieser Unterschiede nur in der Erziehung (und nicht in genetischen Faktoren) liegen sollten, müsste die von den Sozialisten in allen Parteien angestrebte Gleichmacherei ja sogar dazu führen, dass Kinder ihren Eltern sofort nach der Geburt abgenommen werden.
  18. Der Skandal rund um das Bildungsforschungsinstitut Bifie zeigt, mit welch brutalen Mitteln der Täuschung und Manipulation die Gesamtschul-Lobby arbeitet. Was zwar Insidern schon lange klar war, hat nun Günter Haider, der langjährige Chef jenes Instituts, im O-Ton bestätigt (in der „Presse“. Diese hat wohl nur deshalb keine Schlagzeile daraus gemacht, weil sie seit einiger Zeit gesamtschulaffin agiert): „Die Ministerin (also Claudia Schmied) hat massiv versucht, Einfluss zu nehmen, weit über das Bifie-Gesetz hinaus. Bis hin zu Aussagen wie: ,Diese Tabelle wird nicht publiziert‘ und: ,Im Wahljahr wird das nicht veröffentlicht‘.“ Dieses Verhalten von Schmied ist ein demokratiepolitischer Skandal sondergleichen, Es stellt eigentlich einen glatten Amtsmissbrauch dar (außer für die Wiener Staatsanwaltschaft). Das alles ist eigentlich viel schlimmer als etwa die deutschen Plagiatsaffären, wo Minister zurücktreten mussten, nur weil sie vor Jahrzehnten als junger Student abgeschrieben hatten.
  19. Die von Haider nun in die Öffentlichkeit getragenen Misserfolge der Gesamtschule bestätigen das, was schon frühere einschlägige Anläufe (Integrierte Gesamtschule, Neue Wiener Mittelschule usw.) regelmäßig gezeigt haben: „Aus dem ersten Jahrgang ist jedenfalls nichts Euphorisches zu entnehmen. Die vorzeitige Einigung war ein Sündenfall.“ So der Ex-Bifie-Chef.
  20. Noch entlarvender war die Aussage seines von Schmied ausgesuchten Nachfolgers Martin Netzer: „Wenn etwas vom Gesetzgeber beschlossen ist, denke ich keine fünf Minuten darüber nach.“ Solche Denkverweigerung stammt wohlgemerkt vom Chef jenes wissenschaftlichen Instituts, auf dessen Forschungsergebnissen der Gesetzgeber seine Beschlüsse aufbaut. Das ist sowohl ein grober Verstoß gegen die Grundprinzipien der verfassungsrechtlich für frei erklärten Wissenschaft, wie auch eine Frechheit gegenüber dem Steuerzahler, der diese Manipulationsmaschine finanzieren muss.
  21. Die im Ergebnis also schwache Neue Mittelschule ist pro Schüler auch weit teurer als die abgeschaffte Hauptschule. Diese NMS war jedoch von einer Regierung eingeführt worden, die immer von Sparsamkeit geredet hat. Das zeigt nur: Es ist meist völlig falsch, faule Kompromisse einzugehen. Diese sind ein typischer Fehler konservativer Parteien, die immer glauben, durch Nachgeben etwas lösen zu können. Dieser NMS-Kompromiss ist jedenfalls für eine auf Sparsamkeit und Leistung orientierte Partei besonders skurril.
  22. Die „innere Differenzierung“ des Gesamtschulmodells NMS ist ein reiner Schmäh. Sie besteht darin, dass die Kinder nun sieben statt fünf Noten bekommen – was nur dazu führt, dass Problemkinder Noten und Schule noch weniger ernst nehmen als bisher. Das zweite auffindbare Element der „inneren Differenzierung“ ist die gleichzeitige Präsenz von zwei Lehrern in den Klassen, die einander aber nach vielen Erfahrungsberichten oft mehr stören, als dass sie dem Bildungserfolg ein wirkliches Plus einbrächten.
  23. Um einen lesenden Politiker nicht zu überfordern, sei hier alles weggelassen, was an den Universitäten zu tun wäre. Das wäre noch viel mehr als bei den Schulen. Statt dessen sei kurz auf die Lehrerausbildung verwiesen. Es ist geradezu sträflich, wenn die Universitäten die Fachkompetenz von Lehrern vernachlässigen (wenn also eine Uni beispielsweise fertig ausgebildete Französisch-Lehrer an die AHS schickt, die leider nicht Französisch können).
  24. Es ist aber auch eine Zeit- und Geldverschwendung, wenn Maturanten laut der von dieser Koalition beschlossenen Lehrerausbildung noch fünf Jahre an eine Universität gehen müssen, damit sie vollberechtigte Volksschullehrer werden dürfen. Das hält viele pädagogisch hochtalentierte Maturanten ganz vom Lehrerberuf fern, weil sie nicht noch so viele Jahre an einer Uni sinnlose pdagogische Theorien stucken wollen.
  25. Es ist absurd, wenn durch die Lehrerausbildung neu fingiert wird, dass jeder Lehrer in einer Sekundarstufe jedes Fach unterrichten können soll. Die Lehrerausbildung neu – für die nicht zuletzt die Herren Spindelegger und Töchterle mitverantwortlich sind – ist also schleunigst zu entsorgen.

Nachträgliche Ergänzung mit Informationen durch einen Schweiz-Experten über das dortige Modell: Das Ist kantonsweise unterschiedlich geregelt. In Zürich kann man zwar erst nach 6 Jahren Primarschule in "Gymnasium Langform" wechseln. Dabei gibt es aber eine Aufnahmeprüfung, die im Schnitt nur von rund 15 Prozent eines Jahrgangs bestanden wird. Aufnahmeprüfungen bestehen dort aus einer Kombination der Einschätzung durch den Primarschullehrer mit den Noten aus der Primarschule und einem externer Test. Die anderen Schüler gehen in die dreijährige Sekundarschule, die ähnlich unserer Hauptschule (zumindest der früheren) in Leistungszüge geteilt ist. Während der Sekundarschule kann man versuchen, aus dem A-Zug ins Gymnasium zu wechseln. Wobei es auch da wieder eine ähnliche Aufnahmeprüfung gibt. Damit sind in Zürich ca. 26 Prozent eines Jahrgangs im Gymnasium. Die anderen können eine Fachschule eventuell plus Fachmaturität machen (3+1 Jahre; das qualifiziert für manche Studien, aber nicht für alle) oder eine Berufsschule + Lehre, wo man auch eine Berufsmaturität anhängen kann (4+1 Jahre, die auch für manche Studien qualifiziert). Gerade das Prinzip der Aufnahmsprüfung macht das Schweizer Modell - trotz der sechs Jahre Gemeinschaftsschule - zu einem wohl noch viel effektiveren und leistungsorientierten Modell. Denn solche für das Vorankommen relevante externe Tests sind als Leistungshebel besonders gut wirksam.

 

 


Pressemeldung der INITIATIVE DIFFERENZIERTES SCHULWESEN

„Die Quittung liegt schon auf dem Tisch: Seit der Abschaffung der Grundschulempfehlung sind in Baden-Württemberg fünf Mal mehr Realschüler und doppelt so viele Gymnasiasten durchgefallen als vorher.“ Ingrid Ritt, Sprecherin der bundesweiten Initiative Differenziertes Schulwesen, appelliert in ihrem Grußwort beim Landesrealschultag in Niefern an die dafür verantwortlichen Bildungspolitiker, Schüler und Eltern nicht länger mit den untauglichen Werkzeugen der Einheitsschule zu traktieren. Die Realschule als eigenständige Schulart im differenzierten Schulwesen ist lt. Ritt weiterhin ein Erfolgsfaktor für ein qualifiziertes Bildungsangebot in Baden-Württemberg.

Die Initiative Differenziertes Schulwesen und der Realschullehrerverband Baden-Württemberg fordern beim Landesrealschultag 2013 in seiner Nieferner Erklärung die Landesregierung auf, ein klares und uneingeschränktes Bekenntnis zum erfolgreichen differenzierten Schulwesen mit der eigenständigen Schulart Realschule zu geben. Irmtrud Dethleffs-Niess, Landesvorsitzende des Realschullehrerverbandes Baden-Württemberg, fordert: „Die Eigenständigkeit der Realschulen und damit die Wahlmöglichkeit für Eltern zwischen verschiedenen Bildungsangeboten ist ein unverzichtbares Element hoher Bildungsqualität in Baden-Württemberg.“

Die „Segnungen“ grün-roter Bildungspolitik können weder Eltern noch Schüler in Baden-Württemberg begeistern: Im ersten Schuljahr nach dem Ende der verbindlichen Grundschulempfehlung haben von rund 34 000 Realschülern 3,9 Prozent in der fünften Klasse das Ziel nicht erreicht.  Das ist mehr als eine Verfünffachung des Anteils von einst 0,7 Prozent. Bei den Fünftklässlern am Gymnasium hat sich die Wiederholerzahl mehr als verdoppelt. Ingrid Ritt kritisiert: „Das ist keine echte Förderung für unsere Kinder. Sie haben nur eine Schulzeit, und die ist kostbar. Sie dürfen keine Versuchskaninchen für ideologisch motivierte Weichenstellungen sein.“Ritts Forderungen werden von 35 Organisationen* geteilt, die der bundesweiten INITIATIVE DIFFERENZIERTES SCHULWESEN seit deren Start im Juli 2013 beigetreten sind. Der Wirtschaftsrat Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein, und der Elternverein Nordrhein-Westfalen e.V. sind die „jüngsten“ Mitglieder.

Zustimmung erhält Ritt auch von Prof. Dr. Jürgen Rekus vom Karlsruher Institut für Technologie. Er stellt ebenfalls deutlich fest: „Wir stimmen mit der Initiative Differenziertes Schulwesen völlig überein, die Sinngebung von Schule ist nach wie vor Fachwissen zu vermitteln und darf nicht nur eine Auflistung von wohlklingenden Softskills sein.“

Carmen E. Kühnl, Pressereferentin,
im Auftrag der INITIATIVE DIFFERENZIERTES SCHULWESEN
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , mobil: +49 171 22 65 685

Beteiligte dieser Initiative:

  • Bayerischer Philologenverband (bpv; Verband der Lehrer an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen in Bayern)
  • Bayerischer Realschullehrerverband (brlv)
  • Bayerischer Schulleitungsverband (BSV)
  • Bundesgemeinschaft Gegliedertes Schulwesen (BGSW)
  • Bund Freiheit der Wissenschaft
  • Bündnis Beste Bildung in Bayern
  • Bündnis Pro Bildung Baden-Württemberg
  • Deutscher Altphilologenverband
  • Deutscher Elternverein (DEV)
  • Deutscher Lehrerverband (DL)
  • Deutscher Philologenverband (DPhV)
  • Direktorenvereinigung der Bayerischen Wirtschaftsschulen (DBW)
  • Elternforum Bildung
  • Elternverein Nordrhein-Westfalen e.V.
  • Elternvereinigung an den Gymnasien und Realschulen der Orden und anderer freier katholischer Schulträger in Bayern (EVO)
  • Hessische Eltern pro Bildung
  • Initiative Pro Realschule Bayern
  • Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein (IVL)
  • Katholische Erziehergemeinschaft, Landesverband Bayern (KEG)
  • Landeselternverband Bayerischer Realschulen (LEV-RS)
  • Landeselternvereinigung der Fachoberschulen in Bayern (LEV-FOS)
  • Landeselternvereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV-GYM)
  • Landeselternvereinigung der Wirtschaftsschulen in Bayern (LEV-WS)
  • Landesschülerrat in Bayern (LSR)
  • Philologenverband Baden-Württemberg
  • Power trotz Handicap, Bayern
  • Realschullehrerverband Baden-Württemberg
  • Schleswig-Holsteinischer Elternverein (SHEV)
  • Verband der Lehrer an Beruflichen Schulen in Bayern (VLB)
  • Verband Deutscher Realschullehrer (VDR)
  • Vereinigung Bayerischer Realschuldirektoren (VBR)
  • Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien (BayDV)
  • Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren für die Beruflichen Oberschulen in Bayern
  • Wir wollen lernen, Förderverein für bessere Bildung in Hamburg
  • Wirtschaftsrat Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein

 


 

 


1040 Wien, Schleifmühlgasse 2/19
www.bildungsplattform.or.at
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ZVR-Zahl: 274316539

Herzliche Einladung zur

2. GENERALVERSAMMLUNG
des Vereins
„Bildungsplattform Leistung & Vielfalt – BP-LuV“

Zeit:    Mittwoch, 6. November 2013, um 19.00 Uhr
Ort:     Hayek-Saal, 1010 Wien, Grünangergasse 1

Tagesordnung der Generalversammlung um 19.00 Uhr

  1. Eröffnung und Begrüßung
  2. Feststellung der Beschlussfähigkeit
  3. Genehmigung der Tagesordnung
  4. Genehmigung des Protokolls der 1. GV am 27. September 2012
  5. Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden und Diskussion darüber
  6. Kassabericht
  7. Bericht der Rechnungsprüfer
  8. Entlastung des Vorstandes
  9. Mitgliedsbeitrag
  10. Änderung in der Rollenverteilung innerhalb des Ausschusses (Tausch zwischen Schriftführerin und stv. Schriftführerin, Betrauung der Letzteren mit der Rolle der Pressesprecherin)
  11. Planung weiterer Aktivitäten
  12. Öffentlichkeitsarbeit
  13. Webseite
  14. Beschlussfassung über allenfalls eingebrachte Anträge 1)
  15. Allfälliges

1) Lt. Statuten § 9 Generalversammlung pt. 5):

Anträge zur sonstigen Behandlung und Beschlussfassung für die Generalversammlung sind mindestens 7 Tage vor dem Termin der Generalversammlung beim Vorstand schriftlich, mittels Telefax oder per E-Mail einzureichen. Solche fristgerecht eingebrachten Anträge sind in der Generalversammlung gleich einem gehörigen Tagesordnungspunkt zu behandeln.

Adresse:     Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
1040 Wien, Schleifmühlgasse 2/19
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

RAHMENPROGRAMM im Anschluss an die Generalversammlung :  Beginn 19.45 Uhr

Vortrag von Prof. Mag. Dr. Eva Maria WAIBEL*)

„Wie bildet man gute Lehrer aus?  Neue gesetzliche Vorgaben, Visionen und derzeitiger Entwicklungsstand“

Statement von Dr. Günter SCHMID

„Kurze Stellungnahme des Vorsitzenden der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ zur Lehrer/innenausbildung aus der Sicht einer begabungsfördernden Schulentwicklung.“

Diskussion

Die herzliche Einladung (vor allem auch zum Rahmenprogramm, wahlweise auch nur zu diesem) gilt nicht nur allen bereits beigetretenen Mitgliedern des Vereins und jenen, die im Rahmen der Generalversamm­lung ihren Beitritt zu erklären beabsichtigen, sondern allen an der aktuellen Bildungsdebatte Interessier­ten.

Mit freundlichen Grüßen

Günter SCHMID e.h.
Vorsitzender des Vorstandes

Isabella ZINS e.h.                                     Susanne SCHMID e.h.
1. stv. Vorsitzende                                      2.   stv. Vorsitzende

Maria SMAHEL
Schriftführerin

Im Namen des Vorstandes

*)     Existenzielle Pädagogik - Institut für Schulentwicklung
Pädagogischen Hochschule in Kärnten – Viktor Frankl Hochschule
www.eva-maria-waibel.at


PIAAC

Heute sind die Ergebnisse erschienen — eine Zusammenfassung finden Sie in der "Die Presse".

Ein besonders interessantes Resultat:

Die jüngeren Testpersonen erbrachten bessere Leistungen als die älteren - das gilt sowohl für Österreich als auch für die OECD gesamt. In Österreich erbrachte die Personengruppe um die 30 Jahre die besten Leistungen. Die jüngste Vergleichsgruppe, die 16- bis 24-Jährigen, zeigte in Österreich sehr gute Leistungen bei der Alltagsmathematik und lag hier signifikant über dem OECD-Schnitt der Gleichaltrigen.

Wenn die 16- bis 24-jährigen Österreicher die besten Leistungen erbringen - das sind die PISA-Jahrgänge 1997 - 1989 - dann ist das ein weiterer Beweis dafür, dass PISA sich in Österreich irrt!


Seit Jahren BM Schmieds erste gute Tat

Bildungsplattform hofft auf „Rückkehr der Vernunft“ in die Bildungspolitik

Die heutige Ankündigung BM Dr. Claudia Schmieds, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen, veranlasst den Vorsitzenden der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ Dr. Günter Schmid zu folgender Stellungnahme:

„Als Vorsitzender der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ empfinde ich tiefe Befriedigung über die Entschärfung der gefährlichsten Zeitbombe für die Qualität des österreichischen Bildungswesens! BM Schmied hat endlich erkannt, dass ihre bildungspolitische Geisterfahrt zu beenden ist.“

Dr. Günter Schmid hofft inständig, „dass nach Beseitigung des Haupthindernisses nun eine Phase konstruktiver Zusammenarbeit aller Schulpartner für das gemeinsame Anliegen Bildung beginnen kann.“

Schmid weiter: „Über 1700 Stellungnahmen zum Horrorprojekt Lehrerdienstrecht beweisen, dass es Österreichs Lehrerschaft weder an Engagement noch an Courage mangelt. Claudia Schmied hat diesen Aufschrei offenbar verstanden. Es gilt nun, die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer wieder zu stärken, ihnen den Respekt und die Anerkennung zukommen zu lassen, die BM Schmied ihnen jahrelang beharrlich verweigert hat.“

„Voraussetzung für einen dringend nötigen Neustart in der Bildungspolitik ist die Rückkehr der Vernunft auf den Minoritenplatz. Mit rückwärtsorientierter Ideologie vom Schlage einer Ministerin Heinisch-Hosek würde diese Chance vertan!“ appelliert Schmid an den Bundeskanzler.

„Ich hoffe, dass jemand zum Zug kommt, dem es erstens um die Sache geht und der zweitens womöglich auch etwas davon versteht. Wozu die „Beratung“ durch selbsternannte Pseudo-„Experten“ führt, wurde uns in den letzten sieben Jahren in erschreckendere Manier vorgeführt“, so der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ abschließend.

 

Rückfragehinweis:
Dr. Günter Schmid
Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
www.bildungsplattform.or.at
0664/88430397


Ministerin Schmieds bildungspolitische Geisterfahrt stoppen!

Ministerin wird immer mehr zur letalen Gefahr für Österreichs Schulsystem

Die jüngsten Aussagen BM Dr. Claudia Schmieds im ORF-Radio Vorarlberg veranlasst den Vorsitzenden der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ Dr. Günter Schmid zu folgender Stellungnahme:

„Die in Ton und Inhalt geradezu unfassbare Reaktion der Unterrichtsministerin auf die Kritik am Entwurf zum neuen Lehrerdienstrecht lässt für mich nur mehr eine Interpretation zu: Claudia Schmied ist zur bildungspolitischen Geisterfahrerin geworden, die mit Vollgas in die falsche Richtung fährt.“, so Günter Schmid wörtlich.

Die Website des österreichischen Parlaments weist bereits über 450 kritische Stellungnahmen zum Entwurf des neuen Dienstrechts auf. Doch statt diese Stellungnahmen als Signal zur Umkehr aufzufassen, „steuert Claudia Schmied als sture Geisterfahrerin beharrlich in die falsche Richtung!“

Für den Vorsitzenden der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ ist es „völlig unverständlich, warum die Unterrichtsministerin nicht bereit ist, einzugestehen, dass ihr Versuch, den Lehrerinnen und Lehrern ein unzumutbares Dienstrecht unterzujubeln, kläglich gescheitert ist.“

Günter Schmid appelliert an den Bundeskanzler: „Als Regierungschef ist es Ihre Aufgabe, Frau Dr. Schmied an der Fortsetzung ihrer Geisterfahrt zu hindern. Offensichtlich ist die Unterrichtsministerin nicht mehr selbst in der Lage, zu erkennen, dass die Fortsetzung ihres Kurses unweigerlich zu einem Crash führen muss, dessen Folgen schreckliche Ausmaße hätten.“

„Die Empfehlung BM Schmieds, ein Lehramtsstudium aufzugeben oder gar nicht zu beginnen, falls einem das neue Dienstrecht nicht passe, ist eine Bankrotterklärung dieser Ministerin“, so der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ abschließend.

Rückfragehinweis:

Dr. Günter Schmid
Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
0664/88430397


Initiative differenziertes Schulwesen

Sehr gerne informieren wir Sie über die Initiative "3x mehr — Initiative differenziertes Schulwesen — Vielfalt, Bildung, Chancen", die es nun schon ein paar Monate in Deutschland gibt und die große Erfolge feiert:

http://www.differenziertesschulwesen.de/


Sinn und Unsinn der Ganztagsschule

von Silvia Öller

Ganztagsschule für alle – Wie soll das funktionieren? Haben sich die Befürworter dieses Modells schon einmal darüber Gedanken gemacht, was das bedeutet? Wo sind die Lern- und Aufenthaltsräume? Wo die Computer, die heute für moderne Lernmethoden unerlässlich sind? Wo ist das kompetente Personal?

Es klingelt. Zwanzig Mädchen sitzen auf sechs verschiedene kleinere und größere Räume aufgeteilt in der Tagesheimschule. Drei Lehrpersonen kümmern sich darum, dass die Hausaufgaben ordentlich erledigt werden. „Können Sie mich abprüfen? Ich hab morgen Geschichtetest.“ „Natürlich! Das mache ich gern“, sage ich und lerne in einem Frage- und Antwortspiel auch noch etwas über Städte im Mittelalter. Nach fünf Minuten werden wir unterbrochen, weil ich schnell eine Gleichung durchrechnen sollte, die sich nicht ausgeht. „Minus mal minus gibt Plus – da liegt der Hund begraben!“ – „A so!“ Nach weiteren fünf Minuten mittelalterlichem Gesellschaftssystem schenkt mir Hanna ein strahlendes Lächeln für mein Lob und die Versicherung, dass sie alles bestens gelernt hat. Wenn doch nur alle so wären wie sie: eifrig und wissbegierig, liest Bücher, wenn sie nichts mehr zu lernen hat, und ist immer höflich und zuvorkommend.

Ich gehe in den nächsten Raum. Hier ist Lea in ein Computerspiel vertieft. „Hast du deine Mathematik-Hausaufgabe gemacht?“ – „Ja“ – „Bist du wirklich sicher, dass du alles hast?“ „Eine Nummer fehlt mir noch, die kann ich nicht“, ist die patzige Antwort. „Hol bitte dein Heft und lass sie mich anschauen, wir machen sie zusammen.“ Mit einem wütenden Schnauben steht Lea auf, läuft aus dem Raum, kommt mit dem Heft zurück und wirft es mir vor die Nase. „Ich hab´s eh erst bis übermorgen auf!“ und setzt sich wieder an den Computer. Muss ich mir so ein Verhalten bieten lassen? „Nicht in diesem Ton, Lea! So kannst du lange warten, bis ich dir helfe!“ Ich habe keine Sanktionsmöglichkeit, außer ihre Mutter zu informieren. Doch das hat wohl ebenso wenig Sinn wie beim letzten Mal, denn sie hat ihre Tochter in Schutz genommen und ihr Versagen auf Lehrer und Mitschülerinnen geschoben.

Ich verlasse den Raum und treffe am Gang auf Corinna, über die sich meine Kollegin beklagt hat, dass sie nicht in der Mathematik-Übungsstunde war. Ich stelle sie zur Rede und bekomme die Antwort „Das bringt ja eh nix und außerdem habe ich zu Hause jeden Mittwoch eine Nachhilfestunde.“ „Aber du weißt, dass es eine Vereinbarung gibt, dass du bei einer schlechten Schularbeitsnote die Übungsstunde besuchen musst.“ –„Okay, ja –nächste Woche“, verspricht sie mir. Ich fürchte, das es eine leere Versprechung ist und sie wieder versuchen wird, sich irgendwie zu drücken.

In der Bibliothek schaue ich Maria über die Schulter. „Du hast aber noch kaum was gerechnet, deine Klassenkameradinnen sind schon fast fertig.“ – „Ich bin fertig und würde gerne in den Garten gehen!“ sagt Melissa. Ich nicke und wende mich wieder Maria zu „Ach, ich hab keinen Bock! Wissen Sie, ich habe eine Mathematikallergie“, bekomme ich zu hören. Ich ziehe mir einen Stuhl heran und setze mich neben sie. Es bleibt ihr nun nichts anders übrig, als zu rechnen. Obwohl sie immer wieder versucht, mit den Mädchen um sie herum Kontakt aufzunehmen, hat sie die Aufgabe nach nicht einmal zehn Minuten geschafft.

Rebecca zeichnet ein Mannequin. „Bist du fertig?“ – „Nein, aber meine Mama will die Aufgabe mit mir machen, sie will wissen, was ich so lerne.“ Ich zweifle daran, dass das stimmt, weil die meisten Eltern froh sind, wenn die Kinder keine Aufgabe mehr zu Hause machen müssen. Es gelingt mir nicht, sie davon zu überzeugen. Elena bittet mich, ihren Aufsatz durchzulesen. Er strotz vor Rechtschreibfehlern und Stilblüten, aber auf meine Verbesserungsvorschläge bekomme ich immer nur die Antwort „Das ist doch wurscht.“ – Wozu lese ich es dann?

Es läutet und Elena nimmt mir das Blatt aus der Hand, stopft es in die Schultasche, schreit „Tschüüüs!“ und rennt hinaus. Ich sammle liegen gebliebenen Müll ein, stelle Stühle zurecht und mache eine Schülerin, die noch am Computer sitzt, aufmerksam, dass sie nach Hause gehen könne. „Ich muss das nur noch schnell ausdrucken, ich habe morgen ein Bio-Referat“. Der Text ist aus Wikipedia und enthält jede Menge Fremdwörter. „Möchtest du das wirklich morgen so präsentieren?“ frage ich. „Ja, ja, das geht schon, ich muss es eh nur vorlesen!“ Ich zucke resignierend mit den Schultern, warte bis sie fertig ist, sperre dann den Raum ab und gehe nach Hause.

Wenn drei Lehrer für eine Tagesheimgruppe von zwanzig Schülerinnen es kaum schaffen, alle Hausaufgaben zu kontrollieren und Hilfestellungen und Anleitungen zum effizienteren Lernen zu bieten, sowie sinnvoll mit Schülerinnen ihre Freizeit zu gestalten, wie sollte es gelingen, wenn alle 1000 oder noch mehr Schülerinnen einer Schule am Nachmittag zu betreuen sind? Wie stellt man sich eine individuelle Betreuung und Begleitung vor, wenn das nicht einmal in Kleingruppen möglich ist?

Können wir wirklich erwarten, dass die schlechteren Schülerinnen von den besseren lernen? Die Erfahrung zeigt, dass das nur in Einzelfällen gelingt. Sehr schnell verlieren Klassenkameradinnen die Geduld und geben lieber die Empfehlung, die Aufgabe abzuschreiben, als dass sie sich bemühen, sie den schwachen Schülerinnen zu erklären.

Interessen zu wecken und neugierig zu machen sind Aufgaben, die bereits vom Elternhaus erfüllt werden müssen. Dort beginnt Bildung in jeglicher Form, soziale wie wissenschaftliche, dort liegt der Grundstein für den Erfolg in der Schule und im späteren Leben. Es darf nicht das Ziel sein, alle Wege zu ebnen und den Kindern möglichst wenige Aufgaben zu erteilen.

Eltern suchen immer mehr die Schuld an den schlechten Noten nicht bei ihren Kindern, sondern bei den Lehrern. Sie untergraben die Autorität der Lehrpersonen, wenn sie verbal über diese herfallen und ihren Kindern noch die Empfehlung mitgeben, sich nichts gefallen zu lassen. Eine solche Haltung wird sich bei den Kindern auf ihrem späteren Arbeitsplatz fortsetzen. Sie werden auch hier Anweisungen von Vorgesetzten in Frage stellen und sich weigern, anstrengende Tätigkeiten auszuführen oder gar Überstunden zu leisten. Frustrationen sind vorprogrammiert, denn Glück und Zufriedenheit hängen unmittelbar mit dem Erreichen eines Ziels durch Leistung und Anstrengung zusammen.

Eigenverantwortliches Lernen gelingt nur, wenn schon Kleinkindern Verantwortung übertragen wurde. Jene Schüler, die immer am Gängelband der Eltern hängen, werden in Ganztagsschulen scheitern, weil niemand ständig hinter ihnen stehen kann, der ihnen sagt, was sie zu tun hätten. Für eine leider immer größer werdende Anzahl von Kindern, die zu Hause sich selbst oder dem Computer und dem Fernseher überlassen sind, ist Ganztagesbetreuung eine gewisse Chance, soziale Kontakte knüpfen zu können und einen geregelten Tagesablauf mit einem gesunden, warmen Mittagessen zu haben.

Schulversuche zur freiwilligen Nutzung einer Ganztagesbetreuung sind für viele Eltern und Schüler ein wertvolles Angebot. Es gibt aber immer noch viele Mütter, die nicht berufstätig sind und gerne ihre Kinder in ihrer Entwicklung fordern und fördern wollen. Für sie wäre eine Regel-Ganztagsschule ein wesentlicher Eingriff in die persönliche Freiheit.

Mag. Silvia Öller, gebürtige Oberösterreicherin, studierte in Salzburg Biologie und Erdwissenschaften (mit den Nebenfächern Physik, Chemie, Geologie und Mineralogie) für das Lehramt. Sie unterrichtete an einem Privatgymnasium in Bregenz Biologie, Physik und Chemie und war rund 15 Jahre lang in der freiwilligen Nachmittagsbetreuung tätig.


Entwurf zum Lehrerdienstrecht ist leistungsfeindlich und qualitätsgefährdend

Wir brauchen keine „Einheitslehrer“, sondern optimal ausgebildete Spezialisten

Mit größter Sorge beobachtet der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ Dr. Günter Schmid die Diskussion um das neue Lehrerdienstrecht: „Was Bildungsministerin Schmied vollmundig als Qualitätsoffensive zu vermarkten versucht, ist bei näherer Betrachtung die Bankrotterklärung für ein qualitätsvolles öffentliches Schulwesen in Österreich.“

Geradezu „perfid“ findet Schmid das Verschleiern der wahren Motive hinter dem neuen Lehrerdienstrecht. Nachdem die Bildungsministerin monatelang beharrlich leugnete, dass sie damit der flächendeckenden Gesamtschule den Weg bereiten wolle, ließ sie vor wenigen Tagen in einem Interview die Katze aus dem Sack und bekannte freimütig ihre wahren Motive.

Für Günter Schmid ist damit das Fass endgültig voll: „Diese ‚Bildungs‘-Ministerin scheint auch noch stolz darauf zu sein, die Bevölkerung monatelang hinters Licht geführt zu haben. Eine derartige Mischung aus Präpotenz und Inkompetenz ist einfach unerträglich!“

Doch selbst wenn sich Claudia Schmied – wie zu hoffen und zu erwarten ist - mit ihren Gesamtschulplänen nicht durchsetzt, ist die Vorstellung von „Universallehrern“ für den Vorsitzenden der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ absurd. Günter Schmid bringt es durch einen Vergleich mit der Idee eines „Gesamtspitals“ und des „Einheitsarztes“ auf den Punkt: „Keinem Spitalsbetreiber würde es wohl einfallen, Augenärzte für Blinddarmoperationen einzusetzen, bloß weil diese ja ohnehin ein Medizinstudium absolviert hätten. Umgekehrt würde sich auch kein vernünftiger Mensch von einem noch so guten Orthopäden den Grauen Star operieren lassen.“

Im neuen Dienstrecht sind derartige Abstrusitäten aber nicht nur vorgesehen, sondern quasi tragende Säulen künftiger Lehreranstellungen. Ohne Rücksicht auf Fachstudien sollen „Einheitslehrer“ künftig dort eingesetzt werden, wo gerade Mangel herrscht (und das ist bekanntlich – nur von den zuständigen Politikerinnen geleugnet - fast überall der Fall). „Für mich ist der HTL-Lehrer in der Volksschule eine ebenso abwegige Vorstellung wie die Grundschulpädagogin in der gymnasialen Oberstufe. Säuglingskrankenschwestern werden ja auch nicht in der Geriatrie eingesetzt.“ so Schmid weiter.

Natürlich sind auch die deutlich schlechteren pekuniären Rahmenbedingungen für Schmid Anlass zu Kritik: „Welcher junge Mensch wird sich in Hinkunft für ein Lehramtsstudium entscheiden? Auch der Idealismus hat Grenzen, und junge Leute mit hoher intellektueller und sozialer Kompetenz können auch rechnen und werden sich wohl lukrativeren – und in der Öffentlichkeit wertgeschätzteren - Studien- und Berufsfeldern zuwenden.“

Der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ unterstützt daher die Petition "Für ein qualitativ hochwertiges neues LehrerInnendienstrecht!".

„Die amtsführende Präsidentin des Wiener Stadtschulrats hat laut der Tageszeitung „Die Presse“ Eltern, die ihr Kind nicht in die Ganztagsschule schicken wollen, sogar empfohlen, gefälligst in Privatschulen zu wechseln! Wenn die öffentlichen Schulen durch das Qualitätsdumping des neuen Dienstrechts auf den Weg nach unten geschickt werden, wird die Flucht in die Privatschulen wohl zum einzigen Ausweg für Eltern, denen die Bildung ihrer Kinder ein Anliegen ist.“ ist Schmid überzeugt. „Natürlich können diese für die Gratiswerbung nur dankbar sein. Aber darf ein Staat so unsozial sein, nur den Wohlhabenden das Recht auf Freiheit der Wahl zuzugestehen?“

„Ich appelliere daher an die verantwortlichen Bildungspolitiker, die Debatte endlich von der primitiven Stammtisch- und Neidebene auf die Qualitätsebene zu heben. Österreich braucht ein gutes öffentliches Schulwesen, wer es ruiniert, zerstört die Zukunft unseres Landes!“ so Schmid abschließend.

Rückfragehinweis:

Dr. Günter Schmid
Vorsitzender
0664/88430397


Zitate zum Lehrerdienstrecht

„Der vorliegende Entwurf der Ministerinnen Claudia Schmied und Gabriele Heinisch-Hosek zum Lehrerdienstrecht würde für die betroffenen Arbeitnehmer massive Verschlechterung bringen: Eine Erhöhung der Arbeitszeit um bis zu 40 % und finanzielle Verluste im Laufe des Berufslebens von über einer halben Million Euro!“
Eugen Lampert, Vorsitzender der GÖD Vorarlberg, Presseaussendung vom 14. August 2013

„Der Entwurf ist finanziell unzumutbar, leistungsfeindlich und mit einem qualitativ hochwertigen Schulwesen unvereinbar. So werden wir die steigenden Herausforderungen der Zukunft nicht meistern.“
Mag. Wolfgang Türtscher, Obmann der Vorarlberger ÖAAB-Lehrer, Presseaussendung vom 14. August 2013

„Es wird, wenn man den Entwurf ansieht, auch die breite Masse von Schülern und Eltern nicht hinter dem Entwurf stehen. Denn mehr Klassen für Lehrer bedeuten mehr Schüler für Lehrer, weniger Zeit für den einzelnen Schüler.“
Mag. Dr. Eckehard Quin, Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft, Ö1-Mittagsjournal vom 13. August 2013

„Geht es nach der Regierung, sollen in Zukunft alle Lehrer verpflichtend 24Stunden pro Woche unterrichten. Zwei Stunden ‚mehr Zeit mit den Schülern‘ als bisher, umschreibt man einen alten Streitpunkt euphemistisch. Zur Erinnerung: 2009 erlitt Unterrichtsministerin Schmied mit ihrer Forderung nach zwei Stunden mehr Unterricht kläglich Schiffbruch.“
Kleine Zeitung ONLINE am 14. August 2013

„Nachdem im Mai 2012 der erste Entwurf vorgelegt worden sei [...], hätten Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Beamtenministerin Heinisch-Hosek zudem bis Februar 2013 keinerlei Interesse an politischen Verhandlungen gehabt.“
Paul Kimberger, Vorsitzender der ARGE LehrerInnen, Wiener Zeitung ONLINE vom 26. Juli 2013

„Nachdem die Regierung ein Jahr lang nicht wirklich ernsthaft mit allen Gewerkschaften verhandelt habe, sei der Zeitraum für die erst vor wenigen Wochen wirklich ins Laufen gekommenen Gespräche zu kurz gewesen. ‚Daher ist jetzt die Panik ausgebrochen.‘“
Paul Kimberger, Vorsitzender der ARGE LehrerInnen, Die Presse ONLINE am 13. August 2013

Sozialdemokratisches „Verständnis“ des demokratischen Instruments „Begutachtungsverfahren“:
„An den Grundpfeilern des Entwurfs wird sich nichts ändern.“
Gabriele Heinisch-Hosek, BM für Frauen und öffentlichen Dienst, Tiroler Tageszeitung ONLINE am 14. August 2013

„Dies sei die ‚Schule der Zukunft‘, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) mit vielen Einzelreformen auf den Weg gebracht habe und die man mit dem Ausbau der ganztägigen Schulformen und der Neuen Mittelschule (NMS) weiter vorantreiben werde.“
Gabriele Heinisch-Hosek, BM für Frauen und öffentlichen Dienst, Tiroler Tageszeitung ONLINE am 14. August 2013

„Dass jetzt alles in nur sechs Wochen, noch vor der Nationalratswahl durchgepresst werden soll, ist der Beweis dafür, dass es SPÖ und ÖVP hierbei allein um Wahltaktik geht und nicht um eine solide, dauerhafte Lösung.“
Dr. Walter Rosenkranz, Abgeordneter zum Nationalrat, Vorsitzender des Unterrichtsausschusses und Bildungssprecher der FPÖ, Der Standard ONLINE am 13. August 2013

Es trifft ja eh „nur“ die Jungen:
„Es gehe außerdem um ein neues Dienstrecht: ‚Wir greifen ja in nichts Bestehendes ein.“
Rudolf Hundstorfer, sozialdemokratischer Sozialminister, ORF online am 13. August 2013

Selbst der ÖGB-Präsident beendet jetzt sein Schweigen:
„Die von der Regierung gewählte Vorgangsweise weicht in bisher noch nicht da gewesener Form von den bisherigen sozialpartnerschaftlichen Gepflogenheiten ab.“
Erich Foglar, ÖGB-Präsident, Kleine Zeitung ONLINE am 13. August 2013

„Schon Platon hat gesagt: die schlimmste Form der Ungerechtigkeit ist die vorgespielte Gerechtigkeit.“
Karlheinz Kopf, ÖVP-Klubobmann,  am 11.8.2013 in KURIER-online.

„Diskutieren, Kompromisse finden, Vereinbarungen schließen – all das gehört zum täglich Brot von Politikern. Claudia Schmied und Gabriele Heinisch-Hosek fehlen genau diese Grundfertigkeiten.
Karlheinz Kopf, ÖVP-Klubobmann, am 11.8.2013 in KURIER-online.


Geiz ist nicht nur bei Billig-Airlines nicht geil, sondern auch im hochsensiblen Bereich des Lehrerdienstrechts

Isabella Zins

Von den involvierten Politikern wird der „Durchbruch“ im neuen Dienstrecht bereits herbeigeredet. Noch schnell vor der Wahl soll alles über die Bühne gehen. Jede Regierungspartei will sich den Erfolg auf die Fahnen heften. Die hohe Zahl der nun in relativ kurzen Abständen stattfindenden Verhandlungsrunden soll den öffentlichen Druck erhöhen und den Eindruck vermitteln, dass die Politik den Gewerkschaften ohnehin schon stark entgegengekommen sei. Nun müsse man doch endlich zum Abschluss kommen! Sonst habe der Kanzler durchaus Recht, wenn er über die Gewerkschaft „drüberfahre“, weil nichts weitergeht!

Was an Fakten medial durchdringt, klingt ja im Grunde nicht so arg: ein bisschen mehr unterrichten, dafür höhere Einstiegsgehälter! Warum zieren sich die Lehrer, vor allem die AHS-Professoren, bloß so?

Für mich sind die Pläne der Bildungsministerin jedoch nicht nur als AHS-Direktorin, sondern auch als stellvertretende Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ und Bundesobfrau der VCL alles andere als harmlos, ja geradezu eine gefährliche Drohung!

Sehen Sie als Fluggast eine Qualitätsoffensive darin, dass Billig-Airlines ihre Flugbegleiter ausbeuten, indem sie diese nur mehr für die Zeit bezahlen, die sie an Bord – also in der Luft – verbringen? Ähnliches wird nach den Schmiedschen Plänen bald für Lehrer gelten – mit massiven Auswirkungen auf die Schüler und damit Eltern.

Qualitätsoffensive durch ein neues Lehrerdienstrecht? Fehlanzeige! Das neue Dienstrecht wird die Bildungschancen unserer Kinder gefährden!

Der Vergleich mit den Billig-Fluglinien ist durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen: Was in Zukunft für Lehrkräfte zählen soll, ist die reine Unterrichtszeit. Schon bisher waren viele Aufgaben in die Lehrverpflichtung inkludiert, doch in Zukunft sollen ALLE über das Unterrichten hinausgehenden Aufgaben sozusagen „all inclusive“ sein – und das noch dazu bei einer deutlich erhöhten Unterrichtsverpflichtung!

Das bedeutet nicht nur, dass es in Zukunft an den höheren Schulen keine Mini-Abgeltungen für Zusatzaufgaben mehr geben wird (wie für Bildungsberatung, Durchführung der Schulbuchaktion, EDV-Betreuung und Instandhaltung aller audiovisuellen Medien sowie der Ausstattung der Chemie-, Physik-, Biologie- und Werksäle, Begleitung bei Schikursen und Sprachreisen etc., um nur einige wenige zu nennen). Nein: Auch die aus keiner Schule wegzudenkenden Administratoren sind im neuen Dienstrecht nicht mehr vorgesehen, da für Schmied offensichtlich überflüssig. Diese Lehrer sind an höheren Schulen mit mindestens acht Klassen sozusagen die „rechte Hand“ der Direktion und nicht bloß zur verwaltungsmäßigen Unterstützung eingesetzt. Vielmehr sind sie Ansprechpartner in sämtlichen organisatorischen und vielen pädagogischen Bereichen.

Sie erledigen z. B. die administrative Umsetzung der Diensteinteilung und sorgen für Stundenplan und Vertretungsplanung, arbeiten sich jährlich wieder in neue komplizierte Verwaltungsprogramme ein. Sie halten so den Schulleitern den Rücken frei für ihre ohnehin an Umfang kaum zu überbietenden Aufgaben, vor allem, aber nicht nur für die pädagogische Leitung der Schule mit all den vielen Facetten: Beratung von Lehrern, Personalentwicklung, Kommunikation mit allen Schulpartnern, Schul- und Unterrichtsentwicklung, Leitung und Gestaltung des schulischen Lebens, Öffentlichkeitsarbeit, Evaluation der Ergebnisse, Krisenmanagement, Gebäudeverwaltung etc. etc.

Schon die OECD-weit durchgeführte so genannte TALIS-Studie [1] (2008; die Teilnahme an der Folgestudie hat das Ministerium aus unerklärlichen oder vielleicht gerade deshalb verständlichen Gründen ja abgesagt, wie vor kurzem bekannt wurde [2]) hat gezeigt, dass den Schulleitern in Österreich ob der vielen Verwaltungsaufgaben zu wenig Zeit für die pädagogischen Führungsaufgaben bleibt. Und nun sollen sie auch mit den Verwaltungsaufgaben völlig allein gelassen werden?

Nach den Plänen von Schmied sind Administratoren in Zukunft obsolet und es obliegt künftig den Schulleitern, ausgesuchte Kollegen ohne Bezahlung dazu zu „motivieren“, die Administratorenaufgabe ebenso zu übernehmen wie die vielen kleinen Zusatzaufgaben, die essentiell zum Gelingen von Schule beitragen und das Klima einer Schule entscheidend prägen. Da ist es auch wenig hilfreich, wenn stattdessen in besonders großen Schulen Postbeamte ohne Kenntnis von Schulorganisation als administrative Unterstützung zum Einsatz kommen – 150 Personen für 5900 Schulen in ganz Österreich.

Gar nicht auszudenken, wenn in Zukunft nur noch Dienst bzw. Unterricht nach Vorschrift gemacht werden kann, weil die Kollegen unter der zeitlichen Belastung durch die Übernahme von zusätzlichen Klassen zusammenzubrechen drohen. Mehr Klassen bedeuten nämlich mehr Schüler, zu denen sie eine Beziehung aufbauen müssen, auf die sie möglichst individuell eingehen und die sie auf die neue Zentralmatura vorbereiten müssen, und mehr Eltern, die sie beraten sollen.

Ich möchte mir als Direktorin jedenfalls sicher nicht den Vorwurf machen müssen, dass ich meine Lehrkräfte ausbeute und ins Burnout treibe. Ich möchte aber auch nicht Direktorin einer Schule sein, die ihren bisher ausgezeichneten Ruf zu verlieren droht, weil sie nicht mehr wie bisher auf das vielfältige Engagement der Professoren zählen kann! Da werde ich doch lieber wieder eine engagierte Lehrerin, womöglich – wie viele meiner Kollegen jetzt schon – mit reduzierter Lehrverpflichtung und unter Einkommensverlusten. Denn ich will gute Arbeit leiten und das wäre mir als Sprachlehrerin bei einer Arbeitszeiterhöhung von mehr als einem Drittel nicht möglich!

Ein Dilemma für alle Schulleiter Österreichs, wenn das Dienstrecht nach dem momentanen Plan der Politik verändert wird – ohne Rücksicht auf all das, was die anspruchsvolle Arbeit von Lehrer tatsächlich ausmacht.

Was bei Billigairlines massiv zu Lasten der Qualität und der Mitarbeiterzufriedenheit geht, wird das vorliegende Dienstrecht auch im Bereich der Bildung tun: Geiz ist nirgends geil!

Da bin ich doch sehr gespannt, wer in Zukunft den Beruf eines Schuldirektors oder einer Schuldirektorin noch ergreifen wird! Denn schon jetzt findet sich in vielen Bundesländern Österreichs kaum mehr als ein Bewerber bzw. eine Bewerberin für einen frei werdenden Direktionsposten.

(Alle Personenbezeichnungen beziehen sich natürlich auf beide Geschlechter, auch wenn sie der besseren Lesbarkeit wegen hier nur in einer Form geschrieben worden sind.)

 

Mag. Isabella Zins ist stv. Vorsitzende der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt (www.bildungsplattform.or.at), Bundesvorsitzende der Vereinigung christlicher Lehrerinnen und Lehrer an höheren Schulen Österreichs (www.vcl-oe.at), Direktorin BORG Mistelbach (www.borgmistelbach.ac.at)

 

[1] vgl. https://www.bifie.at/buch/1179/8: TALIS steht für „Teaching and Learning International Survey“. TALIS ist die erste internationale Studie, die die Arbeitsbedingungen sowie das Lernumfeld aus der Wahrnehmung von LehrerInnen sowie SchulleiterInnen untersucht. Die Studie wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) initiiert und ist Teil des OECD-Indikatorenprogrammes INES (Indicators of Educational Systems). Mit dieser Studie bietet sich die Gelegenheit, relevante internationale Indikatoren und Analyseergebnisse über die LehrerInnen und SchulleiterInnen sowie deren Bedingungen im Arbeitsumfeld Schule für die Politik bereitzustellen. TALIS ermöglicht den teilnehmenden Ländern, die Rahmenbedingungen ihres Schulumfelds auf Qualität und Effektivität hin zu überprüfen und die Ergebnisse bei bildungspolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen. Darüber hinaus liefert TALIS auf Grund der internationalen Anlage einen Einblick in das schulische Arbeitsumfeld anderer Länder, deren Herausforderungen und unterschiedliche politische Herangehensweisen zur effektiven Gestaltung ihres Schulsystems. Organisation von TALIS: An TALIS 2008 haben insgesamt 24 Länder teilgenommen. Davon sind 17 Länder Mitgliedsstaaten der OECD bzw. sind in der EU vertreten. Weitere sieben der teilnehmenden Staaten sind Partnerländer der OECD.

 

[2] vgl. Eckehard Quin: „Wissentlich zweimal die Unwahrheit“…

(http://quinecke.wordpress.com/2013/07/03/wissentlich-zweimal-die-unwahrheit/) und Julia Neuhauser: Ex-BIFIE-Chefs: Schmied sagte Studie „aus politischen Gründen“ ab (http://diepresse.com/home/bildung/schule/1425779/ExBIFIEChefs_Schmied-sagte-Studie-aus-politischen-Gruenden-ab)

 


Gold und Silber für Österreich und Deutschland in den so wichtigen Kategorien „Arbeitslosigkeit“ und „Jugendarbeitslosigkeit“ in der (seit heute) EU 28.

Ein schöneres Zeugnis kann es für unser Schulwesen nicht geben!

Jugendarbeitslosigkeit in der EU versus Schulsystem: 

LandJugendarbeits-
losigkeit in %
Differenzierung im
öffentlichen Schulwesen ab
Deutschland 7,5 10
Österreich 8,0 10
Niederlande 10,6 12
Großbritannien 20,0 16
Finnland 20,7 16
Frankreich 26,5 15
Italien 40,5 14
Portugal 42,5 15
Kroatien 51,8 14
Spanien 56,4 16
Griechenland 59,2 14
Eurostat (Abfrage vom 1. Juli 2013)

Österreich hat die niedrigste Arbeitslosenquote aller 28 EU-Staaten:

LandArbeitslosenquote in %
Österreich 4,9
Deutschland 5,4
Niederlande 6,6
Großbritannien 7,7
Finnland 8,4
Frankreich 11,0
Italien 12,0
Portugal 17,8
Kroatien 18,1
Spanien
Griechenland
26,8

Quelle: Gerhard Riegler, ÖPU, Zitate, 2.7.2013.


 

Danke, liebe Lehrerinnen und Lehrer …!

 

Am Ende eines arbeitsintensiven und von der Politik und den Medien atmosphärisch vergif­te­ten Schuljahres möchte die Bildungsplattform Leistung & Vielfalt all jenen danken, die in unserem Land noch die Bildung aufrecht erhalten, indem sie - unter Wahrung der vielfältigen individuellen Begabungen und Interessen - die junge Generation zu einer leistungsorientier­ten Wertehaltung erziehen: den Lehrerinnen und Lehrern aller Schularten und Schulformen.

 

Unsere Pädagoginnen und Pädagogen leisten ihre verantwortungsvolle Arbeit weitgehend unbedankt, von einer durch die Medien verhetzten Öffentlichkeit angefeindet, von selbster­nannten „Experten“ verunglimpft und von der zuständigen Ministerin in der qualitätsvollen Ausübung ihrer Tätigkeit behindert, ja bedroht. Dass sie angesichts der Anfeindungen, denen sie sich trotz einer grenzwertigen Belastung (nicht zuletzt durch Überfrachtung mit bürokra­ti­schen Aufgaben bei gleichzeitigem Mangel an unterstützendem Personal à la Finnland) per­manent ausgesetzt sehen, nicht „Dienst nach Vorschrift“ tun, sondern weiterhin die ge­deih­liche Entwicklung der ihnen anvertrauten Kinder als ihr zentrales Anliegen im Auge be­hal­ten, stellt ihnen ein wahrhaft schönes Zeugnis für echten pädagogischen Eros aus.

 

Danke, liebe Lehrerinnen und Lehrer, dass ihr auf Beschimpfungen als „faule Kerle, die nur ihre Privilegien verteidigen“ (O-Ton des „Experten“ Androsch in einem Streitgespräch mit dem Vorsitzenden der Bildungsplattform im Presseclub Concordia im Vorjahr) oder unfrei­willig humoristische Vorschläge wie jene des „Österreich“-Hanswursts Fellner, 40 Stunden in der Woche zu unterrichten (und, in logischer Konsequenz, wohl auf Vorbereitungen, Korrek­tu­ren, Projektplanungen etc. zu verzichten), nur mit mitleidiger Belustigung reagiert und nicht als self fulfilling prophecy tatsächlich jene Minderleistung erbringt, die man euch unter­stellt! Danke, dass ihr das von Schmied, Androsch, Schilcher & Co grotesk entstellte Bild eures Berufsstandes durch euer tägliches Wirken zurechtrückt!

 

Es ist zwar trotzdem zu befürchten, dass junge Menschen, und seien sie noch so berufen und motiviert, gute Pädagoginnen und Pädagogen zu werden, zunehmend davor zurück­schrecken, die Rolle von Prügelknaben zu übernehmen. Die realitätsfremde Ankündigung von Ministerin Schmied, „nur die Besten zum Lehrberuf zuzu­lassen“, wird sich in ihrer ganzen Lächerlichkeit selbst entlarven, wenn sich „die Besten“ - abgeschreckt von der Politik - nicht mehr für diesen Beruf finden lassen. Aber die real geleistete, her­vorragende Arbeit unserer Lehrerinnen und Lehrer reicht immerhin, um - der Nestbe­schmut­zung durch Schmied, Androsch, Schilcher, Platter und Konsorten zum Trotz - Öster­reich wenigstens derzeit noch zu einem europäischen Vorzeigeland in Bereichen wie Jugend­arbeitslosigkeit, Schulabbre­cher­quote oder dualer Ausbildung zu machen.

 

Dafür danken wir unseren Lehrerinnen und Lehrern und wünschen ihnen ganz neidlos für die Ferien die ebenso wohl­verdiente wie dringend benötigte Erholung!

 



 

Dr. Günter Schmid

Vorsitzender

 

Mag. Isabella Zins                                        Dr. Susanne Schmid

stv. Vorsitzende                                               stv. Vorsitzende

 


Optimale Schulwahl ist Basis für optimale Bildung

Wir brauchen eine begabungsgerechte Steuerung der Schülerströme, um jedes Talent optimal fördern zu können!

Der Vorsitzende der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“, Dr. Günter Schmid, hält die derzeitige Debatte um eine „Aufnahmsprüfung“ für die Gymnasien für eine bildungspolitische Themenverfehlung: „Niemand wünscht sich eine punktuelle Prüfung, die für alle Betroffenen unnötigen Druck erzeugt.“

Schmid betont aber die Notwendigkeit, die Schülerströme optimal zu steuern: „Viele Volksschullehrerinnen stehen unter enormem Druck, der besonders in den Ballungsräumen häufig eine leistungsgerechte Notengebung vereitelt. Hier muss eine verantwortungsvolle Bildungspolitik ansetzen.“

Die Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ bekennt sich zum differenzierten Schulsystem Österreichs, das einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass Österreich von der Geißel einer hohen Jugendarbeitslosigkeit verschont geblieben ist. Schmid dazu: „Dieses differenzierte Schulsystem kann aber nur dann optimal funktionieren, wenn Eltern dazu ermutigt werden, die Schulwahl für ihre Kinder begabungs- bzw. interessens- und nicht prestigeorientiert zu treffen.“

Schmid wirft den Gesamtschulpropagandisten vor, die Hauptschule bzw. NMS permanent als „Restschule“ zu stigmatisieren, und im gleichen Atemzug darüber zu klagen, dass viele Eltern um jeden Preis versuchen, ihr Kind in einem Gymnasium unterzubringen. Wenig Glaubwürdigkeit entsteht, so Schmid wörtlich, „wenn einer der Hauptpropagandisten, Hannes Androsch, die NMS propagiert, während er seinen eigenen Sohn im privaten Gymnasium in Sicherheit bringt.“

Schmid weiter: „Wenn mehr als die Hälfte der Maturanten über die Hauptschule zur Reifeprüfung gelangt, kann wohl kein vorurteilsfreier Mensch an der Durchlässigkeit unseres Schulsystems zweifeln. Ein vernünftiger Umgang mit der großen Bandbreite der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit individueller Lernender manifestiert sich im Prinzip der begabungsgerechten Differenzierung.“

Die von Gesamtschulapologeten stets beschworene „Binnendifferenzierung“ ist längst in Gymnasien etabliert, also keine Erfindung der NMS; sie stößt aber bei zu großer Leistungsheterogenität rasch an ihre pädagogischen Grenzen. Für Günter Schmid ist nicht nachvollziehbar, warum BM Schmied und ihre „Experten“ das Prinzip von Leistungsgruppen an den NMS krampfhaft ablehnen, obwohl es sowohl im Leistungssport als auch beim Erlernen von Musikinstrumenten längst außer Streit steht.

Abschließend wendet sich Günter Schmid gegen die grassierenden Akademisierungswahn: „Jeder Mensch muss die Freiheit der Wahl haben, auf welchem Wege er seine Selbstverwirklichung und Erfüllung suchen will – wobei es mir fern liegt, hier eine Wertung vorzunehmen. Für mich beginnt der Mensch jedenfalls nicht erst beim Maturanten – oder gar erst beim Akademiker.“


Rückfragehinweis:
Bildungsplattform „Leistung und Vielfalt“
Vorsitzender: HR Mag. Dr. Günter Schmid
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.bildungsplattform.or.at
Aussendung vom 25.6.2013

 


 

 

(Gerhard Riegler)

Androsch lügt!


was Herr Dr. Androsch heute via Presseaussendung getan hat, stammt aus der übelsten Propaganda-Kiste. Ich kann nicht umhin, seiner Aussage die ipso die Fakten gegenüberzustellen:

Das Argument des „Experten“ Androsch für die Gesamtschule:
„79.500 der 15- bis 24jährigen (Anm.: SIC) haben entweder keinen Schulabschluss oder keine weiterführende Ausbildung und damit in aller Regel auch keinen Job.“
Dr. Hannes Androsch, BM Schmieds „Experte“, Presseaussendung vom 21. Juni 2013

Zu den Fakten:

  1. Österreich gehört mit einer Dropout-Quote von 7,2 % junger Menschen, die keinen qualifizierten Abschluss schaffen, zu den EU-Staaten mit dem niedrigsten diesbezüglichen Wert. Der „Experte“ dürfte sich nicht einmal die Zeit genommen haben, die aktuelle Ausgabe des Nationalen Bildungsberichts zu lesen.
  2. Österreich zeichnet sich mit der zweitniedrigsten Jugendarbeitslosen-Quote aller EU-Staaten aus. Bestplatziert: Deutschland
  3. In Italien, dessen Schulsystem die Herren Androsch und Schilcher Österreich empfehlen, ist die Dropout-Quote mehr als doppelt und die Jugendarbeitslosenquote mehr als fünfmal so hoch!

Das Treiben der österreichischen „Bildungsexperten“ ist an Peinlichkeit und Unverfrorenheit wohl nicht mehr zu überbieten. Wer auf solche „Experten“ setzt, darf nicht länger die Verantwortung für Österreichs Schulwesen in Händen haben!

 


 

Es war einmal …

(Das Märchen vom kleinen Hannes, der ein großer Experte werden wollte)

Es war einmal ein Finanzminister, der ein notorisches Problem mit Zahlen hatte. Das blieb eine Zeit lang unentdeckt in dem Land hinter den sieben Bergen, aber eines Tages musste ihn der gute alte Onkel Kreisky doch in die Wüste jagen. (Und der wusste schon, was er tat!) Aber Klein-Hannes hatte nichts dazugelernt. Sein Zahlenverständnis reichte zwar dazu, privat ein paar Millionen zu scheffeln, aber an ganz einfachen Rechenaufgaben scheiterte er kläglich. So wollte es ihm partout nicht gelingen, das Größenverhältnis zwischen den Zahlen 10,8 (prozentueller Anteil der Bildungsausgaben an allen öffentlichen Ausgaben in Österreich, Stand 2010), 11,8 (Vergleichswert für Finnland), 13,3 (Schweden) und 14 (Dänemark) richtig zu deuten. (Quelle: Eurydice, „Funding of Education in Europe“, 2013, Seite 26.)

Aber im Land hinter den sieben Bergen war das kein Problem. Dort durfte er weiter ungestraft gebetsmühlenartig die schaurige Mär von „einem der teuersten Schulsysteme der Welt“ hinaustrommeln. Und weil ihm die Boulevard-Journaille dabei brav nachblökte, fand er seinen Kindheitstraum vom „großen Experten“ erfüllt. Nur die Anführungszeichen, die er ständig vor und hinter der Rollenbezeichnung seiner Träume vorfindet, kränken ihn ein wenig. Von der kopfschüttelnden Erheiterung, die die von ihm gezielt verbreiteten Unwahrheiten bei den Nachbarn auslösen, wenn er diese in seine Polemik hineinzieht, bekommt er Gott sei Dank nichts mit.

Lassen Sie sich den im Folgenden wiedergegebenen Brief des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes an seine österreichischen Lehrervertretungs-Kollegen auf der Zunge zergehen, aber üben Sie dabei die auch im österreichischen Rechtswesen verankerte Toleranz: denn wie für alle anderen „Experten“, die nach ihrer eigenen Schulzeit niemals eine Schulklasse von innen gesehen haben (von Ministerinnen über Landeshauptleute bis hin zu ehemaligen Landesschulratspräsidenten) muss auch für Herrn Androsch die Unbedarftheitsvermutung gelten!

Günter Schmid

 

Berlin, den 18. Juni 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sie wissen, dass ich weit davon entfernt bin, mich in die Angelegenheiten eines anderen Landes, zumal eines befreundeten, einzumischen. Aber mit Blick auf diverse im Umlauf befindliche bildungspolitische Äußerungen von „Bildungsexperten“ habe ich den Eindruck, dass sich dieses „Expertentum“ mittlerweile nicht mehr nur mit stramm-ideologischer "Rechtgläubigkeit", sondern mit purer Ahnungslosigkeit, ja gar skrupelloser Lügenhaftigkeit begründet.

Grund für diese Bewertung ist eine Presseaussendung des „Experten“ Androsch, der sich in seinem Furor zur Durchsetzung einer längeren gemeinsamen Schulzeit zuletzt wie folgt vernehmen ließ: „In Europa gibt es nur noch drei Länder, die ihre Schüler schon mit neun bzw. zehn Jahren trennen: Österreich, Ungarn und Deutschland. Wobei die Regelung in Deutschland nicht bundeseinheitlich ist. Dort findet die Separation im Saarland mit 11 Jahren, in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit 12 Jahren und in Sachsen mit 13 Jahren statt.“

Das sind falsche Tatsachenbehauptungen. In Deutschland gibt es nur zwei Länder, die eine sechsjährige Grund-(Primar-)Schule haben: Berlin und Brandenburg. Nicht zuletzt deshalb gehören diese beiden Länder regelmäßig zu den Schlusslichtern in innerdeutschen Schulleistungsvergleichen. Zudem gibt es selbst in diesen beiden Ländern einige grundständige Gymnasien, die nach der vierten Grundschulklasse starten.

Keines der anderen deutschen Länder hat eine längere Grundschulzeit – weder das Saarland, noch Mecklenburg-Vorpommern, noch Sachsen, noch Hamburg. Speziell zu Hamburg ist anzuführen: Die damals regierende schwarz-grüne Koalition wollte dort eine sechsjährige Grundschule einführen. Sie ist damit im Jahr 2010 kläglich an einem Bürgerentscheid gescheitert.

Wenn man sich denn auf deutsche Länder beziehen will, dann sollten „Experte“ Androsch sowie „seine“ Bildungsministerin folgende drei in zahlreichen Bildungsstudien (PISA, TIMSS usw.) bestätigten Faktoren zur Kenntnis nehmen:

    • Je differenzierter ein Schulwesen ist und je weniger Gesamtschulen ein deutsches Land hat, desto besser schneidet es ab. Dieses bessere Abschneiden kommt allen Schülerpopulationen zugute, auch Kindern aus sozial schwächeren Schichten oder mit Migrationshintergrund.

    • Je höher die Bildungsdichte ist, das heißt die Anzahl der Unterrichtsstunden pro Schullaufbahn, desto besser das Ergebnis eines Landes bei Leistungsstudien.

    • Je strenger und anspruchsvoller die Bedingungen beim Zugang zu weiterführenden Schulen sind, desto besser das Ergebnis eines Landes in allen Schulformen.

Mit Blick auf die beiden (Androsch, Schmied) geben wir in grenzenlosem und grenzüberschreitendem (!) pädagogischem Optimismus die Hoffnung nicht auf, dass diese Fakten doch eines Tages die real existierenden Knicke in deren Optik begradigen helfen.

Nix für unguad – wie der Bayer sagt!

Herzliche Grüße - auch an die von Ihnen vertretenen Lehrkräfte

Ihr

Josef Kraus

Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)


 

(http://zanzenberg.vol.at/2013/06/14/traumberuf-lampel/)

Traumberuf Lämpel

Jetzt Frau Lehrerin werden, noch besser Herr Lehrer werden, solche gibt es nämlich kaum mehr. Herr Lehrer Lämpel stirbt aus. Unlängst habe ich an einer Volksschule in Vorarlberg inmitten vieler junger Lehrerinnen einen prächtigen Lämpel entdeckt. Oho, hab ich mir gedacht. Dem geht es gut. Und stell Dir vor, Volk, als ich das erzählte, irgendwo irgendwann, da krieg ich einen Zettel zugesteckt. Darauf stand: „Traumberuf Lämpel. Wollen Sie zur Elite gehören, dann kommen sie zu uns! Das wird von Ihnen erwartet: 1. Unterrichtshows – besser als im Fernsehen. 2. Sprachkenntnisse in Türkisch, Afghanisch, Arabisch, Rumänisch, Tschetschenisch, Polnisch, Russisch. 3. Qualifizierter Unterricht auch in Kellern, Abstellräumen, leerstehenden Depots, am Gang. 4. Sportlichkeit, um auch noch mit 65 mit der Klasse Schlittschuhlaufen zu können. 5. Grundkenntnisse als Sozialarbeiter, Seelsorger, Animateur, Schiedsrichter, Sanitäter, Verwaltungsapparatschik, PISA-Polizist, Elternberater, Babysitter, Notenverteidiger und Geldeinsammler. 6. Ausreichend Eigenkapital für Klassenfahrten, Kinobesuche, Lehr- und Lernmittel. Ihr Job ist und bleibt ihnen sicher sicher. Dafür wird geboten: Steigende internationale Schülerzahlen. Die bunte Klassengesellschaft ist Ihr globales Wunder, wozu noch verreisen? Lassen Sie sich die Welt in schlechtem Deutsch erzählen. Jährliche Sport, Schi-, Landwochen in Begleitung junger aufgeweckter Menschlein. Action jeden Tag! Großzügige Arbeitszeitenverlängerung. Miniarbeitsplätzchen. Ergreifende Kontakte zu gescheiterten Eltern. Sie sind Thema, sie sind Dauerbrenner! Sie sind in aller Stammtischmunde und dort wissen alle, was Sie kriegen sollen. Versprengte dürfen Direktor werden. Oder gar Beamtenburgherr: Berufsschulinspektor, Bezirksschulrat, Fachinspektor, AdMiniStrator. Interessiert?“ - „Das ist doch zynisch“, sagt eine neben mir. „Endlich“, sagt ein anderer. „Alles bleibt gleicher“, die Dritte. „Wie wir“ der Vierte. „Wie wirr!“ die Fünfte. Der Sechste schiebt sich nach vor: „Wahrlich, ich sage euch: Alles wird zurück!“ - „Es klappert die Mühle“ meint die Siebte. „Lasset uns beten – wenigstens um mehr Kohle!“ meint der Achte: „Hört hin: die Motzer motzen wieder. Es bahnt sich was an. Genugtuung naht: Ferien!“

 


 

Scheinwerfer (VN, 1.6.2013)

Digitale Demenz (3)

von Rudolf Öller

Der neuseeländische Professor John Hattie hat in seiner wissenschaftlichen Metastudie „Visible Learning“ - die weltweit größte Datenbasis zur Unterrichtsforschung - mehrere Faktoren gefunden, die zum Bildungserfolg führen. Die wichtigste davon: der Lehrer. Das ist insoferne plausibel, als so gut wie alle Biografien großer Persönlichkeiten mindestens einen guten und prägenden Lehrer erwähnen.

Der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman war nicht nur ein großartiger Wissenschaftler, er war auch ein begnadeter Lehrer, dessen Vorlesungen auch 25 Jahre nach seinem Tod noch verwendet werden. Feynman begründete die Nanotechnologie, indem er seine Kollegen und Studenten dazu aufforderte, einen Elektromotor zu bauen, der nicht größer als 0,25 Millimeter ist. Feynman bot 1.000 Dollar, ein halbes Jahr später war er sein Geld los und die Technik um eine Sparte reicher.

Der österreichische Nobelpreisträger Wolfgang Pauli war gefürchtet, weil niemand vor seiner Kritik sicher war: „Das ist nicht richtig, das ist nicht einmal falsch“, urteilte er einmal abfällig über die Arbeit eines Kollegen. Es gab nur einen Menschen, den Pauli verschonte. Es war der Physiker Arnold Sommerfeld, dem es gelungen war, seine Studenten zu begeistern. Über ihn sagte Pauli: „Sommerfeld vereinte in glücklicher Weise den Typus des Forschers und des Lehrers, wie es nur wenigen gelungen ist. Zahlreiche Professuren für theoretische Physik in den verschiedensten Ländern wurden mit Schülern Sommerfelds besetzt.“

Der größte Experimentalphysiker des 20. Jahrhunderts, Ernest Rutherford, war bei seinen Studenten nicht nur beliebt, er regte sie auch zu bahnbrechenden Experimenten an, wie etwa die Zertrümmerung von Atomen mit beschleunigten Protonen oder die Entdeckung des Neutrons, dessen Existenz Rutherford vorausgesagt hatte.

Ich hatte als Student das Glück, besondere Lehrer erleben zu dürfen. In Salzburg besuchte ich Blockvorlesungen des österreichischen Nobelpreisträgers Konrad Lorenz, der Naturwissenschaften spannend vermittelte. Auch in Tübingen erlebte ich brillante Professoren, darunter Prof. Wilhelm Seyffert, dessen 1.200 Seiten umfassendes Standardwerk „Lehrbuch der Genetik“ immer noch verlegt wird. Der gute Pädagoge zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er mehr vorträgt als andere. Der gute Lehrer erzieht zum kritischen Denken, er fordert auf, Dinge in einem neuen Licht zu sehen und er regt an, Zusammenhänge zu erkennen. Er hat ein Problem mit jeder Form von Ideologie. Obrigkeitlich reguliertes Denken lehnt er ab. Das Internet ist Massenware, jedoch gute Lehrer gehabt zu haben, macht dankbar und ist inspirierend. Ein Leben lang.

 


 

Scheinwerfer (VN, 25.5.2013)

Digitale Demenz (2)

von Rudolf Öller

DDr. Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie, moderiert auf Bayern Alpha die Sendung „Geist und Gehirn“. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, in denen er nachweist, dass das Surfen im Internet weniger mit Lernen als mit schleichender Verdummung zu tun hat. Sein letztes Werk „Digitale Demenz“ ist eines der unangenehmsten Sachbücher der letzten Jahre.

Im Februar 2012 veröffentlichte das US-Forschungszentrum „Pew Research Center“ eine Befragung von über tausend Internetexperten, wie die Internetgeneration im Jahr 2020 aussehen könnte. Etwa die Hälfte der Befragten war der Meinung, dass die jungen Leute mithilfe des Computers gelernt haben werden, ihr Leben besser zu managen, berufliche Anforderungen im Griff zu haben und Informationsquellen im Internet besser anzapfen und verwerten zu können. Die andere Hälfte der Experten war anderer Meinung. Demnach werden bis 2020 die Hirne der Menschen bis ca. 30 Jahren einfacher geschaltet sein. Die „Generation Google“ (etwa ab dem Jahrgang 1990) hat ein schlechteres Gedächtnis, kommuniziert per Facebook oder SMS mit belanglosen grammatikalischen Krüppelsätzen und hat die Fähigkeit verloren, sich längere Zeit auf etwas zu konzentrieren und komplexe Zusammenhänge zu analysieren. In einer Zusatzanalyse merkten die Autoren der Studie an, dass die meisten der Optimisten („Internet verbessert unser Gehirn“) angaben, ihre Ansicht drücke lediglich eine Hoffnung aus. Ein noch genauerer Blick auf die „Experten“ zeigt, dass die Internet-Optimisten großteils aus Leuten von Microsoft und anderen Elektronikfirmen bestehen.

Prof Spitzer bespricht in seinem Buch zahlreiche Forschungsergebnisse der letzten Jahre und kommt am Ende zu einem Ergebnis: Computer verarbeiten Informationen, Menschen auch. Daraus wird fälschlicherweise abgeleitet, dass Computer ideale Lernwerkzeuge sind. Gerade weil jedoch Computer uns geistige Arbeit abnehmen, taugen die angepriesenen Laptops nicht zum besseren Lernen. Spitzers Fazit: Die älteren Generationen haben komplex verschaltete Gehirne, weil sie das Kopfrechnen lernten, Sachverhalte mühsam in Bibliotheken suchten, sich öfter an der frischen Luft bewegten und sich gesünder ernährten. Ein Pensionist, der täglich vor dem TV-Gerät oder dem PC verbringt, baut zwar ab, aber sein in der Jugend trainiertes Gehirn behält er. Ein Gehirn, das der Generation Google fehlen wird.

Welche Faktoren sind es dann, die einen Lernerfolg bewirken können? Prof. Spitzer deutet es an und Prof. Hattie weist es in seiner viel beachteten Metastudie „Visible Learning“ nach. Es ist weder die Technik noch die Klassengröße noch der Schultyp. Es ist die Persönlichkeit des Lehrers. Demnächst mehr dazu.

Unter dem Titel „Scheinwerfer“ geben die VN Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

 


 

Scheinwerfer (VN, 18.5.13)

Digitale Demenz (1)

von Rudolf Öller

Lehrer kennen das Problem. Ein Schüler versagt, die Eltern haben keine Erklärung, Schulpsychologen werden bemüht, Pillen gekauft, Nachhilfelehrer engagiert. Die simple Frage eines Lehrers, der das Vertrauen der Schüler genießt, bringt die Lösung des Problems. Der Schüler bewegt sich täglich stundenlang durch „soziale Netzwerke“ im Internet und spielt fast jede Nacht bis drei Uhr morgens „Doom“, „Battleforge“, „Call of Duty“ und andere Computerspiele. Mädchen surfen noch häufiger in den sozialen Netzwerken (die in Wahrheit keine sind), vertreiben sich die Zeit aber eher mit Spielen wie „Lady Popular“ oder „Lollipop Chainsaw“.

Die wachsende Computersucht eines Teils der Jugendlichen führt nicht nur zu einer Abnahme der Konzentrationsfähigkeit, ein Phänomen, mit dem sich Lehrer immer öfter herumschlagen müssen, sondern auch zu einer schleichenden Verdummung. Manfred Spitzer, ein deutscher Psychiater und Hirnforscher, erläutert in seinem Buch „Digitale Demenz – wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“ (Verlag Droemer) kompetent den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Gehirntraining. Der systematische Einsatz der Kernspintomographie und die Möglichkeit, Nervenzellen chemisch zu markieren und zu identifizieren, ermöglichen einen tiefen Blick ins Gehirn. Wir wissen seither, dass unser Gehirn ein Organ ist, das durch Training an Leistung gewinnt und durch Vernachlässigung verkümmert, wobei das Training in der Jugend entscheidend ist. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ hat einen realen biologischen Hintergrund. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger, aber das neuronale Fundament wird in der Jugendzeit gelegt.

Spitzer beschreibt detailliert, wie sich „Bildungsexperten“ heillos verirrten, als sie den Einsatz von Maschinen im Unterricht propagierten. Es geht dabei nicht darum, Geräte wie Overheadprojektoren und Beamer abzuschaffen, sondern um die Erkenntnis, dass Maschinenparks in Schulen praktisch sind, zum Lernerfolg aber nichts beitragen. So wie die hochgelobten „Sprachlabors“ der Siebzigerjahre verschwunden sind, so verschwinden nun weltweit die Laptopklassen. Die „blended-learning“-Experten des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts sind schon Schnee von gestern. Wer online im Wikipedia-Lexikon nachschlägt, besorgt sich Informationen, trainiert aber nicht das Gehirn. Wie es der Zufall so will, wurde kürzlich die größte Pädagogik-Metastudie (eine Zusammenfassung sehr vieler Studien) des neuseeländischen Professors John Hattie präsentiert. Hattie weist nach, dass nicht Maschinen oder Lehrpläne einen Lernerfolg garantieren, sondern etwas ganz anderes. Demnächst mehr dazu.

Unter dem Titel „Scheinwerfer“ geben die VN Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.


In Memoriam Hofrat Dr. Margareta Schuster

Eine Lichtgestalt der Wiener pädagogischen Szene hat uns – viel zu früh – verlassen. Am 12. April 2013, im 85. Jahr eines bis zuletzt mit wachem Geist und ungebrochener Tatkraft verbrachten Lebens, folgte Margareta Schuster ihrem frühzeitig verstorbenen Gatten und ihren beiden Söhnen, die ihr ebenfalls vorausgegangen waren, in eine hoffentlich bessere Welt.

Ihre überragende menschliche Größe zeigte sich nicht nur an den Schicksalsschlägen, die sie schwer trafen, aber nicht brechen konnten; in keiner Phase ihres Lebens, in keiner ihrer beruflichen Rollen (als Lehrerin, Direktorin, Landesschulinspektorin und danach als mahnende Stimme inmitten einer immer polemischer werdenden Bildungsdiskussion) hörte sie jemals auf, für eine Verbesserung der Lernbedingungen für die Kinder zu kämpfen. In ihrer Ära als zuständige Landesschulinspektorin erlebte der Fremdsprachenunterricht an den Wiener Schulen einen qualitativen Quantensprung. Sie hatte die Idee zu einem Fremdsprachenwettbewerb – ein wesentlicher Beitrag zur Begabungsförderung – der seither zu den Highlights jedes Schuljahres gehört. Sie war es, die den Einsatz der neuen Medien im Unterricht, der damals in England eine erste Blüte erlebte, in Österreich „salonfähig“ machte und durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll forcierte.

Im Umgang mit den Menschen, deren Vorgesetzte sie war, berief sie sich nie auf ihre Amtsautorität, sondern verstand es immer, persönlich zu motivieren. Wer das Glück hatte, unter ihrer Ägide zu wirken oder mit ihr an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten, erlebte immer wohlwollende Förderung und menschliche Zuwendung.

Für mich war Frau Hofrat Dr. Margareta Schuster während meiner gesamten beruflichen Laufbahn Orientierungspunkt, Vorbild und Mentorin. Ich werde ihrer immer mit großer Dankbarkeit gedenken.

 

Günter Schmid


news4teachers.de: „IG Metall begehrt gegen grün-rote Bildungspolitik auf“

Es ist interessant: in Deutschland wehren sich sozialdemokratische Gewerkschafter und engangierte Unternehmer gegen eine leistungsfeindliche rotgrüne Bildungspolitik, die das Abitiur zum Maß aller Dinge erhebt und die Lehre vernachlässigt – und in Österreich verlangen Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung nach der Gesamtschule!

http://www.news4teachers.de/2013/03/ig-metall-begehrt-gegen-grun-rote-bildungspolitik-auf/


Schulqualität: Auf die Person-Orientierung kommt es an

Wie können wir die Begabungen jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen am besten erwecken und fördern? Diese Frage stand im Zentrum eines dreitägigen, international besetzten Begabungsförderungssymposiums in Wien mit dem Titel "person:orientiert - Begabungsförderung im Gespräch zwischen Theorie und Praxis", an dem ich teilgenommen habe und das im Mittelpunkt meines Frühjahrs-Leitartikels stehen soll. Mit Begabungsförderung ist übrigens nicht allein die Förderung von Hochbegabten gemeint, sondern die personenzentrierte Förderung aller Kinder, also des gesamten Begabungsspektrums. Studien der letzten Zeit deuten immer häufiger darauf hin: Eine Verbesserung der Lernerfolge ist ohne Systemwandel erreichbar. Was wir brauchen, ist eine Haltungsänderung: Mit welcher Einstellung wir als Lehrer den jungen Menschen begegnen, also die Qualität der Beziehung, und wie fordernd und fördernd bzw. wie abwechslungsreich und mitreißend wir den Unterricht gestalten. Das macht Schulqualität zu einem Gutteil aus. Gerade in Zeiten schwieriger werdender äußerer Rahmenbedingungen muss sich Schulentwicklung auf Maßnahmen besinnen, die – bei allen Wünschen nach zusätzlichen Ressourcen – selbst ohne zusätzliches Geld umsetzbar sind. Dazu zählt die Person-Orientierung in der Pädagogik, die im Mittelpunkt der oben erwähnten hochkarätigen Veranstaltung stand.

Schulische Begabungsförderung im Fokus

In einer Pressekonferenz anlässlich des Symposiums, das vom Institut TIBI für Begabungsentwicklung und Innovation an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems und dem eVOCATIOn Weiterbildungs-Institut der Karl-Popper-Akademie organisiert worden war, präsentierten am 28.2.2013 im Club Stephansplatz in Wien international höchst renommierte Begabungsforscher die neuesten Erkenntnisse aus ihrem Gebiet. Anton Zeilinger (Universität Wien), Joseph S. Renzulli (University of Connecticut/USA), Gabriele Weigand (PH Karlsruhe) und Andrea Pinz (KPH Wien/Krems) forderten u.a. eine „Schule der Person“, in der individuelle Begabungen aller Art gefördert werden. Was darunter zu verstehen ist, wurde in dem 3-tägigen Symposium nicht nur bei den Vorträgen, sondern auch in den Diskursforen deutlich, wo die Erkenntnisse auf die Praxis umgelegt wurden und die Teilnehmer ihre Erfahrungen einbringen konnten.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine hochkarätige Diskussionsrunde, moderiert vom renommierten österreichischen Journalisten und Internet-Blogger Dr. Andreas Unterberger. Prof. Hopmann nannte als zentrales Thema der Zukunft den Umgang mit Heterogenität und wünschte sich Verbesserungen bei der Binnendifferenzierung. Beachtliche Aussage des Bildungswissenschaftlers: Es sei ein Irrglaube, dass zentrale Messungen zu einem gemeinsamen Aufschwung führen. Vielmehr bräuchten Schulen einen Spielraum, auf Heterogenität zu reagieren. Sei dieser eingeschränkt, würden auf Grund der Orientierung am Mittelfeld sowohl sehr gute als auch sehr schlechte Schüler benachteiligt. Es gelte daher, die lokale Autonomie der Schulen zu stärken. Nur Schulen mit einem funktionierenden Umfeld (Zusammenarbeit mit Eltern, Institutionen, Wirtschaft etc.) seien innerlich stark, weil sich viele Menschen für ihren Erfolg mitverantwortlich fühlen. Prof. Anton Zeilinger nannte als einen wichtigen, seinen Karriereweg fördernden Faktor seinen Physiklehrer am humanistischen Gymnasium, der ihn für sein Fach zu begeistern verstand. Als eine seiner eigenen wichtigen Begabungsförderungsaktivitäten stellte er seine Initiative, Studenten, Künstler, Wissenschaftler etc. mit begabten und interessierten Schüler in  interdisziplinären Projekten zusammenzubringen und zusammen arbeiten zu lassen (z. B.: in der Akademie zur Begabtenförderung in Oberösterreich), vor. Beachtung fand auch die Aussage der ehemaligen Schülerin des Sir Karl Popper-Gymnasiums, Anna Stürkh: Sie räumte auf mit dem Mythos, dass Leistungsexzellenz bedeute, dass man als Schülerin lauter Einser im Zeugnis haben müsse. In ihrer Schule hätten die Lehrkräfte nicht an alle Schüler in allen Fächern extrem hohe Leistungsansprüche gestellt, sondern diese teilweise zurückgeschraubt, damit sich die Schüler auf ihre Stärken konzentrieren konnten. Sie kritisierte, dass man landläufig gute Noten oft hauptsächlich fürs Reproduzieren bekomme, und lobte den großen Stellenwert der Persönlichkeitsbildung an ihrer ehemaligen Schule. Wichtig sei auf jeden Fall trotzdem, dass die Basis, das Allgemeinwissen, nicht verloren gehe.

Das bestätigte auch Prof. Hopmann, der kritisch anmerkte, dass zum „Kernbestand“ von Schule (ca. 70 – 80 % der vermittelten Inhalte, die immer stabil bleiben) heutzutage zu viel hinzukommt, sodass der Kern oft auf der Strecke bleibt, denn es gebe keine Kompetenzen ohne Inhalte. Prof. Weigand von der PH Karlsruhe gab zu bedenken, dass sich die Gesellschaft klar werden muss, welchen Leistungsbegriff sie vertritt. Sie selber sieht das Ideal nicht in einem auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse ausgerichteten Leistungsbegriff. Dieser müsse vielmehr an der Person orientiert sein: Schüler sollen eigenständig handeln und kritisch denken lernen, um in die Gesellschaft hineinzuwachsen und sie zu verändern.

Begabung als „soziales Kapital“ der Gesellschaft

„Sind traditionelle Begabungsmodelle auch im 21. Jahrhundert noch gültig oder müssen sie im Hinblick auf neue Problemstellungen wie Umweltverschmutzung, unethische Wirtschaftspraktiken, ungleiche Gesundheitsversorgung, soziale Ungerechtigkeit usw. überdacht und überprüft werden?“  Mit dieser Frage brachte Prof. Dr. Joseph Renzulli, Direktor des National Research Center on the Gifted and Talented, University of Connecticut (USA), den Wandel im Verständnis von und im Umgang mit Begabungen auf den Punkt: Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts braucht nicht nur intellektuelle Begabungen, sondern die Potenziale aller Kinder und Jugendlicher, gerade auch ihre ethische Kompetenz und das Bewusstsein um ihre soziale Verantwortung. Unter den Schülern von heute seien die Führungskräfte von morgen. Dementsprechend gehe es darum, Begabungen sinnvoll und wertvoll für die Gestaltung des eigenen Lebens – aber auch für die Gestaltung der gesamten Gesellschaft – einzusetzen.

Was bringt Begabungen hervor? Wie entwickeln sich kreative produktive Begabungen? Seit mehr als 30 Jahren beschäftigen sich Prof. Renzulli und seine Ehefrau, Prof. Sally M. Reis, mit diesen Themen und gelten weltweit als DIE Experten auf dem Gebiet der Begabungsforschung. Sie haben einen eher pragmatischen Zugang zu diesem Thema und  entwickeln seit den 70er-Jahren Programme, um Talente zu identifizieren („Talenteportfolio“) und Begabungen konkret zu fördern („Enrichment-Modell“). Dabei geht es ihnen darum, Lernende durch spezielle Angebote (Typ I-, II- und Typ III-Aufgaben) mehr zu fordern und sie v. a. durch Forschungsaufgaben ihre spezielle Interessensgebiete entdecken zu lassen. Lernende sollen Kreativität und Arbeitshaltung („task commitment“) entwickeln und werden ermutigt, Führungspersönlichkeiten zu werden. Hervorgehoben wurde die Wichtigkeit von Typ III-Aufgaben: Diese Forschungsaufgaben werden auf die Person des Schülers bzw. der Schülerin zugeschnitten. Allein bzw. in Kleingruppen dürfen individuelle und eigenständige Projekte bearbeitet werden – mit freudvollem Lernen, Hingabe, Neugier und Kreativität. Landesweite Erfinderwettbewerbe werden veranstaltet, mit demselben Ziel: Kinder und Jugendliche werden in ihrer Arbeitshaltung, ihrer Selbstorganisation und in ihrem Selbstwert gestärkt und lernen dadurch eher, ihre individuellen Lebens- und Karrierepläne zu verwirklichen. Es werden also kognitive und sogenannte ko-kognitive Fertigkeiten erworben. Und Langzeitstudien beweisen: Gerade an diese Typ III-Aufgaben erinnern sich Schüler noch Jahrzehnte später am besten und diese prägen die Laufbahn junger Menschen oft nachhaltig. Das zeigten einige eindrucksvolle Beispiele, auch von amerikanischen Nobelpreisträgern. Als kontraproduktiv sehen Renzulli und Reis – ebenso wie Prof. Hopmann - die zunehmend implementierten standardisierten Testungen an, die man nicht überbewerten dürfe. Es brauche hingegen mehr Zeitressourcen für die Lehrenden, mehr Lehrer-Fortbildung und generell mehr Ressourcen für Förderprogramme, die sich rechnen würden: Denn talentierte junge Menschen partizipieren am Gesellschaftsleben, engagieren sich und sind daher ein wichtiges „Sozialkapital“.

„Schule der Person“ fördert individuelle Talente und Kompetenzen

„Die vielfältigen Talente sind das soziale Kapital einer Gesellschaft“, betonten auch Mag. Andrea Pinz, Leiterin des Instituts TIBI an der KPH Wien/Krems, und Prof. Gabriele Weigand von EVOCATION. Ein dynamischer Begabungsbegriff geht weit über die Berechnung des Intelligenzquotienten hinaus. Er beinhaltet Talente im kognitiven, motorischen, künstlerischen, sozialen, emotionalen und auch im spirituellen Bereich. Ein sensibler und verantwortungsbewusster Umgang mit diesen Begabungen fordert ein intensives Eingehen auf die Person des Lernenden. Für die Schule bedeutet dies mehr Personalität anstelle bloßer Individualität, eine Personalisierung des Lernprozesses sowie die Gestaltung und Entwicklung jeder Organisationsform von Schule in Richtung einer „Schule der Person“ in einer „Schule der Vielfalt“. HR Dr. Günter Schmid, Gründer der „Karl-Popper-Akademie“, Teammitglied von EVOCATION und Mitarbeiter am Institut TIBI, sieht Begabungsförderung als Katalysator der Schulentwicklung und bezeichnet die Personalisierung als Brücke zwischen Schulentwicklung und Begabungsförderung:

„Eine „personale“ (und nicht „aktionistische“) Schulentwicklung orientiert sich nicht primär an äußerlich wahrnehmbaren Attributen wie systemischen Strukturen oder der Quantität des Angebots, sondern an der Qualität der auf der Beziehungsebene ablaufenden Lernerlebnisse. Da die Effektivität eines Prozesses proportional zur Zufriedenheit, der inneren Anteilnahme, dem „Commitment“ der in diesen Prozess involvierten Personen steigt, muss es einer „personalen“ Schulentwicklung vor allem darum gehen, durch eine entsprechende Gestaltung der Organisations- und Unterrichtsformen jene Bedingungen zu schaffen, die bei den Lernenden diese Befindlichkeit erzeugen. (…) Schulentwicklung und Begabungsförderung stehen in einem Wechselverhältnis zueinander, indem sie einander bedingen: das Eine ist notwendige Konsequenz des Anderen und löst seinerseits wieder das Erstere aus.“ [1]

Pädagoginnen und Pädagogen der Zukunft erkennen Potenziale und schaffen Begeisterung

In Zeiten zunehmender Leistungsheterogenität und unterschiedlicher Lernvoraussetzungen wird es für Pädagoginnen und Pädagogen immer wichtiger, eine professionelle begabungsfördernde Haltung zu entwickeln. Diese ermöglicht es, Potenziale zu erkennen und Kinder und Jugendliche dazu anzuregen, ihre jeweiligen Begabungen eigenverantwortlich und autonom zu entfalten. Als wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Lernen sieht Univ.-Prof. Anton Zeilinger, Professor für Experimentalphysik an der Universität Wien, die Begeisterung für etwas. Wenn die Freude an einer Sache überwiegt, steigt die Motivation, sich darin zu vertiefen: „Im Zustand der Begeisterung kann viel Neues entstehen. Wesentlich ist daher die Weitergabe der Begeisterung an die nächste Generation“, so Zeilinger.

Brückenschlag zur praktischen Schulentwicklung

Im Rahmen des Symposiums "person:orientiert – Begabungsförderung im Gespräch zwischen Theorie und Praxis" beschäftigten sich von 28.2. bis 2.3.2013 in der Akademie der Wissenschaften und im Fortbildungszentrum der KPH Wien/Krems 250 Pädagoginnen und Pädagogen, Schulleiter, Lehrende an Universitäten und Hochschulen, Kindergartenpädagogen und Studierende aus 10 Ländern bei Plenarvorträgen international renommierter Expertinnen und Experten und in Diskursforen mit dem Thema Begabungsförderung. Ziel war es, das Thema in die Köpfe und die Herzen der Beteiligten und in Folge in die Kollegien zu bringen, damit Schulentwicklungsprozesse initiiert werden. Der Zeitpunkt dafür war auch insofern günstig, als Schulentwicklungsprozesse (SQA = „Schulqualität Allgemeinbildung“ als Initiative des Unterrichtsministeriums)– nach einer Pilotphase 12/13 an ausgewählten Schulen in allen Bundesländern - ab dem nächsten Schuljahr für alle Schulen Österreichs verpflichtend sind.
„Genius is talent set on fire by courage.“ (Henry van Dyke, amerikanischer Schriftsteller). Es bleibt zu hoffen, dass den Organisatoren der Anstoß gelungen ist, das Lernen in allen Schularten im Sinne einer Personalisierung weiterzuentwickeln. Gerne trägt die VCL durch den Abdruck von Inhalten des Symposiums in der Juni-Ausgabe dazu bei, dass für Nachhaltigkeit gesorgt ist.

Dir. Mag. Isabella Zins

 

[1] Günter Schmid: Begabungsförderung als Kataly­sator von Schulentwicklung. In: Begabungen entfalten – Persönlichkeit(en) bilden. Pädago­gische Förderkonzepte in Theorie und Praxis, hrsg. von Andrea Pinz (TIBI Thomasianum). Wien 2013, S. 12 – 32
 


Die Lehrer, unsere Kinder und die Volksschulkrise

Es ist eines der Projekte, das die Regierung noch mit Brachialgewalt vor den Wahlen über die Bühne bringen will; es ist aber deswegen alles andere als zwingend und logisch: das geplante neue Lehrerdienstrecht. Während die Politik ständig vom Dienstrecht reden will, herrscht an anderen Fronten im Bildungssystem längst ein Flächenbrand. Vor allem an unseren Volksschulen.

Alle Experten sich sich einig: Die wichtigste Phase der Erziehung ist die von 3 bis 8 Jahren - bei uns sind das der Kindergarten und die Volksschule.

Lesen Sie weiter auf http://bildungsplattform.or.at/index.php?option=com_content&view=article&id=178

(5.3.2013)


Qualitätssteigerung durch die Gesamtschule?

In der Debatte über unser Schulsystem wird immer auf die „erfolgreiche Gesamtschule“ im angelsächsischen Bereich hingewiesen. Dazu habe ich als Englischlehrerin etwas zu sagen.

Im Rahmen unserer Ausbildung haben wir die englischsprachigen Länder kennen- und lieben gelernt, nicht das dortige Schulsystem. Es ist nicht wahr, dass dort die Kinder in heterogenen Klassen unterrichtet werden und ihren Bedürfnissen nachgegangen wird. Ganz im Gegenteil! Es formieren sich kleine homogene Klassen mit ausgezeichneten Schülern – die anderen „verkümmern“ in ihren Klassen, obwohl sie auch Talente hätten. Das Niveau sinkt und die schulischen Leistungen sind schwächer.

Weiters kommt der “classroom assistant“ zum Einsatz. Dieser hat die Aufgabe den unterrichtenden Lehrer davor zu bewahren von herumfliegenden Gegenständen getroffen zu werden und für ein halbwegs akzeptables Lernklima zu sorgen. Der Lernerfolg ist gering! – Dieser wird vor allem in den nicht wenigen Privatschulen erzielt. Wollen wir das auch in Österreich?

Durch das frühe und wiederholte Wählen und Abwählen von Fächern werden die Kinder immer wieder getrennt. Diese früh begonnene Spezialisierung verhindert auch ein gutes Allgemeinwissen, für das etwa unser österreichisches Schulsystem bekannt ist.

Derzeit steht bei uns jedem Schüler mit den entsprechenden Leistungen der Bildungsweg ins Gymnasium offen. Sollten die Pläne unserer Frau Ministerin Wirklichkeit werden, wird es neben der Gesamtschule bald nur noch wenige Privatgymnasien geben, das wäre schade.

Mag. Martina Sageder, Hard


Burgenland baut Mitbestimmung in Schulen ab

(Wien, 22. 1. 2013) Die „Bildungsplattform Leistung und Vielfalt“ protestiert heftig gegen den Abbau der letzten Reste der Mitbestimmung von Eltern, Schülern und Lehrern bei der Bestellung eines neuen Schulleiters. Das sogenannte  „Objektivierungsverfahren“, das der Landesschulrat beschlossen hat, geht durch den Abbau der demokratischen Mitsprache der Betroffenen in die völlig falsche Richtung.

Im neuen, soeben beschlossenen Verfahren darf der betroffene  Schulgemeinschaftsausschuss zwar eine Stellungnahme abgeben, aber diese besitzt keine konkrete Bedeutung bei der „objektivierten“ Bestellung eines neuen Schulleiters. Bisher hatte dieser aus Schülern, Eltern und Lehrern gleichwertig  zusammengesetzte Ausschuss von den insgesamt 352 zu vergebenden Punkten wenigstens 12 zu vergeben. Künftig sind die von einer Leiter-Bestellung unmittelbar Betroffenen völlig entmündigt.

Damit wird der Schulpartnerschaft am Standort die  Türe vor der Nase zugeschlagen. Genau jene, die künftig konstruktiv zusammenarbeiten sollen, werden im Bestellungsverfahren ausgeschlossen. Während andere Bundesländer schon längst erkannt haben, wie wichtig die Zusammenarbeit der Schulpartner für eine positive Entwicklung an der jeweiligen Schule ist, werden im Burgenland die Uhren zurückgedreht. Und das in einer Zeit, in der alle von Schulautonomie, Entpolitisierung der Schulen und Kooperation reden. Aber gerade einem  ehemaligen Lehrer ist diese Schulpartnerschaft nichts wert (Landeshauptmann Niessl ist von Beruf Hauptschullehrer).

Die Bildungsplattform Leistung und Vielfalt kritisiert diesen Ausschluss der Schulpartner umso schärfer, als sich im monatelangen  Vorfeld dieser „Objektivierungs“-Entscheidung alle Schulpartner getrennt und gemeinsam auf vielfältigste Weise in die Veränderungsbemühungen eingebracht haben. Das Bemühen um konstruktive Mitgestaltung wurde aber von der Parteipolitik  niedergewalzt. Damit sind auch die positiven Auswirkungen einiger anderer Ansätze einer Objektivierung zunichte gemacht worden.

Demokratie à la Burgenland.

 

Rückfragehinweis:

Dr. Günter Schmid
Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
0664/1228867

 


V-IV fordert Basiskompetenz & Begabtenföderung

Der Vizepräsident der Vorarlberger  Industriellenvereinigung, Dieter Gruber, sagte am Abend des 7. Jänner 2013 beim tratitionellen Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung in Hohenems zum Thema Bildung:

"Vor allem den gesellschaftlichen Veränderungen muss Rechnung getragen werden - Stichwort: Ganztagsbetreuung  .... v.a. erwarten wir als Industrie, dass je nach Abschluss eine solide, zeitgemäße Ausbildung vermittelt wird. Das beginnt schon beim Pflichtschulabschluss, wo wir wohl verlangen dürfen, dass die Disziplinen wie Lesen, Schreiben, Rechnen in ihren Grundausprägungen beherrscht werden sollten."

Gruber warnte auch davor, die sehr guten, hochintelligenten Schüler nicht zu vergessen. "Sie in einer gemeinsamen Schule zu unterfordern würde heißen, dass wir uns eines wertvollen Zukunftspotentials berauben. Gleichmacherei hilft da nichts. Es muss wieder erlaubt sein, den Begriff der Eliten in den Mund zu nehmen, die genauso das Recht haben, ihren Talenten entsprechend gefördert und vor allem gefordert zu werden," so Gruber.


ÖGB sieht Fachkräfte-, keinen Akademikermangel!

Ein bemerkenswerter Leserbrief in „Die Presse“ vom 20.12.:

"Wir leiden an einem Fachkräftemangel, nicht an einem Akademikermangel": Diese goldenen Worte Foglars (letzteres mit der Partei abgesprochen??) passen zu der Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit mit Abstand die niedrigste gerade in den Ländern ist, in denen in der Sekundarstufe differenziert wird und die Gymnasien nicht abgeschafft sind: Schweiz 3,4 %, Deutschland 8,1 (in Bayern, das noch mehr Gymnasien hat als die nördlichen Bundesländer, nur 2,6), Österreich 8,5, Niederlande 9,8. Erst an vierter Stelle steht Dänemark mit Gesamtschule und 13,7 %, gefolgt von Slowenien mit Gymnasien: Mit 17,5 % ist es besser als alle anderen EU-Länder (wie z. B. das PISA-Musterland Finnland mit 18,8 %). In Großbritannien (20,6) fliehen alle, die es sich leisten können, vor der Comprehensive School in Privatschulen.

Es ist also offenkundig besser, die Kinder schon nach vier oder, wie in der Schweiz, nach sechs Jahren in die Schule zu schicken, die ihren Begabungen und Neigungen entspricht. Korrekturen dieser Weichenstellung sind ja in unserem System auch nach der achten Schulstufe noch möglich.


In Vorarlberg regiert doch der Hausverstand

Einem vollkommen undurchdachten und schlecht vorbereiteten "Modellversuch gemeinsame Schule Lustenau" wurde vom Schulgemeinschaftsausschuss der betroffenen Schule ein schnelles Ende gesetzt: Direktor, Lehrer, Eltern und Schüler, die aus den Medien erfahren haben, dass "ihre Schule ausgewählt worden ist", halten dieses Modell für unnötig:

http://www.vol.at/nein-zur-inselloesung-modellregion-lustenau-stoesst-auf-widerstand/3437443


Schlechte Leistungen: Lehrer sehen Schuld bei Schmied

Gewerkschafter Paul Kimberger wundert sich nicht über die Ergebnisse des ersten Bildungsstandard-Tests.

Für den Vorsitzenden der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger (FCG), sind die Ergebnisse der ersten Bildungsstandard-Testung in Mathematik "insgesamt nicht so schlecht". Er sei vor allem begeistert von jenen Brennpunktschulen, die trotz widrigen Rahmenbedingungen gute Ergebnisse erreicht hätten. Dass 17 Prozent der Schüler die Standards nicht erreichen, ist aus seiner Sicht keine große Überraschung. Dass es eine Risikogruppe gäbe, habe man schon davor gewusst und: "wir werden uns anstrengen müssen, diesen Anteil deutlich zu verringern".

Die Verantwortung für das schlechte Abschneiden von jedem sechsten Schüler sieht er allerdings nicht bei den Lehrern, sondern beim Unterrichtsministerium: "Wenn man uns nicht die notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt, braucht man sich darüber nicht zu wundern." Das Ministerium müsse dafür sorgen, dass mehr Ressourcen bei den Schülern ankommen, statt Geld in "Prestigeprojekte" und "Hochglanzbroschüren" zu stecken. "Dann können wir endlich Ernst machen mit mehr Individualisierung. Wir brauchen kleinere Gruppen, Frühförderung und Förderung bei der Unterrichtssprache Deutsch. Es muss mehr Geld bei den Kindern ankommen."

"'Fairer Vergleich' ist fatale Botschaft"

Der Bildungswissenschafter Stefan Hopmann (Uni Wien) befürwortete im Ö1-Mittagsjournal zwar die Berücksichtigung der sozialen und kulturellen Herkunft in den Bildungsstandards, warnte aber davor, das Abschneiden der Schüler lediglich als Leistung der Schule zu werten. "Man weiß, dass außer der Schule und der sozialen Herkunft der Kinder für den konkreten Ausfall der Ergebnisse noch hundert andere Gründe verantwortlich sein können". Den die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Schulen berücksichtigenden "fairen Vergleich" hält Hopmann für eine "fatale Botschaft": "Man verteilt damit die Botschaft: 'Wenn du unten bist, ist das nicht so schlimm, wenn es immer noch etwas mehr ist, als die anderen können. Und wenn du oben bist, nützt dir das nichts, weil es immer noch jemanden gibt, der mehr kann als du.'"

Die als Gegeninitiative zum Bildungsvolksbegehren gegründete "Bildungsplattform Leistung & Vielfalt" forderte in einer Aussendung einen "Paradigmenwechsel in der bildungspolitischen Debatte". "Bei nüchterner Betrachtung der traurigen Ergebnisse im Lesen und Rechnen am Ende der Gesamtschule Volksschule ist der Ruf nach einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen geradezu als Anschlag auf die Zukunft unseres Landes zu werten", so Plattform-Vorsitzender Günter Schmid in einer Aussendung.

Die ÖVP-nahe Schülerunion bemängelte in einer Aussendung, dass Neue Mittelschulen bei der Auswertung der Ergebnisse nicht extra ausgewertet wurden.

DiePresse.com, 12.12.2012


Volksschulstudien: Politik des Wegschauens gescheitert

Sprachdefizite nicht wegleugnen, sondern gezielt bekämpfen!

Die heute publizierten Ergebnisse der Volksschulstudien PIRLS und TIMSS müssen endlich zu einem Paradigmenwechsel in der bildungspolitischen Debatte führen“, stellt der Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“, Dr. Günter Schmid, fest. Schmid fordert Bildungsministerin Schmied auf, endlich „den Reset- Button in der Bildungspolitik“ zu drücken und dort den Hebel anzusetzen, wo längst „nicht nur mehr bloß der Schuh drückt, sondern der Hut brennt“.

Bei nüchterner Betrachtung der traurigen Ergebnisse im Lesen und Rechnen am Ende der Gesamtschule Volksschule ist der Ruf nach einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen geradezu als Anschlag auf die Zukunft unseres Landes zu werten“, so Schmid an die Adresse der Ministerin und ihrer Experten.

Volksschullehrer von Politik im Stich gelassen

Schmid will seine Äußerungen aber keinesfalls als Kritik an den Grundschulpädagogen verstanden wissen, ganz im Gegenteil: „Österreichs Volksschullehrer leisten hervorragende Arbeit, werden aber von der Bildungspolitik seit Jahren schmählich im Stich gelassen. Es mangelt an Unterstützungspersonal ebenso wie an Rückendeckung bei einer seriösen Leistungsbeurteilung. Der Druck auf viele Volksschullehrer, Bestnoten wider besseres Wissen zu verschenken, ist enorm, wie selbst die Wiener SSR-Präsidentin mehrmals öffentlich eingestehen musste.

Den Tatsachen endlich ins Auge blicken

Schmid übt auch scharfe Kritik an einer Politik des Schönredens und Wegschauens in der Frage frühkindlicher Förderung. „Zu lange hat man ignoriert, dass bildungsferne Elternhäuser, gleichgültig ob mit oder ohne Migrationshintergrund, Defizite erzeugen, die von der Schule kaum mehr aufzuholen sind.

Schmid weiter: „PIRLS zeigt auf, dass in Österreich nur 33 % der Schüler eine Schule besuchen, in der die Unterrichtssprache bei zumindest 90 % der Schüler die Erstsprache ist. Im internationalen Schnitt sind es 68 %, in Finnland sogar 85 %. TIMSS bestätigt dieses Faktum nicht nur, hier liegt der internationale Schnitt sogar bei 73 %.

Obwohl sich die finnischen Grundschullehrer also einer sprachlich viel homogeneren Schülerpopulation gegenüber sehen, werden sie von einer geradezu vorbildlich hohen Anzahl an Sozialarbeitern und Psychologen in ihrer Arbeit unterstützt. Schmid fordert daher ein sofortiges Ende der Strukturdebatte in der Sekundarstufe und stattdessen massive Investitionen in die Bekämpfung von Sprachdefiziten im Vor- und Volksschulalter.

Stärken wir Österreichs Volksschullehrer den Rücken, wieder Leistung einzufordern. Geben wir ihnen endlich die Rahmenbedingungen, die sie dringend benötigen, um Defizite aus dem Elternhaus kompensieren zu können!“, so Schmid abschließend.

 

Rückfragehinweis:

Dr. Günter Schmid
Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
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www.bildungsplattform.or.at
Presseaussendung vom 11.12.2012


Gesamtschule in Frankreich

Die Gesamtschule bringt keineswegs automatisch mehr individuelle Förderung durch innere Differenzierung innerhalb der Klassen, wie oft gesagt wird. In Frankreich gibt es das so genannte College unique, eine gemeinsame Schule der 11-15 -Jährigen. Dort wird heftig über sinkende Standards, Disziplinprobleme, Gewalt in der Schule debattiert und in französischen Zeitungen ist die Rede sogar von "Le collège, le trou noir de la pédagogie“ (Die Gesamtschule, das schwarze Loch der Pädagogik). Die Gesamtschule in Frankreich habe generell zu schlechten Schulerfolgen und sinkenden Standards geführt, aber keinerlei Verbesserung in Richtung Chancengleichheit gebracht.

Quelle: Les dossiers du net


LH Platter auf Südtiroler Holzweg

Wer zukunftsorientierte Bildungspolitik will, muss sich an anderen Vorbildern orientieren

„In der Bildungspolitik führen bedauerlicherweise immer mehr Dilettanten das große Wort“, stellt der Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ Dr. Günter Schmid fest. Schmid bezeichnet die permanenten Verweise Landeshauptmann Günther Platters auf das angeblich vorbildliche Gesamtschulsystem Südtirols als „entweder naiv oder bewusst irreführend“.

Schmid bedauert, dass Platter offenbar versucht, die positiven Emotionen der Nordtiroler für Südtirol auszunutzen, und bildungspolitisch „mit dem Südtirol-Schmäh hausieren geht“.

Der Blick nach Norden zeigt die wahren Vorbilder

„Die Bildungsplattform Leistung & Vielfalt hat sich stets für eine positive Weiterentwicklung des differenzierten österreichischen Schulsystems ausgesprochen“, betont Dr. Schmid weiter. Deshalb sei ein Blick über die Grenzen, ein Lernen aus den Fehlern ebenso wie aus den „best practices“ anderer Länder unerlässlich.

„Aus der Tiroler Perspektive bietet sich der Blick nach Norden weit mehr an als der nach Südtirol“, verweist Schmid auf das höchst erfolgreiche, differenzierte Schulwesen des Freistaats Bayern. Das beweisen sowohl die PISA-Ergebnisse als auch die jüngsten Entwicklungen bei der Jugendarbeitslosigkeit.

Südtirol bei Jugendarbeitslosigkeit weit schlechter als „Weltmeister“ Bayern

„Die Jugendarbeitslosigkeit ist die Geißel des 21. Jahrhunderts. Wenn immer mehr junge Menschen in die Perspektivenlosigkeit schlittern, gefährdet dies sowohl die wirtschaftliche Zukunft als auch den sozialen Frieden.“ In Südtirol stieg die Jugendarbeitslosigkeit in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent, während Bayern nicht nur EU-weit an der Spitze liegt. Aktuelle Statistiken weisen für Bayern eine sensationell niedrige Jugendarbeitslosigkeit von 2,6 % aus, während in Italien 35,1 % der jungen Menschen nach ihrem Schulabschluss keine Arbeit finden.

Südtirol bei PISA weit hinter Bayern und Baden-Württemberg

„Die Schüler Südtirols weisen bei PISA 2009 auf die Schüler Baden-Württembergs fast ein halbes Jahr und auf die Bayerns mehr als ein halbes Jahr Leistungsrückstand auf“, so der Vorsitzende der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt an die Adresse des Tiroler Landeshauptmanns.

Differenzierte Schulsysteme fördern Migranten erfolgreicher

„Auch was die optimale Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund betrifft, kann Südtirol keinesfalls als Vorbild gelten“, so Schmid. Mit einem Migrationsanteil von nicht einmal sieben Prozent gehört Südtirol zu den deutschsprachigen Regionen mit dem niedrigsten Migrantenanteil. Im Vergleich dazu liegt der Migrantenanteil in Baden-Württembergs hochdifferenziertem Schulwesen bei 25 %! Trotz dieser deutlich größeren Herausforderung für das Schulwesen schneidet Baden-Württemberg bei PISA weit besser ab als Südtirol.

Platter möge sein Land regieren statt bildungspolitisch zu dilettieren

Der Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ fordert Platter auf, endlich die Argumente darzulegen, warum er trotz dieser Faktenlage auf das „Südtiroler Schulmodell“ setzen will. Günter Schmid ist überzeugt, dass Platter trügerischen Pseudo-Experten auf den bildungspolitischen Leim gegangen ist. „Platter soll endlich zugeben, dass ihm all diese Fakten bisher nicht bekannt waren, und seine Attacken auf das differenzierte Schulwesen Österreichs unverzüglich einstellen“, so Schmid abschließend.

Rückfragehinweis:

Bildungsplattform „Leistung und Vielfalt“

Vorsitzender: HR Mag. Dr. Günter Schmid

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Bologna ist gescheitert!

Anlässlich der Tagung des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Philologenverbandes in Berlin im Oktober 2012 führte Heike Schmoll von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die momentan renommierteste deutsche Bildungsjournalistin, aus:

"Bologna ist kein europäisches Erfolgsmodell und hat seine wesentlichen Ziele verfehlt". Als Ausweg aus der 'Bologna-Falle' fordert Schmoll die Abschaffung des Kredit-Punkte-Systems. Die Forderung der OECD nach immer mehr Akademikern bezeichnete sie als überzogen. Stattdessen gelte es, die duale Ausbildung in Deutschland zu sichern, denn ihr drohe Gefahr durch die zunehmende Akademisierung.

Zitiert nach: Profil 11/2012. Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft. Hg vom Deutschen Philologenverband. Berlin, 9.11.2012, S. 11.


Pressekonferenz am „Tag des Gymnasiums“ in Niederösterreich, dem 9.11.2012

„Gymnasium – Schule fürs Leben!“ Unter diesem Titel veranstaltete die AHS-Gewerkschaft Niederösterreichs am Tag des Gymnasiums, dem 9. 11. 2012, eine Pressekonferenz in der Landeshauptstadt St. Pölten, natürlich in einem der 58 niederösterreichischen Gymnasien.  Vorangegangen war dieser Veranstaltung ein Logo "Gymnasium Niederösterreich"vom niederösterreichischen Direktorenverband unter der Leitung von Dir. HR Mag. Franz Spiesmeier, Dir. Mag. Eva Zillinger und Dir. Mag. Isabella Zins initiierter Entwicklungsprozess, aus dem die „Marke Gymnasium“ mit einem eigenem Logo (siehe rechts) und einer gemeinsamen Website aller NÖ Gymnasien (www.gymnasium-noe.at) hervorgegangen war.

Nach einem schwungvollen Einleitungsmusikstück betonte Bildungslandesrat Mag. Karl Wilfing die Wichtigkeit, einmal auf die Stärken des Gymnasiums in einer Art „Leistungsschau“ hinzuweisen und Bilanz zu ziehen.  Für ihn muss diese Schulart erhalten bleiben,  damit die Vielfalt in unserem Bildungssystem gewährleistet ist. Der amtsführende Präsident des Landesschulrates für NÖ HR Hermann Helm verstärkte diese Aussage und betonte, dass die Potenziale unterschiedlicher Begabungen und Talente nur durch ein vielfältiges Angebot an Bildungswegen ausgeschöpft werden können.  Landesschulinspektor HR Mag. Rainer Ristl untermauerte die Bedeutung des im Logo enthaltenen Gymnasium-Slogans „Wir fördern Talente“ mit interessanten Zahlen aus den Ergebnissen der PISA-Studie 2009 und wies auf die steigenden Schülerzahlen in den niederösterreichischen Gymnasien hin. Mag. Isabella Zins gab als Vertreterin der Gymnasialdirektoren in der niederösterreichischen AHS-Gewerkschaft einen Einblick in den Markenentwicklungsprozess und stellte das Ergebnis vor: das gemeinsame Logo, die Website www.gymnasium-noe.at und die Initiative „Tag des Gymnasiums“ an allen 58 Standorten. Die Gymnasien Niederösterreichs haben nun eine „Corporate Identity“ und rücken die Besonderheiten ihrer Schulart ins TdG Pressekonf alle 091112Bewusstsein der Öffentlichkeit: Vielfalt und Tiefe im Angebot, Begleitung der Kinder und Jugendlichen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Bildung von Leistungsträgern der Gesellschaft. Vea Kaiser, eine erfolgreiche junge Autorin (Roman „Blasmusikpop“) und Absolventin eines Gymnasiums hob die Bedeutung der Allgemeinbildung für ihr eigenes Leben auf sehr persönliche Weise hervor: Sie schätzt am Gymnasium vor allem die Erziehung zum kritischen Denken und die Freiheit der Schüler, dort ihr Potenzial und ihre Kreativität zu entwickeln. Am Schluss erklärte  die am Markenentwicklungs-prozess beteiligte Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft NÖ, Mag. Eva Teimel, die Wichtigkeit dieser positiven Initiative, die auch zu mehr Wertschätzung für die Schulart Gymnasium und alle Gymnasiallehrer beitragen soll.  Deswegen hat die Gewerkschaft alle Gymnasien am „Tag des Gymnasiums“ ideell, aber auch finanziell, unterstützt, unter anderem durch die Bereitstellung von  5400 Stück Zotter-Schokoladen, deren Banderole das Gymnasium-Logo ziert – nach dem Motto: „Das Gymnasium schmeckt!“

Sowohl die gut besuchte Pressekonferenz als auch die Aktivitäten aller Gymnasien an diesem 1. „Tag des Gymnasiums“ zeigten: Das Talente fördernde und persönlichkeitsbildende Gymnasium ist nicht nur eine Schule fürs Leben, sondern eine Schule mit Zukunft.

 


 

Lasst Kinder wieder Kinder sein!

Ein Aufruf zu einer kindgerechten und berechenbaren Pädagogik

„Lasst Kinder wieder Kinder sein“, beschwor Dr. Michael Winterhoff am 7. November 2012 in Rankweil vor 450 begeisterten Lehrern aller Schultypen, Kindergartenpädagogen, Lehrlingsausbildner, Gewerkschafts- und Personalvertretern im Rahmen seines Vortrages „Persönlichkeiten statt Tyrannen“.

Der bekannte Kinder- und Jugendpsychiater und Bestsellerautor Dr. Michael Winterhoff aus Bonn stellte im Rahmen seiner ärztlichen Tätigkeit fest, dass etwa seit dem Jahre 1995 die Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern zunehmen. „Heute müssen in Deutschland bereits 70-80 % aller Kinder als auffällig bezeichnet werden“, so Winterhoff. Er führt diesen Zustand auf drei Beziehungsstörungen zurück, die er Partnerschaftlichkeit, Projektion und Symbiose nennt. Im Wesentlichen geht es darum, dass sich Eltern, Lehrer und Erzieher aus ihrer Erziehungs- und Vorbildfunktion zurückziehen und zum Partner, Freund und Kollegen des Kindes werden, was beide überfordert und beim Kind zu schweren Störungen führt.

Aus seiner Sicht als Psychiater hinterfragt Winterhoff den „offenen Unterricht“, der von praxisfremden Theoretikern der Universitäten und Pädagogischen Hochschulen kommt. „Er überfordert besonders die schwachen Kinder und bringt keine Verbesserungen bei den leistungsfähigen Schülern.“ Er fordert alle Pädagogen auf, wieder mehr Wert auf das Schaffen von Strukturen zu legen. Eine Gehirnzelle braucht viele tausend Reize, bis sie ein „a“ in jeder Hand- und Druckschrift als „a“ erkennen kann. Auch die Einhaltung bestimmter Rituale hält er vor allem im Kindergartenalter für besonders wichtig. Es brauche Lehrer und keine Lerncoaches; Kuschelecken hätten in Volksschulen nichts verloren!

 

Addendum: Auf den Punkt brachte es Landeshauptmann Markus Wallner am 14.11.2012 im Vorarlberger Landtag:
"Die Bildungsdebatte ist oberflächlich, langweilig und nur auf Überschriften fixiert!"

 

 


 

Die Bildungsplattform ist jetzt ein Verein!

  

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer der Bildungsplattform!

Am 27. September 2012 fand die erste Generalversammlung des neu konstituierten Vereins „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ statt. Dabei wurde der Gründungsvorstand der Plattform auch als Vereinsvorstand bestätigt und der bestehende Ausschuss durch Dr. Erich Witzmann ergänzt.  

Das Protokoll über den Ablauf der Veranstaltung sowie die Texte der beiden Vorträge, die das Rahmenprogramm bildeten (Oberstudiendirektor Armin Hackl aus Würzburg zum Thema „Schule der Person – ein Modell oder nur eine Vision?“ und Dr. Günter Schmid zum Thema „Der Kampf für Leistung und Vielfalt – Erfolge und Bedrohungen“) sind in der Rubrik „Verein“ im Unterabschnitt „Aktuelles“ abrufbar.

Wir danken unseren schon sehr zahlreichen Vereinsmitgliedern für ihre Unterstützung und werden uns bemühen, ihr Vertrauen nicht zu enttäuschen und durch positive Gestaltungsinitiativen zur Rettung unseres Bildungswesens vor den so genannten „Bildungsexperten“ beizutragen.

Wien, im Oktober 2012

Der Vorstand des Vereins „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“
  

Dr. Günter Schmid (Vorsitzender)
  
Mag. Isabella Zins (1. Stv. Vorsitzende)      Dr. Susanne Schmid (2. Stv. Vorsitzende)

Scheinwerfer (VN, 18.5.13)

Digitale Demenz (1)

von Rudolf Öller

Lehrer kennen das Problem. Ein Schüler versagt, die Eltern haben keine Erklärung, Schulpsychologen werden bemüht, Pillen gekauft, Nachhilfelehrer engagiert. Die simple Frage eines Lehrers, der das Vertrauen der Schüler genießt, bringt die Lösung des Problems. Der Schüler bewegt sich täglich stundenlang durch „soziale Netzwerke“ im Internet und spielt fast jede Nacht bis drei Uhr morgens „Doom“, „Battleforge“, „Call of Duty“ und andere Computerspiele. Mädchen surfen noch häufiger in den sozialen Netzwerken (die in Wahrheit keine sind), vertreiben sich die Zeit aber eher mit Spielen wie „Lady Popular“ oder „Lollipop Chainsaw“.

Die wachsende Computersucht eines Teils der Jugendlichen führt nicht nur zu einer Abnahme der Konzentrationsfähigkeit, ein Phänomen, mit dem sich Lehrer immer öfter herumschlagen müssen, sondern auch zu einer schleichenden Verdummung. Manfred Spitzer, ein deutscher Psychiater und Hirnforscher, erläutert in seinem Buch „Digitale Demenz – wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“ (Verlag Droemer) kompetent den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Gehirntraining. Der systematische Einsatz der Kernspintomographie und die Möglichkeit, Nervenzellen chemisch zu markieren und zu identifizieren, ermöglichen einen tiefen Blick ins Gehirn. Wir wissen seither, dass unser Gehirn ein Organ ist, das durch Training an Leistung gewinnt und durch Vernachlässigung verkümmert, wobei das Training in der Jugend entscheidend ist. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ hat einen realen biologischen Hintergrund. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger, aber das neuronale Fundament wird in der Jugendzeit gelegt.

Spitzer beschreibt detailliert, wie sich „Bildungsexperten“ heillos verirrten, als sie den Einsatz von Maschinen im Unterricht propagierten. Es geht dabei nicht darum, Geräte wie Overheadprojektoren und Beamer abzuschaffen, sondern um die Erkenntnis, dass Maschinenparks in Schulen praktisch sind, zum Lernerfolg aber nichts beitragen. So wie die hochgelobten „Sprachlabors“ der Siebzigerjahre verschwunden sind, so verschwinden nun weltweit die Laptopklassen. Die „blended-learning“-Experten des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts sind schon Schnee von gestern. Wer online im Wikipedia-Lexikon nachschlägt, besorgt sich Informationen, trainiert aber nicht das Gehirn. Wie es der Zufall so will, wurde kürzlich die größte Pädagogik-Metastudie (eine Zusammenfassung sehr vieler Studien) des neuseeländischen Professors John Hattie präsentiert. Hattie weist nach, dass nicht Maschinen oder Lehrpläne einen Lernerfolg garantieren, sondern etwas ganz anderes. Demnächst mehr dazu.

Unter dem Titel „Scheinwerfer“ geben die VN Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern. Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.



 

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