In Memoriam Hofrat Dr. Margareta Schuster
Eine Lichtgestalt der Wiener pädagogischen Szene hat uns – viel zu früh – verlassen. Am 12. April 2013, im 85. Jahr eines bis zuletzt mit wachem Geist und ungebrochener Tatkraft verbrachten Lebens, folgte Margareta Schuster ihrem frühzeitig verstorbenen Gatten und ihren beiden Söhnen, die ihr ebenfalls vorausgegangen waren, in eine hoffentlich bessere Welt.
Ihre überragende menschliche Größe zeigte sich nicht nur an den Schicksalsschlägen, die sie schwer trafen, aber nicht brechen konnten; in keiner Phase ihres Lebens, in keiner ihrer beruflichen Rollen (als Lehrerin, Direktorin, Landesschulinspektorin und danach als mahnende Stimme inmitten einer immer polemischer werdenden Bildungsdiskussion) hörte sie jemals auf, für eine Verbesserung der Lernbedingungen für die Kinder zu kämpfen. In ihrer Ära als zuständige Landesschulinspektorin erlebte der Fremdsprachenunterricht an den Wiener Schulen einen qualitativen Quantensprung. Sie hatte die Idee zu einem Fremdsprachenwettbewerb – ein wesentlicher Beitrag zur Begabungsförderung – der seither zu den Highlights jedes Schuljahres gehört. Sie war es, die den Einsatz der neuen Medien im Unterricht, der damals in England eine erste Blüte erlebte, in Österreich „salonfähig“ machte und durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll forcierte.
Im Umgang mit den Menschen, deren Vorgesetzte sie war, berief sie sich nie auf ihre Amtsautorität, sondern verstand es immer, persönlich zu motivieren. Wer das Glück hatte, unter ihrer Ägide zu wirken oder mit ihr an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten, erlebte immer wohlwollende Förderung und menschliche Zuwendung.
Für mich war Frau Hofrat Dr. Margareta Schuster während meiner gesamten beruflichen Laufbahn Orientierungspunkt, Vorbild und Mentorin. Ich werde ihrer immer mit großer Dankbarkeit gedenken.
Günter Schmid
news4teachers.de: „IG Metall begehrt gegen grün-rote Bildungspolitik auf“
Es ist interessant: in Deutschland wehren sich sozialdemokratische Gewerkschafter und engangierte Unternehmer gegen eine leistungsfeindliche rotgrüne Bildungspolitik, die das Abitiur zum Maß aller Dinge erhebt und die Lehre vernachlässigt – und in Österreich verlangen Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung nach der Gesamtschule!
http://www.news4teachers.de/2013/03/ig-metall-begehrt-gegen-grun-rote-bildungspolitik-auf/
Schulqualität: Auf die Person-Orientierung kommt es an
Wie können wir die Begabungen jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen am besten erwecken und fördern? Diese Frage stand im Zentrum eines dreitägigen, international besetzten Begabungsförderungssymposiums in Wien mit dem Titel "person:orientiert - Begabungsförderung im Gespräch zwischen Theorie und Praxis", an dem ich teilgenommen habe und das im Mittelpunkt meines Frühjahrs-Leitartikels stehen soll. Mit Begabungsförderung ist übrigens nicht allein die Förderung von Hochbegabten gemeint, sondern die personenzentrierte Förderung aller Kinder, also des gesamten Begabungsspektrums. Studien der letzten Zeit deuten immer häufiger darauf hin: Eine Verbesserung der Lernerfolge ist ohne Systemwandel erreichbar. Was wir brauchen, ist eine Haltungsänderung: Mit welcher Einstellung wir als Lehrer den jungen Menschen begegnen, also die Qualität der Beziehung, und wie fordernd und fördernd bzw. wie abwechslungsreich und mitreißend wir den Unterricht gestalten. Das macht Schulqualität zu einem Gutteil aus. Gerade in Zeiten schwieriger werdender äußerer Rahmenbedingungen muss sich Schulentwicklung auf Maßnahmen besinnen, die – bei allen Wünschen nach zusätzlichen Ressourcen – selbst ohne zusätzliches Geld umsetzbar sind. Dazu zählt die Person-Orientierung in der Pädagogik, die im Mittelpunkt der oben erwähnten hochkarätigen Veranstaltung stand.
Schulische Begabungsförderung im Fokus
In einer Pressekonferenz anlässlich des Symposiums, das vom Institut TIBI für Begabungsentwicklung und Innovation an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems und dem eVOCATIOn Weiterbildungs-Institut der Karl-Popper-Akademie organisiert worden war, präsentierten am 28.2.2013 im Club Stephansplatz in Wien international höchst renommierte Begabungsforscher die neuesten Erkenntnisse aus ihrem Gebiet. Anton Zeilinger (Universität Wien), Joseph S. Renzulli (University of Connecticut/USA), Gabriele Weigand (PH Karlsruhe) und Andrea Pinz (KPH Wien/Krems) forderten u.a. eine „Schule der Person“, in der individuelle Begabungen aller Art gefördert werden. Was darunter zu verstehen ist, wurde in dem 3-tägigen Symposium nicht nur bei den Vorträgen, sondern auch in den Diskursforen deutlich, wo die Erkenntnisse auf die Praxis umgelegt wurden und die Teilnehmer ihre Erfahrungen einbringen konnten.
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine hochkarätige Diskussionsrunde, moderiert vom renommierten österreichischen Journalisten und Internet-Blogger Dr. Andreas Unterberger. Prof. Hopmann nannte als zentrales Thema der Zukunft den Umgang mit Heterogenität und wünschte sich Verbesserungen bei der Binnendifferenzierung. Beachtliche Aussage des Bildungswissenschaftlers: Es sei ein Irrglaube, dass zentrale Messungen zu einem gemeinsamen Aufschwung führen. Vielmehr bräuchten Schulen einen Spielraum, auf Heterogenität zu reagieren. Sei dieser eingeschränkt, würden auf Grund der Orientierung am Mittelfeld sowohl sehr gute als auch sehr schlechte Schüler benachteiligt. Es gelte daher, die lokale Autonomie der Schulen zu stärken. Nur Schulen mit einem funktionierenden Umfeld (Zusammenarbeit mit Eltern, Institutionen, Wirtschaft etc.) seien innerlich stark, weil sich viele Menschen für ihren Erfolg mitverantwortlich fühlen. Prof. Anton Zeilinger nannte als einen wichtigen, seinen Karriereweg fördernden Faktor seinen Physiklehrer am humanistischen Gymnasium, der ihn für sein Fach zu begeistern verstand. Als eine seiner eigenen wichtigen Begabungsförderungsaktivitäten stellte er seine Initiative, Studenten, Künstler, Wissenschaftler etc. mit begabten und interessierten Schüler in interdisziplinären Projekten zusammenzubringen und zusammen arbeiten zu lassen (z. B.: in der Akademie zur Begabtenförderung in Oberösterreich), vor. Beachtung fand auch die Aussage der ehemaligen Schülerin des Sir Karl Popper-Gymnasiums, Anna Stürkh: Sie räumte auf mit dem Mythos, dass Leistungsexzellenz bedeute, dass man als Schülerin lauter Einser im Zeugnis haben müsse. In ihrer Schule hätten die Lehrkräfte nicht an alle Schüler in allen Fächern extrem hohe Leistungsansprüche gestellt, sondern diese teilweise zurückgeschraubt, damit sich die Schüler auf ihre Stärken konzentrieren konnten. Sie kritisierte, dass man landläufig gute Noten oft hauptsächlich fürs Reproduzieren bekomme, und lobte den großen Stellenwert der Persönlichkeitsbildung an ihrer ehemaligen Schule. Wichtig sei auf jeden Fall trotzdem, dass die Basis, das Allgemeinwissen, nicht verloren gehe.
Das bestätigte auch Prof. Hopmann, der kritisch anmerkte, dass zum „Kernbestand“ von Schule (ca. 70 – 80 % der vermittelten Inhalte, die immer stabil bleiben) heutzutage zu viel hinzukommt, sodass der Kern oft auf der Strecke bleibt, denn es gebe keine Kompetenzen ohne Inhalte. Prof. Weigand von der PH Karlsruhe gab zu bedenken, dass sich die Gesellschaft klar werden muss, welchen Leistungsbegriff sie vertritt. Sie selber sieht das Ideal nicht in einem auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse ausgerichteten Leistungsbegriff. Dieser müsse vielmehr an der Person orientiert sein: Schüler sollen eigenständig handeln und kritisch denken lernen, um in die Gesellschaft hineinzuwachsen und sie zu verändern.
Begabung als „soziales Kapital“ der Gesellschaft
„Sind traditionelle Begabungsmodelle auch im 21. Jahrhundert noch gültig oder müssen sie im Hinblick auf neue Problemstellungen wie Umweltverschmutzung, unethische Wirtschaftspraktiken, ungleiche Gesundheitsversorgung, soziale Ungerechtigkeit usw. überdacht und überprüft werden?“ Mit dieser Frage brachte Prof. Dr. Joseph Renzulli, Direktor des National Research Center on the Gifted and Talented, University of Connecticut (USA), den Wandel im Verständnis von und im Umgang mit Begabungen auf den Punkt: Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts braucht nicht nur intellektuelle Begabungen, sondern die Potenziale aller Kinder und Jugendlicher, gerade auch ihre ethische Kompetenz und das Bewusstsein um ihre soziale Verantwortung. Unter den Schülern von heute seien die Führungskräfte von morgen. Dementsprechend gehe es darum, Begabungen sinnvoll und wertvoll für die Gestaltung des eigenen Lebens – aber auch für die Gestaltung der gesamten Gesellschaft – einzusetzen.
Was bringt Begabungen hervor? Wie entwickeln sich kreative produktive Begabungen? Seit mehr als 30 Jahren beschäftigen sich Prof. Renzulli und seine Ehefrau, Prof. Sally M. Reis, mit diesen Themen und gelten weltweit als DIE Experten auf dem Gebiet der Begabungsforschung. Sie haben einen eher pragmatischen Zugang zu diesem Thema und entwickeln seit den 70er-Jahren Programme, um Talente zu identifizieren („Talenteportfolio“) und Begabungen konkret zu fördern („Enrichment-Modell“). Dabei geht es ihnen darum, Lernende durch spezielle Angebote (Typ I-, II- und Typ III-Aufgaben) mehr zu fordern und sie v. a. durch Forschungsaufgaben ihre spezielle Interessensgebiete entdecken zu lassen. Lernende sollen Kreativität und Arbeitshaltung („task commitment“) entwickeln und werden ermutigt, Führungspersönlichkeiten zu werden. Hervorgehoben wurde die Wichtigkeit von Typ III-Aufgaben: Diese Forschungsaufgaben werden auf die Person des Schülers bzw. der Schülerin zugeschnitten. Allein bzw. in Kleingruppen dürfen individuelle und eigenständige Projekte bearbeitet werden – mit freudvollem Lernen, Hingabe, Neugier und Kreativität. Landesweite Erfinderwettbewerbe werden veranstaltet, mit demselben Ziel: Kinder und Jugendliche werden in ihrer Arbeitshaltung, ihrer Selbstorganisation und in ihrem Selbstwert gestärkt und lernen dadurch eher, ihre individuellen Lebens- und Karrierepläne zu verwirklichen. Es werden also kognitive und sogenannte ko-kognitive Fertigkeiten erworben. Und Langzeitstudien beweisen: Gerade an diese Typ III-Aufgaben erinnern sich Schüler noch Jahrzehnte später am besten und diese prägen die Laufbahn junger Menschen oft nachhaltig. Das zeigten einige eindrucksvolle Beispiele, auch von amerikanischen Nobelpreisträgern. Als kontraproduktiv sehen Renzulli und Reis – ebenso wie Prof. Hopmann - die zunehmend implementierten standardisierten Testungen an, die man nicht überbewerten dürfe. Es brauche hingegen mehr Zeitressourcen für die Lehrenden, mehr Lehrer-Fortbildung und generell mehr Ressourcen für Förderprogramme, die sich rechnen würden: Denn talentierte junge Menschen partizipieren am Gesellschaftsleben, engagieren sich und sind daher ein wichtiges „Sozialkapital“.
„Schule der Person“ fördert individuelle Talente und Kompetenzen
„Die vielfältigen Talente sind das soziale Kapital einer Gesellschaft“, betonten auch Mag. Andrea Pinz, Leiterin des Instituts TIBI an der KPH Wien/Krems, und Prof. Gabriele Weigand von EVOCATION. Ein dynamischer Begabungsbegriff geht weit über die Berechnung des Intelligenzquotienten hinaus. Er beinhaltet Talente im kognitiven, motorischen, künstlerischen, sozialen, emotionalen und auch im spirituellen Bereich. Ein sensibler und verantwortungsbewusster Umgang mit diesen Begabungen fordert ein intensives Eingehen auf die Person des Lernenden. Für die Schule bedeutet dies mehr Personalität anstelle bloßer Individualität, eine Personalisierung des Lernprozesses sowie die Gestaltung und Entwicklung jeder Organisationsform von Schule in Richtung einer „Schule der Person“ in einer „Schule der Vielfalt“. HR Dr. Günter Schmid, Gründer der „Karl-Popper-Akademie“, Teammitglied von EVOCATION und Mitarbeiter am Institut TIBI, sieht Begabungsförderung als Katalysator der Schulentwicklung und bezeichnet die Personalisierung als Brücke zwischen Schulentwicklung und Begabungsförderung:
„Eine „personale“ (und nicht „aktionistische“) Schulentwicklung orientiert sich nicht primär an äußerlich wahrnehmbaren Attributen wie systemischen Strukturen oder der Quantität des Angebots, sondern an der Qualität der auf der Beziehungsebene ablaufenden Lernerlebnisse. Da die Effektivität eines Prozesses proportional zur Zufriedenheit, der inneren Anteilnahme, dem „Commitment“ der in diesen Prozess involvierten Personen steigt, muss es einer „personalen“ Schulentwicklung vor allem darum gehen, durch eine entsprechende Gestaltung der Organisations- und Unterrichtsformen jene Bedingungen zu schaffen, die bei den Lernenden diese Befindlichkeit erzeugen. (…) Schulentwicklung und Begabungsförderung stehen in einem Wechselverhältnis zueinander, indem sie einander bedingen: das Eine ist notwendige Konsequenz des Anderen und löst seinerseits wieder das Erstere aus.“ [1]
Pädagoginnen und Pädagogen der Zukunft erkennen Potenziale und schaffen Begeisterung
In Zeiten zunehmender Leistungsheterogenität und unterschiedlicher Lernvoraussetzungen wird es für Pädagoginnen und Pädagogen immer wichtiger, eine professionelle begabungsfördernde Haltung zu entwickeln. Diese ermöglicht es, Potenziale zu erkennen und Kinder und Jugendliche dazu anzuregen, ihre jeweiligen Begabungen eigenverantwortlich und autonom zu entfalten. Als wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Lernen sieht Univ.-Prof. Anton Zeilinger, Professor für Experimentalphysik an der Universität Wien, die Begeisterung für etwas. Wenn die Freude an einer Sache überwiegt, steigt die Motivation, sich darin zu vertiefen: „Im Zustand der Begeisterung kann viel Neues entstehen. Wesentlich ist daher die Weitergabe der Begeisterung an die nächste Generation“, so Zeilinger.
Brückenschlag zur praktischen Schulentwicklung
Im Rahmen des Symposiums "person:orientiert – Begabungsförderung im Gespräch zwischen Theorie und Praxis" beschäftigten sich von 28.2. bis 2.3.2013 in der Akademie der Wissenschaften und im Fortbildungszentrum der KPH Wien/Krems 250 Pädagoginnen und Pädagogen, Schulleiter, Lehrende an Universitäten und Hochschulen, Kindergartenpädagogen und Studierende aus 10 Ländern bei Plenarvorträgen international renommierter Expertinnen und Experten und in Diskursforen mit dem Thema Begabungsförderung. Ziel war es, das Thema in die Köpfe und die Herzen der Beteiligten und in Folge in die Kollegien zu bringen, damit Schulentwicklungsprozesse initiiert werden. Der Zeitpunkt dafür war auch insofern günstig, als Schulentwicklungsprozesse (SQA = „Schulqualität Allgemeinbildung“ als Initiative des Unterrichtsministeriums)– nach einer Pilotphase 12/13 an ausgewählten Schulen in allen Bundesländern - ab dem nächsten Schuljahr für alle Schulen Österreichs verpflichtend sind. „Genius is talent set on fire by courage.“ (Henry van Dyke, amerikanischer Schriftsteller). Es bleibt zu hoffen, dass den Organisatoren der Anstoß gelungen ist, das Lernen in allen Schularten im Sinne einer Personalisierung weiterzuentwickeln. Gerne trägt die VCL durch den Abdruck von Inhalten des Symposiums in der Juni-Ausgabe dazu bei, dass für Nachhaltigkeit gesorgt ist.
Dir. Mag. Isabella Zins
[1] Günter Schmid: Begabungsförderung als Katalysator von Schulentwicklung. In: Begabungen entfalten – Persönlichkeit(en) bilden. Pädagogische Förderkonzepte in Theorie und Praxis, hrsg. von Andrea Pinz (TIBI Thomasianum). Wien 2013, S. 12 – 32
Die Lehrer, unsere Kinder und die Volksschulkrise
Es ist eines der Projekte, das die Regierung noch mit Brachialgewalt vor den Wahlen über die Bühne bringen will; es ist aber deswegen alles andere als zwingend und logisch: das geplante neue Lehrerdienstrecht. Während die Politik ständig vom Dienstrecht reden will, herrscht an anderen Fronten im Bildungssystem längst ein Flächenbrand. Vor allem an unseren Volksschulen.
Alle Experten sich sich einig: Die wichtigste Phase der Erziehung ist die von 3 bis 8 Jahren - bei uns sind das der Kindergarten und die Volksschule.
Lesen Sie weiter auf http://bildungsplattform.or.at/index.php?option=com_content&view=article&id=178
(5.3.2013)
Qualitätssteigerung durch die Gesamtschule?
In der Debatte über unser Schulsystem wird immer auf die „erfolgreiche Gesamtschule“ im angelsächsischen Bereich hingewiesen. Dazu habe ich als Englischlehrerin etwas zu sagen.
Im Rahmen unserer Ausbildung haben wir die englischsprachigen Länder kennen- und lieben gelernt, nicht das dortige Schulsystem. Es ist nicht wahr, dass dort die Kinder in heterogenen Klassen unterrichtet werden und ihren Bedürfnissen nachgegangen wird. Ganz im Gegenteil! Es formieren sich kleine homogene Klassen mit ausgezeichneten Schülern – die anderen „verkümmern“ in ihren Klassen, obwohl sie auch Talente hätten. Das Niveau sinkt und die schulischen Leistungen sind schwächer.
Weiters kommt der “classroom assistant“ zum Einsatz. Dieser hat die Aufgabe den unterrichtenden Lehrer davor zu bewahren von herumfliegenden Gegenständen getroffen zu werden und für ein halbwegs akzeptables Lernklima zu sorgen. Der Lernerfolg ist gering! – Dieser wird vor allem in den nicht wenigen Privatschulen erzielt. Wollen wir das auch in Österreich?
Durch das frühe und wiederholte Wählen und Abwählen von Fächern werden die Kinder immer wieder getrennt. Diese früh begonnene Spezialisierung verhindert auch ein gutes Allgemeinwissen, für das etwa unser österreichisches Schulsystem bekannt ist.
Derzeit steht bei uns jedem Schüler mit den entsprechenden Leistungen der Bildungsweg ins Gymnasium offen. Sollten die Pläne unserer Frau Ministerin Wirklichkeit werden, wird es neben der Gesamtschule bald nur noch wenige Privatgymnasien geben, das wäre schade.
Mag. Martina Sageder, Hard
Burgenland baut Mitbestimmung in Schulen ab
(Wien, 22. 1. 2013) Die „Bildungsplattform Leistung und Vielfalt“ protestiert heftig gegen den Abbau der letzten Reste der Mitbestimmung von Eltern, Schülern und Lehrern bei der Bestellung eines neuen Schulleiters. Das sogenannte „Objektivierungsverfahren“, das der Landesschulrat beschlossen hat, geht durch den Abbau der demokratischen Mitsprache der Betroffenen in die völlig falsche Richtung.
Im neuen, soeben beschlossenen Verfahren darf der betroffene Schulgemeinschaftsausschuss zwar eine Stellungnahme abgeben, aber diese besitzt keine konkrete Bedeutung bei der „objektivierten“ Bestellung eines neuen Schulleiters. Bisher hatte dieser aus Schülern, Eltern und Lehrern gleichwertig zusammengesetzte Ausschuss von den insgesamt 352 zu vergebenden Punkten wenigstens 12 zu vergeben. Künftig sind die von einer Leiter-Bestellung unmittelbar Betroffenen völlig entmündigt.
Damit wird der Schulpartnerschaft am Standort die Türe vor der Nase zugeschlagen. Genau jene, die künftig konstruktiv zusammenarbeiten sollen, werden im Bestellungsverfahren ausgeschlossen. Während andere Bundesländer schon längst erkannt haben, wie wichtig die Zusammenarbeit der Schulpartner für eine positive Entwicklung an der jeweiligen Schule ist, werden im Burgenland die Uhren zurückgedreht. Und das in einer Zeit, in der alle von Schulautonomie, Entpolitisierung der Schulen und Kooperation reden. Aber gerade einem ehemaligen Lehrer ist diese Schulpartnerschaft nichts wert (Landeshauptmann Niessl ist von Beruf Hauptschullehrer).
Die Bildungsplattform Leistung und Vielfalt kritisiert diesen Ausschluss der Schulpartner umso schärfer, als sich im monatelangen Vorfeld dieser „Objektivierungs“-Entscheidung alle Schulpartner getrennt und gemeinsam auf vielfältigste Weise in die Veränderungsbemühungen eingebracht haben. Das Bemühen um konstruktive Mitgestaltung wurde aber von der Parteipolitik niedergewalzt. Damit sind auch die positiven Auswirkungen einiger anderer Ansätze einer Objektivierung zunichte gemacht worden.
Demokratie à la Burgenland.
Rückfragehinweis:
Dr. Günter Schmid Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
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0664/1228867
V-IV fordert Basiskompetenz & Begabtenföderung
Der Vizepräsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung, Dieter Gruber, sagte am Abend des 7. Jänner 2013 beim tratitionellen Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung in Hohenems zum Thema Bildung:
"Vor allem den gesellschaftlichen Veränderungen muss Rechnung getragen werden - Stichwort: Ganztagsbetreuung .... v.a. erwarten wir als Industrie, dass je nach Abschluss eine solide, zeitgemäße Ausbildung vermittelt wird. Das beginnt schon beim Pflichtschulabschluss, wo wir wohl verlangen dürfen, dass die Disziplinen wie Lesen, Schreiben, Rechnen in ihren Grundausprägungen beherrscht werden sollten."
Gruber warnte auch davor, die sehr guten, hochintelligenten Schüler nicht zu vergessen. "Sie in einer gemeinsamen Schule zu unterfordern würde heißen, dass wir uns eines wertvollen Zukunftspotentials berauben. Gleichmacherei hilft da nichts. Es muss wieder erlaubt sein, den Begriff der Eliten in den Mund zu nehmen, die genauso das Recht haben, ihren Talenten entsprechend gefördert und vor allem gefordert zu werden," so Gruber.
ÖGB sieht Fachkräfte-, keinen Akademikermangel!
Ein bemerkenswerter Leserbrief in „Die Presse“ vom 20.12.:
"Wir leiden an einem Fachkräftemangel, nicht an einem Akademikermangel": Diese goldenen Worte Foglars (letzteres mit der Partei abgesprochen??) passen zu der Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit mit Abstand die niedrigste gerade in den Ländern ist, in denen in der Sekundarstufe differenziert wird und die Gymnasien nicht abgeschafft sind: Schweiz 3,4 %, Deutschland 8,1 (in Bayern, das noch mehr Gymnasien hat als die nördlichen Bundesländer, nur 2,6), Österreich 8,5, Niederlande 9,8. Erst an vierter Stelle steht Dänemark mit Gesamtschule und 13,7 %, gefolgt von Slowenien mit Gymnasien: Mit 17,5 % ist es besser als alle anderen EU-Länder (wie z. B. das PISA-Musterland Finnland mit 18,8 %). In Großbritannien (20,6) fliehen alle, die es sich leisten können, vor der Comprehensive School in Privatschulen.
Es ist also offenkundig besser, die Kinder schon nach vier oder, wie in der Schweiz, nach sechs Jahren in die Schule zu schicken, die ihren Begabungen und Neigungen entspricht. Korrekturen dieser Weichenstellung sind ja in unserem System auch nach der achten Schulstufe noch möglich.
In Vorarlberg regiert doch der Hausverstand
Einem vollkommen undurchdachten und schlecht vorbereiteten "Modellversuch gemeinsame Schule Lustenau" wurde vom Schulgemeinschaftsausschuss der betroffenen Schule ein schnelles Ende gesetzt: Direktor, Lehrer, Eltern und Schüler, die aus den Medien erfahren haben, dass "ihre Schule ausgewählt worden ist", halten dieses Modell für unnötig: http://www.vol.at/nein-zur-inselloesung-modellregion-lustenau-stoesst-auf-widerstand/3437443
Schlechte Leistungen: Lehrer sehen Schuld bei Schmied
Gewerkschafter Paul Kimberger wundert sich nicht über die Ergebnisse des ersten Bildungsstandard-Tests.
Für den Vorsitzenden der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger (FCG), sind die Ergebnisse der ersten Bildungsstandard-Testung in Mathematik "insgesamt nicht so schlecht". Er sei vor allem begeistert von jenen Brennpunktschulen, die trotz widrigen Rahmenbedingungen gute Ergebnisse erreicht hätten. Dass 17 Prozent der Schüler die Standards nicht erreichen, ist aus seiner Sicht keine große Überraschung. Dass es eine Risikogruppe gäbe, habe man schon davor gewusst und: "wir werden uns anstrengen müssen, diesen Anteil deutlich zu verringern".
Die Verantwortung für das schlechte Abschneiden von jedem sechsten Schüler sieht er allerdings nicht bei den Lehrern, sondern beim Unterrichtsministerium: "Wenn man uns nicht die notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt, braucht man sich darüber nicht zu wundern." Das Ministerium müsse dafür sorgen, dass mehr Ressourcen bei den Schülern ankommen, statt Geld in "Prestigeprojekte" und "Hochglanzbroschüren" zu stecken. "Dann können wir endlich Ernst machen mit mehr Individualisierung. Wir brauchen kleinere Gruppen, Frühförderung und Förderung bei der Unterrichtssprache Deutsch. Es muss mehr Geld bei den Kindern ankommen."
"'Fairer Vergleich' ist fatale Botschaft"
Der Bildungswissenschafter Stefan Hopmann (Uni Wien) befürwortete im Ö1-Mittagsjournal zwar die Berücksichtigung der sozialen und kulturellen Herkunft in den Bildungsstandards, warnte aber davor, das Abschneiden der Schüler lediglich als Leistung der Schule zu werten. "Man weiß, dass außer der Schule und der sozialen Herkunft der Kinder für den konkreten Ausfall der Ergebnisse noch hundert andere Gründe verantwortlich sein können". Den die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Schulen berücksichtigenden "fairen Vergleich" hält Hopmann für eine "fatale Botschaft": "Man verteilt damit die Botschaft: 'Wenn du unten bist, ist das nicht so schlimm, wenn es immer noch etwas mehr ist, als die anderen können. Und wenn du oben bist, nützt dir das nichts, weil es immer noch jemanden gibt, der mehr kann als du.'"
Die als Gegeninitiative zum Bildungsvolksbegehren gegründete "Bildungsplattform Leistung & Vielfalt" forderte in einer Aussendung einen "Paradigmenwechsel in der bildungspolitischen Debatte". "Bei nüchterner Betrachtung der traurigen Ergebnisse im Lesen und Rechnen am Ende der Gesamtschule Volksschule ist der Ruf nach einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen geradezu als Anschlag auf die Zukunft unseres Landes zu werten", so Plattform-Vorsitzender Günter Schmid in einer Aussendung.
Die ÖVP-nahe Schülerunion bemängelte in einer Aussendung, dass Neue Mittelschulen bei der Auswertung der Ergebnisse nicht extra ausgewertet wurden.
DiePresse.com, 12.12.2012
Volksschulstudien: Politik des Wegschauens gescheitert
Sprachdefizite nicht wegleugnen, sondern gezielt bekämpfen!
„Die heute publizierten Ergebnisse der Volksschulstudien PIRLS und TIMSS müssen endlich zu einem Paradigmenwechsel in der bildungspolitischen Debatte führen“, stellt der Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“, Dr. Günter Schmid, fest. Schmid fordert Bildungsministerin Schmied auf, endlich „den Reset- Button in der Bildungspolitik“ zu drücken und dort den Hebel anzusetzen, wo längst „nicht nur mehr bloß der Schuh drückt, sondern der Hut brennt“.
„Bei nüchterner Betrachtung der traurigen Ergebnisse im Lesen und Rechnen am Ende der Gesamtschule Volksschule ist der Ruf nach einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen geradezu als Anschlag auf die Zukunft unseres Landes zu werten“, so Schmid an die Adresse der Ministerin und ihrer Experten.
Volksschullehrer von Politik im Stich gelassen
Schmid will seine Äußerungen aber keinesfalls als Kritik an den Grundschulpädagogen verstanden wissen, ganz im Gegenteil: „Österreichs Volksschullehrer leisten hervorragende Arbeit, werden aber von der Bildungspolitik seit Jahren schmählich im Stich gelassen. Es mangelt an Unterstützungspersonal ebenso wie an Rückendeckung bei einer seriösen Leistungsbeurteilung. Der Druck auf viele Volksschullehrer, Bestnoten wider besseres Wissen zu verschenken, ist enorm, wie selbst die Wiener SSR-Präsidentin mehrmals öffentlich eingestehen musste.“
Den Tatsachen endlich ins Auge blicken
Schmid übt auch scharfe Kritik an einer Politik des Schönredens und Wegschauens in der Frage frühkindlicher Förderung. „Zu lange hat man ignoriert, dass bildungsferne Elternhäuser, gleichgültig ob mit oder ohne Migrationshintergrund, Defizite erzeugen, die von der Schule kaum mehr aufzuholen sind.“
Schmid weiter: „PIRLS zeigt auf, dass in Österreich nur 33 % der Schüler eine Schule besuchen, in der die Unterrichtssprache bei zumindest 90 % der Schüler die Erstsprache ist. Im internationalen Schnitt sind es 68 %, in Finnland sogar 85 %. TIMSS bestätigt dieses Faktum nicht nur, hier liegt der internationale Schnitt sogar bei 73 %.“
Obwohl sich die finnischen Grundschullehrer also einer sprachlich viel homogeneren Schülerpopulation gegenüber sehen, werden sie von einer geradezu vorbildlich hohen Anzahl an Sozialarbeitern und Psychologen in ihrer Arbeit unterstützt. Schmid fordert daher ein sofortiges Ende der Strukturdebatte in der Sekundarstufe und stattdessen massive Investitionen in die Bekämpfung von Sprachdefiziten im Vor- und Volksschulalter.
„Stärken wir Österreichs Volksschullehrer den Rücken, wieder Leistung einzufordern. Geben wir ihnen endlich die Rahmenbedingungen, die sie dringend benötigen, um Defizite aus dem Elternhaus kompensieren zu können!“, so Schmid abschließend.
Rückfragehinweis:
Dr. Günter Schmid Vorsitzender der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.bildungsplattform.or.at Presseaussendung vom 11.12.2012
Gesamtschule in Frankreich
Die Gesamtschule bringt keineswegs automatisch mehr individuelle Förderung durch innere Differenzierung innerhalb der Klassen, wie oft gesagt wird. In Frankreich gibt es das so genannte College unique, eine gemeinsame Schule der 11-15 -Jährigen. Dort wird heftig über sinkende Standards, Disziplinprobleme, Gewalt in der Schule debattiert und in französischen Zeitungen ist die Rede sogar von "Le collège, le trou noir de la pédagogie“ (Die Gesamtschule, das schwarze Loch der Pädagogik). Die Gesamtschule in Frankreich habe generell zu schlechten Schulerfolgen und sinkenden Standards geführt, aber keinerlei Verbesserung in Richtung Chancengleichheit gebracht.
Quelle: Les dossiers du net
LH Platter auf Südtiroler Holzweg
Wer zukunftsorientierte Bildungspolitik will, muss sich an anderen Vorbildern orientieren
„In der Bildungspolitik führen bedauerlicherweise immer mehr Dilettanten das große Wort“, stellt der Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ Dr. Günter Schmid fest. Schmid bezeichnet die permanenten Verweise Landeshauptmann Günther Platters auf das angeblich vorbildliche Gesamtschulsystem Südtirols als „entweder naiv oder bewusst irreführend“.
Schmid bedauert, dass Platter offenbar versucht, die positiven Emotionen der Nordtiroler für Südtirol auszunutzen, und bildungspolitisch „mit dem Südtirol-Schmäh hausieren geht“.
Der Blick nach Norden zeigt die wahren Vorbilder
„Die Bildungsplattform Leistung & Vielfalt hat sich stets für eine positive Weiterentwicklung des differenzierten österreichischen Schulsystems ausgesprochen“, betont Dr. Schmid weiter. Deshalb sei ein Blick über die Grenzen, ein Lernen aus den Fehlern ebenso wie aus den „best practices“ anderer Länder unerlässlich.
„Aus der Tiroler Perspektive bietet sich der Blick nach Norden weit mehr an als der nach Südtirol“, verweist Schmid auf das höchst erfolgreiche, differenzierte Schulwesen des Freistaats Bayern. Das beweisen sowohl die PISA-Ergebnisse als auch die jüngsten Entwicklungen bei der Jugendarbeitslosigkeit.
Südtirol bei Jugendarbeitslosigkeit weit schlechter als „Weltmeister“ Bayern
„Die Jugendarbeitslosigkeit ist die Geißel des 21. Jahrhunderts. Wenn immer mehr junge Menschen in die Perspektivenlosigkeit schlittern, gefährdet dies sowohl die wirtschaftliche Zukunft als auch den sozialen Frieden.“ In Südtirol stieg die Jugendarbeitslosigkeit in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent, während Bayern nicht nur EU-weit an der Spitze liegt. Aktuelle Statistiken weisen für Bayern eine sensationell niedrige Jugendarbeitslosigkeit von 2,6 % aus, während in Italien 35,1 % der jungen Menschen nach ihrem Schulabschluss keine Arbeit finden.
Südtirol bei PISA weit hinter Bayern und Baden-Württemberg
„Die Schüler Südtirols weisen bei PISA 2009 auf die Schüler Baden-Württembergs fast ein halbes Jahr und auf die Bayerns mehr als ein halbes Jahr Leistungsrückstand auf“, so der Vorsitzende der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt an die Adresse des Tiroler Landeshauptmanns.
Differenzierte Schulsysteme fördern Migranten erfolgreicher
„Auch was die optimale Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund betrifft, kann Südtirol keinesfalls als Vorbild gelten“, so Schmid. Mit einem Migrationsanteil von nicht einmal sieben Prozent gehört Südtirol zu den deutschsprachigen Regionen mit dem niedrigsten Migrantenanteil. Im Vergleich dazu liegt der Migrantenanteil in Baden-Württembergs hochdifferenziertem Schulwesen bei 25 %! Trotz dieser deutlich größeren Herausforderung für das Schulwesen schneidet Baden-Württemberg bei PISA weit besser ab als Südtirol.
Platter möge sein Land regieren statt bildungspolitisch zu dilettieren
Der Vorsitzende der „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ fordert Platter auf, endlich die Argumente darzulegen, warum er trotz dieser Faktenlage auf das „Südtiroler Schulmodell“ setzen will. Günter Schmid ist überzeugt, dass Platter trügerischen Pseudo-Experten auf den bildungspolitischen Leim gegangen ist. „Platter soll endlich zugeben, dass ihm all diese Fakten bisher nicht bekannt waren, und seine Attacken auf das differenzierte Schulwesen Österreichs unverzüglich einstellen“, so Schmid abschließend.
Rückfragehinweis:
Bildungsplattform „Leistung und Vielfalt“
Vorsitzender: HR Mag. Dr. Günter Schmid
E-Mail:
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Bologna ist gescheitert!
Anlässlich der Tagung des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Philologenverbandes in Berlin im Oktober 2012 führte Heike Schmoll von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die momentan renommierteste deutsche Bildungsjournalistin, aus:
"Bologna ist kein europäisches Erfolgsmodell und hat seine wesentlichen Ziele verfehlt". Als Ausweg aus der 'Bologna-Falle' fordert Schmoll die Abschaffung des Kredit-Punkte-Systems. Die Forderung der OECD nach immer mehr Akademikern bezeichnete sie als überzogen. Stattdessen gelte es, die duale Ausbildung in Deutschland zu sichern, denn ihr drohe Gefahr durch die zunehmende Akademisierung.
Zitiert nach: Profil 11/2012. Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft. Hg vom Deutschen Philologenverband. Berlin, 9.11.2012, S. 11.
Pressekonferenz am „Tag des Gymnasiums“ in Niederösterreich, dem 9.11.2012
„Gymnasium – Schule fürs Leben!“ Unter diesem Titel veranstaltete die AHS-Gewerkschaft Niederösterreichs am Tag des Gymnasiums, dem 9. 11. 2012, eine Pressekonferenz in der Landeshauptstadt St. Pölten, natürlich in einem der 58 niederösterreichischen Gymnasien. Vorangegangen war dieser Veranstaltung ein vom niederösterreichischen Direktorenverband unter der Leitung von Dir. HR Mag. Franz Spiesmeier, Dir. Mag. Eva Zillinger und Dir. Mag. Isabella Zins initiierter Entwicklungsprozess, aus dem die „Marke Gymnasium“ mit einem eigenem Logo (siehe rechts) und einer gemeinsamen Website aller NÖ Gymnasien (www.gymnasium-noe.at) hervorgegangen war.
Nach einem schwungvollen Einleitungsmusikstück betonte Bildungslandesrat Mag. Karl Wilfing die Wichtigkeit, einmal auf die Stärken des Gymnasiums in einer Art „Leistungsschau“ hinzuweisen und Bilanz zu ziehen. Für ihn muss diese Schulart erhalten bleiben, damit die Vielfalt in unserem Bildungssystem gewährleistet ist. Der amtsführende Präsident des Landesschulrates für NÖ HR Hermann Helm verstärkte diese Aussage und betonte, dass die Potenziale unterschiedlicher Begabungen und Talente nur durch ein vielfältiges Angebot an Bildungswegen ausgeschöpft werden können. Landesschulinspektor HR Mag. Rainer Ristl untermauerte die Bedeutung des im Logo enthaltenen Gymnasium-Slogans „Wir fördern Talente“ mit interessanten Zahlen aus den Ergebnissen der PISA-Studie 2009 und wies auf die steigenden Schülerzahlen in den niederösterreichischen Gymnasien hin. Mag. Isabella Zins gab als Vertreterin der Gymnasialdirektoren in der niederösterreichischen AHS-Gewerkschaft einen Einblick in den Markenentwicklungsprozess und stellte das Ergebnis vor: das gemeinsame Logo, die Website www.gymnasium-noe.at und die Initiative „Tag des Gymnasiums“ an allen 58 Standorten. Die Gymnasien Niederösterreichs haben nun eine „Corporate Identity“ und rücken die Besonderheiten ihrer Schulart ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Vielfalt und Tiefe im Angebot, Begleitung der Kinder und Jugendlichen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Bildung von Leistungsträgern der Gesellschaft. Vea Kaiser, eine erfolgreiche junge Autorin (Roman „Blasmusikpop“) und Absolventin eines Gymnasiums hob die Bedeutung der Allgemeinbildung für ihr eigenes Leben auf sehr persönliche Weise hervor: Sie schätzt am Gymnasium vor allem die Erziehung zum kritischen Denken und die Freiheit der Schüler, dort ihr Potenzial und ihre Kreativität zu entwickeln. Am Schluss erklärte die am Markenentwicklungs-prozess beteiligte Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft NÖ, Mag. Eva Teimel, die Wichtigkeit dieser positiven Initiative, die auch zu mehr Wertschätzung für die Schulart Gymnasium und alle Gymnasiallehrer beitragen soll. Deswegen hat die Gewerkschaft alle Gymnasien am „Tag des Gymnasiums“ ideell, aber auch finanziell, unterstützt, unter anderem durch die Bereitstellung von 5400 Stück Zotter-Schokoladen, deren Banderole das Gymnasium-Logo ziert – nach dem Motto: „Das Gymnasium schmeckt!“
Sowohl die gut besuchte Pressekonferenz als auch die Aktivitäten aller Gymnasien an diesem 1. „Tag des Gymnasiums“ zeigten: Das Talente fördernde und persönlichkeitsbildende Gymnasium ist nicht nur eine Schule fürs Leben, sondern eine Schule mit Zukunft.
Lasst Kinder wieder Kinder sein!
Ein Aufruf zu einer kindgerechten und berechenbaren Pädagogik
„Lasst Kinder wieder Kinder sein“, beschwor Dr. Michael Winterhoff am 7. November 2012 in Rankweil vor 450 begeisterten Lehrern aller Schultypen, Kindergartenpädagogen, Lehrlingsausbildner, Gewerkschafts- und Personalvertretern im Rahmen seines Vortrages „Persönlichkeiten statt Tyrannen“.
Der bekannte Kinder- und Jugendpsychiater und Bestsellerautor Dr. Michael Winterhoff aus Bonn stellte im Rahmen seiner ärztlichen Tätigkeit fest, dass etwa seit dem Jahre 1995 die Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern zunehmen. „Heute müssen in Deutschland bereits 70-80 % aller Kinder als auffällig bezeichnet werden“, so Winterhoff. Er führt diesen Zustand auf drei Beziehungsstörungen zurück, die er Partnerschaftlichkeit, Projektion und Symbiose nennt. Im Wesentlichen geht es darum, dass sich Eltern, Lehrer und Erzieher aus ihrer Erziehungs- und Vorbildfunktion zurückziehen und zum Partner, Freund und Kollegen des Kindes werden, was beide überfordert und beim Kind zu schweren Störungen führt.
Aus seiner Sicht als Psychiater hinterfragt Winterhoff den „offenen Unterricht“, der von praxisfremden Theoretikern der Universitäten und Pädagogischen Hochschulen kommt. „Er überfordert besonders die schwachen Kinder und bringt keine Verbesserungen bei den leistungsfähigen Schülern.“ Er fordert alle Pädagogen auf, wieder mehr Wert auf das Schaffen von Strukturen zu legen. Eine Gehirnzelle braucht viele tausend Reize, bis sie ein „a“ in jeder Hand- und Druckschrift als „a“ erkennen kann. Auch die Einhaltung bestimmter Rituale hält er vor allem im Kindergartenalter für besonders wichtig. Es brauche Lehrer und keine Lerncoaches; Kuschelecken hätten in Volksschulen nichts verloren!
Addendum: Auf den Punkt brachte es Landeshauptmann Markus Wallner am 14.11.2012 im Vorarlberger Landtag: "Die Bildungsdebatte ist oberflächlich, langweilig und nur auf Überschriften fixiert!"
Die Bildungsplattform ist jetzt ein Verein!
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer der Bildungsplattform!
Am 27. September 2012 fand die erste Generalversammlung des neu konstituierten Vereins „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ statt. Dabei wurde der Gründungsvorstand der Plattform auch als Vereinsvorstand bestätigt und der bestehende Ausschuss durch Dr. Erich Witzmann ergänzt.
Das Protokoll über den Ablauf der Veranstaltung sowie die Texte der beiden Vorträge, die das Rahmenprogramm bildeten (Oberstudiendirektor Armin Hackl aus Würzburg zum Thema „Schule der Person – ein Modell oder nur eine Vision?“ und Dr. Günter Schmid zum Thema „Der Kampf für Leistung und Vielfalt – Erfolge und Bedrohungen“) sind in der Rubrik „Verein“ im Unterabschnitt „Aktuelles“ abrufbar.
Wir danken unseren schon sehr zahlreichen Vereinsmitgliedern für ihre Unterstützung und werden uns bemühen, ihr Vertrauen nicht zu enttäuschen und durch positive Gestaltungsinitiativen zur Rettung unseres Bildungswesens vor den so genannten „Bildungsexperten“ beizutragen.
Wien, im Oktober 2012
Der Vorstand des Vereins „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“
Dr. Günter Schmid (Vorsitzender) Mag. Isabella Zins (1. Stv. Vorsitzende) Dr. Susanne Schmid (2. Stv. Vorsitzende) |